Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. —
J^ 191.
O Die Goldmine
Nvvellt frei nach E. Berthet, erzählt von Fr. Bouffier.
(Fortsetzung.)
Die Umstehenden betrachteten diesen Schatz mit Ent- jücken. Martin-Simon allein blieb unbeweglich; er trat zuerst in die Grotte und bemächtigte sich einiger Mineur- werkzeuge, die aus der Erde lagen.
„DaS ist Alles, was ich von hier mitnehmen werde", sagte er; „diese Werkzeuge werden mir meine vergangenen Arbeiten in diesem verborgenen Aufenthalte zurück- rufen. Ihr, meine Freunde", fuhr er fort, „fordert jetzt von mir nichts mehr. Ihr habt die Quelle gewünscht, auS der Martin-Simon seinen Reichthum schöpfte; hier ist sie. Aber wenn die Lawine Euer HauS zerstört, werde ich eS nicht wieder aufbauen können; wenn der ; Hagel das Getreidefeld einer Familie zerschlägt, werde ich diese nicht mehr bis zur kommenden Aerndle zu er- ■ nähren im Stande sein; ich werde nicht mehr die armen Mädchen aussteuern, nicht mehr die Wege Herstellen ; können; eâ wird keinen Beschützer, keinen Wohlthäter wehr auf Ende-derWelt geben, eS wird kein König deS s Pelvour mehr sein" !
Mit diesen Worten entfernte er sich langsam mit den ' Werkzeugen auf seiner Schulter, setzte sich an den Rand beS Plateau und überließ die Mine denjenigen, welche er hierher geführt.
Diese überließen sich ihrer unersättlichen Neugierde. Die Einen gingen bis zum Grunde der Höhle und schieln zu enstaunen, daß sich ihnen daS Gold nicht unter der Form gelber Stücke mit dem Bildnisse Königs Ludwig Präsentire. Die Andern versuchten dasselbe mit ihren Nägeln loSzukratzen und zweifelten nicht, daß daS am weiften glänzendste Metall auch das kostbarste sei. An- ^re endlich gingen mit nachvenkender Miene um die Höhle
herum, während die einige Schritte bei Seite stehenden Michelot und der Chevalier über die Mittel träumten, wie sie allein Herren dieser reichen Beute werden könnten. Doch diese Betrachtungen und Ertasen sollten nicht lange dauern. Bald erschien Martin-Simon wieder und eröffnete den Neugierigen, daß sie sich nun sogleich wieder zurückziehen müßten, wenn sie nicht durch die Nacht, welche daS Hinabsteigen vom Follet sehr gefährlich machte, überrascht sein wollten.
Die Montagnarben warfen einen Blick auf die wenigen röthlichen Wolken am äußersten Horizonte und erkannten die Richtigkeit dieser Bemerkung; deßhalb schickte man sich auf der Stelle zur Rückkehr an.
„Herr Martin-Simon", rief der Chevalier, der noch immer mit seiner geheimen Absicht beschäftigt war, „wäre eS nicht besser, bevor wir zum Dorfe zurückkehren, wenn Sie den Theil von der Goldmine, den Sie Jedem von diesen da zuzuweisen gedenken, erst festsetzten. Denken Sie an die Streitigkeiten, an den endlosen Haß, der sonst entstehen könnte".
„Wir werden uns schon noch darüber verständigen", antwortete einfach Martin-Simon, „aber hier können wir nicht länger bleiben. In der Grotte bei den Tannen werden wir uns wieder finden. Hört Ihr, in der Grotte bei den Tannen! da wir Wichtiges alSdann da zu besprechen haben, so ist eS um so schlimmer für den der nicht darin ist, wenn die Andern schon versammelt sind; er wird es gewiß bereuen".
Jeder versprach da zu sein und beeilte sich nun, inS Thal zurück zu steigen.
Martin Simon wollte nur zuletzt daS Plateau verlassen, um sich zu überzeugen, daß Niemand in der Mine oder deren Umgebung zurückbleibe. Er ging in feiner Vorsicht so weit, sogar die Reisenden zu zählen und entfernte sich erst, als er darüber Gewißheit erlangt hatte,