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Der Wanderer.

BelktrWchcS Beiblatt gut Raffauischm Sdlflem. Zeitung.

1851. Mi 215.

Frauen - Diplomatie.

(Fortsetzung.)

IX.

tÄI' Georg war durch seine Abwesenheit seiner Geliebten viel näher gerückt; denn er schrieb ihr, und ihre Mutter erlaubte ihr von Zeit zu Zeit, ihm ein paar Zeilen zu antworten. Diese Zettel, die sie jedes Mal ihrer Mutter vorlegte, waren von einer so merkwürdigen Fassung, streng in Worten und glühend in Gefühlen, wie ein Sie» deSgluth athmender Blick unter einem Ronnenschleier, alS wolle sie um keinen Preis die ihr von der Mutter ge­währte Erlaubniß mißbrauchen, und vermöge eS dennoch nicht. Als Georg einst einen außerordentlich schönen Kupferstich:Christus als Tröster", von modernen Dul- dergestalten umringt, nach einem Gemälde von Ary Scheffer, aus Paris schickte, schrieb Laura ihm;

Bild und Brief sind glücklich angelangt. Doch ob« gleich beide mit der Mission, zu trösten, zu mir kamen, gelingt eS keinem.

Dieser Christus ist nicht mein Vermittler, denn meine Leiden sind nicht modern seit dem Anfang deS Men­schengeschlechts haben sie die Herzen zerrissen! Ich halte mich an den alten Gott!

Ihr Brief, zwar gut gemeint, hat mich auch nicht erheitern können, weil ich daraus ersehe, baß Sie selbst nicht heiter sind.

Leben Sie wohl, und suchen Sie den frischen Muth wieder zu gewinnen, wovon Sie mir schrieben, daß er Sie bei Ihrer Abreise von Wien beseelte.

Ich will nicht falsch sein und Sie zum Schlüsse versichern, daß ich ihn habe ich bedarf ihn aber auch nicht; ja, wenn ich ihn hätte, würde er mir vielleicht bei der mir zugewiesenen Dulderrolle eher hinderlich, als förderlich sein! Aber Sie! Selbst wenn Sie im Kampfe unterliegen, erhalten Sie einen Epitaph, auf welches

keiner Ihrer hochgräflichen Vorfahren Anspruch machen kann: Er hat gearbeit et!

Laura."

Graf Hugo behielt seine alte Weise bei. Er kam von Zeit zu Zeil, bis auch er für mehrere Monate auf Urlaub an seinen Hof reifte. AlS er zurückkehrte, be­suchte er sogleich die Malerfamilie und theilte Gerhardinen mit, daß er seinen Sohn auch in diesen Tagen zurück erwarte. Sie mußte daS durch die Briefe Georg's an ihre Tochter einer offenen Frage deS Grafen würde sie kaS.gesagt haben, für seine forschenden Blicke aber blieb sie stumm.

Doch Laura bereitete ihr an demselben Abend noch eine heftige Gemüthsbewegung. AlS sic auf ihr Schlaf­zimmer kam, fand sie ihr liebstes Kind, daS sie schon längst zur Ruhe glaubte, noch oben und sie erwartend.

Mutter, sagte Laura mit beklommener Stimme, ich muß ein Wort zu dir reden, daS mir schon seit Monaten schwer auf dem Herzen liegt; ich wollte dich aber nicht vergeblich und unnötig ängstigen.

Rede, fahre fort, sagte voll Sorge die Mutter.

Du hast , alle Briefe Georg'S gelesen, auch seinen Letzten?

Auch seinen letzten.

So wirst du dich wohl erinnern, daß er mich darin mahnt: deS Versprechens eingedenk zu sein.

Gerhardine nickte stumm.

Dieses Versprechen betrifft meine Flucht mit ihm, sobald er Alles dazu geordnet hat und mir ein sicheres Asyl, ein hinreichendes Auskommen zu bieten weiß.

Du sprichst von dieser Flucht, mein Kind, wie von einer unabwendbaren Nothwendigkeit!

DaS ist sie; wenn wir nicht beide zu Grunde gehen wollen! Sein Vater will mich nicht, und Ihr könnt nichts gegen des Gesandten Willen selbst wenn alle Schwir-