Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

aa ^a crr».

Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. JV» S1S.

--------------- . ------' «WAlfr^JTg^^^ ----------------

Frauen - Diplomatie.

(Fortsetzung.)

Nach dem Tanzen wurde noch im Garten auf und abgegangen; da Mutter, habe ich ihm nicht mit Worten aber durch ein Kopfnicken zugesagt, daß ich ihm folgen will, wenn er mich einmal ruft von jedem Orte, von jeder Stelle, selbst ach, Mutter , zürne mir nicht! selbst auS deinen Armen!

Gerhardine sagte nichts, sie deckte mit der Hand die Augen; aber Laura zog die Hand weg und flehte: Ver­zeihe mir! Du hast ja den Vater und meine beiden Brü­der, und ich, ich würde dir doch keine Freude mehr machen, ich würde mich verzehren, auS Sehnsucht nach ihm!

Gerhardine fragte mit einem tiefen Seufzer: Wie kam er in daS HauS der Generalin?

Er erfuhr, daß sie beinahe unser einziger Umgang sei, und ließ sich durch einen Neffen einführen.

Fiel denn der Generalin Euer Benehmen nicht auf?

Glücklicher Weise wurde sie durch den unerwarte-m Besuch eineS Jugendbekannten ganz absorbirt. ES scheint mir eine Jugendliebe gewesen zu sein, denn die alte Dame mar ganz verändert.

Da du daS heute bemerktest, so muß eS freilich eine auffallende Veränderung gewesen sein. Aber nicht wahr, mein Kind, eS ist nicht dein Ernst, daß du ihm folgen willst, wenn er dich ruft? DaS kann nicht dein Ernst fein!

Gewiß, Mutter, du weißt, wie lieb ich dich habe «Heß Glück, daS ich bisher genoffen und ich habe ja nichts als Glück genossen verdank ich dir! Und den» noch ein solch Gefühl, wie eS mein Herz jetzt klopfen wacht, hat nicht der gütige Gott in ein frommes Herz stiegt, daß eS unterdrückt, vertilgt werde! Warum ist *8 denn stärker und mächtiger, ja, jedes andere Gefühl

himmelhoch überragend? Warum soll ich eS unterdrücken und ihn und mich elend machen, ohne dich zu beglücken? Um der hochmüthigen Launen zweier herzlosen Eltern willen? Rede mir nicht zu, Mutter ! Wenn du mich überredetest, ich würde dann vielleicht dich betrügen, und da sei Gott vor!

Ohne Abschied willst du doch nicht von mir gehen?

Eben daS habe ich ihm versprechen müssen ver­sprechen müssen, keinen Abschied von dir zu nehmen, son­dern unmittelbar seinem Rufe zu folgen er fürchtet sonst, mich vergebens zu erwarten, und zum zweitenmale sei eS vielleicht für ihn unmöglich, eine Flucht für unS Beide vorzubereiten.

Gerhardine schwieg in peinvollem Kampfe Laura brach jetzt bei dem Anblick der Schmerzen ihrer Mutter in lauteS Schluchzen auS und rief: O, zürne mir nicht ich kann ja doch nicht ohne dich leben, und kehre dann mit ihm zu dir zurück.

Aber die Mutter schüttelte traurig mit dem Kopfe und fragte dann: Was erwartet er, um jene Flucht mit dir anzutreten?

Daß er eine Stellüng in England oder America ge­winne. Er will jetzt hier noch ein Jahr studiren, dann eine Reise antreten, die wohl ein halbes Jahr und länger währen kann und auf welcher er sich seine Zukunft sichern will dann, dann will er . . .

Dich mir entreißen! O Laura! Laura!

DaS Kind weinte und schluchzte, aber kein Wort, kein Versprechen kam über ihre Lippen, das den Kummer der Mutter hätte lindern können.

Graf Hugo kam von Zeit zu Zeit ins HauS, seine anfänglichen Huldigungen für Gerhardine schlugen mit der Zeit in den Ton einer wahren Freundschaft um. AlS Wolfram daS bemerkte, gewann auch er ihn lieber, und bald verging keine Woche, wo nicht Hugo einen Abend