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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. 192.

O Die Goldmine

Novelle frei nach E. Berthet, erzählt von Fr. Bouffier.

(Fortsetzung.)

Indem Martin-Simon noch sprach, ließ sich ein er­schrecklicher, dumpfer Knall vernehmen; die Luft war hef­tig bewegt, die Erde zitterte und ein Regen von Steinen und FelSstücken schlug auf allen Seiten auf den Boden nieder. Alles wollte nun auf den freien Platz vor der Höhle laufen.

Nehmet Euch in Acht" ! ries Martin-Simon,wenn meine Vermuthungen richtig sind, ist die größte Gefahr noch nicht vorbei".

Allein die Neugierde wirkte stärker als die Ermah­nung des guten Mannes. Man stürzte sich aus der Höhle und alle Augen richteten sich nach den Follet, wo­her der Knall gekommen zu sein schien.

Eine Mine von mehreren Tonnen Pulvers war heimlich unter die Granatmaffen des Follet gebracht wor­den, welche den Fußsteig bildeten und einzig die Bestei­gung des Berges vermittelten. An diese Mine nun hatte Martin. Simon, während er hinter dem Berge ver­schwunden war, Feuer gelegt. Eine unendliche Rauch­säule erhob sich wirbelnd gegen den Himmel und zeigte an, wie mächtig die Explosion gewesen sein mußte.

Aber, wie es der König des Pelvour gesagt, daS war nur das Vorspiel einer noch fürchterlicheren Cata- strophe. Die untern Felsblöcke, da sie nun keine Stütze wehr hatten wegen der Zerstörung ihrer gemeinsamen Basis, fingen an sich loszulösen und mit fürchterlichem Gekrache zu rollen ; und so ging eS von Stufe zu Stufe, dis die ganze Felsenlinie zusammenbrach. Man sah sie wanken, rollen, die Massen sich überstürzen, an einander drechen und das Thal mit tausend Trümmern bedecken. Die Luft war in steter Bewegung, wie bei der Entla­

dung einer unaufhörlichen Kanonade, und daS in den umliegenden Gebirgen sich tausendfach brechende Echo tönte wie Donner. Man hätte glauben mögen, daß ein Erdbeben alle diese großartigen Berge vernichten, alle diese himmel­hohen Gletscher über einander stürzen wolle.

Alle sahen dieser erhabenen Scene stumm uud zit­ternd zu. ES war keine Leidenschaft, die nicht in diesem Augenblicke von dem Schreck erstickt worden. Einige flohen in die Höhle zurück, um sich vor den noch immer umhergeschleuderten Steinen zu schützen; Andere bedeck­ten daS Gesicht mit den Händen. Nur allein Martin- Simon und Margarethe betrachteten ruhigen AugeS die verschiedenen Phasen der großen Catastrophe, die sie hcr- vorgerufen; aber der Vater hatte die Hand der Tochter ergriffen und drückte sie jedesmal krampfhaft, wenn ein neuer Stoß und Fall sich hören ließ.

Dieses schreckliche Gekrache dauerte noch einige Mi­nuten ; die Entladungen folgten nun in längeren Zwi­schenräumen und endlich war Alles stille. Das Echo ver­hallte und eine düstere Ruhe herrschte in der Natur. In­deß verdunkelnten der Rauch, der Pulverdampf und die aufgewirbelten Sandmassen noch einige Zeit lang die Lust, man konnte noch nicht die ganze Wirkung der Er­schütterung übersehen. Aber ein leichter Abendwind ver­jagte auch diese kolossalen Massen und der Follet erschien wieder auf blassem, vom Mond beleuchteten Hintergründe. Die lange Felsenreihe, die zum Fußsteige gedient hatte, war gänzlich verschwunden. Der Gipfel eines den Follet überhangenden, und ihn vor den Lawinen schützenden Flügels des Pelvour war in den Abgrund gerollt. Nur der Pic des Follet stand einzig isolirt in jetzt unzugäng­licher Höhe, nackt in fast senkrechter Erhebung, ohne Verbindung mehr mit dem Pelvour.

Martin-Simon war der Erste, der wieder zu seiner vollkommenen Ruhe zurückkehrte.