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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. 194.

O Die Goldmine

Novelle frei nach E. Berthet, erzählt von Fr. Bousfier.

(Fortsetzung.)

Schon oft hatte er feinen Führer gefragt, ob sie noch nicht bald am Reiseziele wären; plötzlich betrachtete er die ganze Umgebung aufmerksamer, ritt zur Kutsche vor und sagte deren Inhaberin:

Wenn ich mich nicht sehr irre, so sind wir am Orte unserer Bestimmung und Sie können von der Anstreng­ung der Reise ausruhen. Nach der Beschreibung, die Eie mir so oft gemacht, sind hier die zwei Felsspitzen, Lie den Eingang zum Lhale von Ende-der-Welt bildeten. Aber, ach, ich fürchte, daß Sie hier nur traurige Verän- Lerungen finden werden" !

Die vorderen Fenster der Kutsche öffneten sich, und eine Dame in tiefer Trauer erhob sich, um die Gegend besser zu übersehen. Sie konnte ungefähr 50 Jahre alt sein und gewisse Züge ihres Gesichtes zeigten an, wie schön sie einst gewesen sein mußten ; doch Krankheit und Kum­mer halten diese gefurcht. Sie warf einen düstern Blick um sich. Ein krampfhaftes Zucken bewies, daß ste die Gegend, wo sie einst ein würdiges Obdach gefunden, wie­der erkenne. Erschüttert fiel sie in die Kiffen der Kutsche zurück.

O, meine Mutter, warum haben Sie sich in diese Gegend in ihrem leidenden Zustande begeben? nicht auf meine Bitten gehört? Wenn wir nur hier die nöthigste Hiise finden werden, deren Sie so sehr bedürfen"!

Mein Kind, mein Moritz, ich wollte nicht eher ster­ben, ohne Dich dem Schutze eineâ edelmüthigen Freun­des, den ich hier suche, übergeben zu haben. Denn waS bleibt Dir sonst auf der Erde, wenn ich nicht mehr bin? M mich dis zum letzten Augenblicke hoffen; einst sagte ct la; wenn durch die Schuld Deines Vaters, des BaronS ^kyras . . . Wittwe oder Sohn der Hilfe bedürfen soll­

ten, so kommet zu mir, ich schütze, ich helfe Euch! Und die Zeit ist gekommen, und ein Wort Martin-Simonö ich weiß, waS es galt".

Aber Muller, denken Sie, wie alt dieser Marlin- Simon sein müßte"!

Ich weiß eS wohl, doch hat seine edelmüihigc Toch­ter mich desselben Schutzes versichert. Aber siehe, wir : müssen in der Nähe des Dorfes sein, wo ich so glücklich gelebt haben würde, wenn eS Dein Vater gewollt hätte. Ernestine von Blanchefort (als solche werden sie unsere Leser schon erkannt haben) lehnte sich auS dem Schlage : auch der junge Mann blickte forschenden Auges umher, um die Wunderwerke zu erblicken, von denen ihm die Mutter so oft erzählt. Allein ein schmerzlicher Schrei entwand sich der Brust Ernstinens, als sie die, während ihrer Abwesenheit eingetretenen traurigen Veränderungen erblickte. Ende-der-Welt eristirte nicht mehr. Das Thal bot keine Spur von Cultur mehr dar. Der Boden schien wie von einem Erdbeben umgewühlt worden zu sein; Steinmaffen erhoben sich von allen Seiten; nicht einen Daumen breit Erde konnte man eben und bebaut finden; Alles war zerrissen, zerstört und verwüstet.

Sowie sich vor einunddreißig Jahren das Gerücht einer Goldmtne öffentlich verbreitet hatte, wurde die Ein­bildungskraft aller Colonisten in dem Thale so sehr erhitzt, daß sie keinen Schollen Erde ununtersucht ließen, in der Hoffnung einen Schatz zu finden. Jeder hatte seine Fel­der unterhöhlt, und als sie, zur Reue zu spät, sich von den unnützen Bemühungen ihrer Nachforschungen über­zeugt hatten, waren sie ruinirt. Die Fabel von der Henne mit den goldenen Eiern wurde an den Bewohnern des Dorfes zur Wirklichkeit.

Aber das war noch nicht Alles; die Goldsucher hatten auch nicht einen Felsen der Umgegend unerforscht gelassen, selbst an die daS Dorf beschützenden Steinmaffen