Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. — ^ 193
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O Die Goldmine
Novelle frei nach E. Berth et, erzählt von Fr. Bonsfier.
(F o r t s e tz u n g.)
Nachdem er so gesprochen, kehrten sich Michelot und der Chevalier dem Follet wieder zu und ergingen sich in Hoffnungen, daß der Weg zu den Gipfeln doch wohl durch Menschenhand und Kunst wieder zu errichten [sei. Allein als Martin-Simon ihnen ironisch lächelnd bemerkte, daß nun, ohne den schützenden Ueberhang deS Pelvour die Lawinen ihn gänzlich überschütten, und ewige Gletscher bilden würden, durch die keine menschliche Kunst den - Weg bahnen würde, blieben sie gesenkten HaupteS stehen. - Margarethe trat jetzt zu ihrem Vater.
„Gott wird dich belohnen, mein edler Vater", sagte | sie achtungsvoll, „und wenn auch die Bewohner der Städte dich tadeln, so gibt eS auch noch einfache und rechtlich gesinnte Leute, die den Werth Deines OpserS begreifen".
Margarethe hatte Recht so zu sprechen, denn schon! v war auf den Gesichtern der Montagnarden jede Spur s k beS UnmuthS verschwunden; diese kamen sogar herzu, dem König deS Pelvour die Hände zu drücken. Durch dieses Beispiel gerührt, kehrten auch in daS Herz der Andern wieder menschlichere Gesinnungen zurück. DeS Chevaliers N tdlereS Gefühl war im Strome der Leidenschaften doch K noch nicht gänzlich untergegangen und er bat Martin- Simon mit zitternder Stimme um Verzeihung. Auch Michelot nahte ihm und gab ihm die Papiere, die noch am Morgen eine so fürchterliche Rolle spielen sollten, zurück. Martin-Simon zerriß sie. Auch Noel und der Prior gaben ihm die Hände.
Noch einen Blick unsäglicher Verachtung, dann aber | "UH einen längeren der Verzeihung auf die Menge wer
fend, nahm Martin-Simon den Arm feiner Tochter und trat aus der Grotte.
Alles folgte ihm nach, und der Zug fetzte sich stillschweigend in Bewegung nach dem Dorfe. Vor demselben wandte sich noch einmal Martin-Simon zu den Montagnarden, ermahnte sie, in ihrer bisherigen Sitten- cinfachheit und Unschuld zu beharren und daS traurige Ereigniß zu vergessen. Dann schenkte er Allen ihre bisher benutzten Häuser und Güter, die ihnen seine Wohlthätigkeit als Lehen zugewiesen, als Eigenthum.
Ein lautes: „Gott segne Euch"! erscholl von allen Seiten.
Der Trupp zerstreute sich.
„Margarethe", sagte nun Martin-Simon zu seiner Tochter, als sie allein waren, „das Opfer war schwerer, als ich dachte. Doch bin ich nichts desto weniger froh, eS erfüllt zu haben. Aber mir ahnt, daß es eine traurige Rückwirkung auf das Glück unserer kleinen Colonie haben werde".
„Verdränge diese Gedanken, mein Vater und denke nur an die Ruhe, in denen Deine Tage von nun an verfließen werden. Wir sind noch reich, ja sehr reich, und . . , ."
»Sprich nicht davon mein liebcS Gretchen", sagte der Amtmann mit matter Stimme; „aber Du hast Recht, wir werden nun im Frieden leben allein, und in der Unschuld deS Herzens. Du heirathest einen ehrbaren jungen Mann deS Thales, und ich werde in meinen Enkel wieder aufleben".
Margarethe schauderte.
„Niemals, niemals, mein Vater"! sagte sie in düsterer Entschlossenheit.
„Und warum daS, meine Tochter"?
Sie blieb einen Augenblick ohne Antwort.