Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. — jy 210.
Den Dichtern.*)
(Von Emanuel Geibel.)
Ihr Sänger, denen auf die Brauen Einst süßer Thau des Himmels fiel, Daß ihr im Dunkeln heut zu schauen
Vermögt der Zukunft Farbenspiel,
Auf, jetzt gedenkt, wie euch gegeben
Ein Heilsamt aller Sühnung voll,
Und laßt das Lied erhabner schwellen,
Als dieser Tage Lieb und Groll.
Zum wüsten Kampf nicht, der die Stufen
Noch blind umtobt mit Schwert und Brand,
Zur Tempelwacht seid ihr berufen,
Und auf den Höhn ist euer Stand.
Wenn Alle schwanken, trugen, zagen
Beim jähen Wetterschlag der Zeit,
Sollt ihr in freier Seele tragen
Das Maß und die Gerechtigkeit.
Die heil'gen Schätze sollt ihr hüten,
Die fromm die Väter aufgehâuft,
Des Herzens keusche Wuuderblüten,
Den Glauben, der von Frieden tränst;
Ihr sollt durch diese Zeit von Eisen
Forttragen im gediegnen Wort
Als Hochbegnadigte Teinpleisen**)
Der Schönheit Licht, des Geistes Hort.
Nicht dürft ihr euch vor Thronen beugen,
Noch knieen wo der Pöbel kniet,
Die ew'ge Wahrheit braucht der Zeugen,
Und Opferfeuer sei das Lied,
Daß wenn dereinst nach Sturm und Fluten
Erscheint des Friedensbogens Tag,
Das Volk an euern reinen Gluten Der Freiheit Fackel zünden mag.
*) Dieses neue Lied von Geibel (1849) ist in Stoff und Poeste höchst bedeutsam und verdient die weiteste Verbreitung. ) Hüter oder Wächter des Graaltempels, im Parcival von Wol- stqm v. Eschenbach.
Hinweg drum mit des Grimmes Falten,
Mit Schellenklang und Brunst und Lug! Wie mag der Arm die Wage halten, Der mit dem Schwert den Bruder schlug? Wie mag den Kelch des Segens spenden, Wer selbst am Mahl der Sünde zecht? Rein sollt ihr sein an Herz und Händen, Ihr seid ein priesterlich Geschlecht.
Und will euch schier die Kraft Verstegen,
Und schwankt euch in der Brust das Herz: Gebete, die zum Himmel fliegen, Ziehn Feuerzungen niederwärts;
Und aus der Schöpfung heil'gem Leben, Aus ihrer ewig heitern Ruh Strömt mit gebeimnißvollem Weben Verjüngung euch und Klarheit zu.
Geht hin zum Meer in Abendgluten, Geht hin zum Wald und rüstet euch! Der Geist schwebt heut noch auf den Fluten, Noch heute flammts im Dorngestrâuch;
Da wird in ahnungsvollem Segen Der Herr euch nah sein, nah und hold, Und wird euch auf die Lippen legen, Was ihr dem Volk verkünden sollt.
Frauen - Diplomatie.
(Fortsetzung)
Wolfrani lachte laut auf. Der Curiositât wegen! zu sehen, was so ein Diplomat nicht alles unternimmt. Welche großartige Aufgabe: der Mutter den Hof machen und die Tochter für den Sohn deSavouiren ! Den Vater als Vater beleidigen und als Ehemann betrügen wollen— den eigenen Sohn hintergehen und seine Frau um — doch an die denkt er nicht, also lassen wir die auch auS dem Spiele. Du siehst aber, er will uns alle betrügen, nur mit dir meint erÄ gut!