Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. — M 190.
O Die Goldmine
Novelle frei nach E. Bertb et, erzählt von Fr. Bonffier.
(Fortsetzung.)
So war denn eingetroffen, waS Martin-Simon nie geahnt hätte.
Selbst diejenigen, die ihm Alles zu verdanken hatten, die aber auch ihr Leben für ihn zu opfern jeder Zeit bereit gewesen, waren in dem Strudel der Begierde, deS Eigennutzes untergegangen. Wie oft zeigt uns daS Leben solche grenzenlose Undankbarkeit, wenn Eigennutz in'S Spiel tritt. Die wir auf unsern Schultern erheben, ! setzen uns den Fuß in den Nacken. Diejenigen, mit de- s nen wir aus Gutmüthigkeit, auS Menschenfreundlichkeit mit eigner Aufopferung daS Unsere getheilt , die wir in unsere Verbindungen ^eingeführt , suchen allmâhlig ihr eigenes Ich vorzuschieben und unS zu verdrängen, den letzten Schatten des Ansehens uns noch zu rauben. ES ist der Well Lohn!
Die Höhe furchtsamen AugeS betrachtend, sagte Mi- chelot schüchtern:
„Der Berg ist sehr steil und jähe".
„Und doch habe ich ihn in ungünstigeren Jahreszeiten als die jetzige, erklommen", sagte der König des Pel- vour; ich habe ihn bei Nacht und bei Wettern erklettert, wo eS unklug, ja verwegen war, sich den Gefahren fol. Wer Höhen auSzusetzen. . . . Ja, und mein armes Gretchen hat mich mehr als einmal während langer Stunden in jener Höhle erwartet, verzweifelnd, mich jemals wieder ju sehen.
Gehet, das Geld, das ich so schnell für Andere verwendete, war mit unzähligen meiner Schweißtropfen und denen der Todesangst meines armen Kindes ge, tränkt".
„Diese Leute kommen unS vor", sagte der Chevalier, als er die schon vorangeeilten Montagnarben erblickte; wir müssen uns eilen". Und man verdoppelte den Schritt.
Am Fuße des Follet angekommen, sah man schon die Montagnarden die steile Höhe erklimmen, während unter ihren Füßen Erdschollen auf die Nachkommenden rollten.
„Sind die nöthigen Vorsichtsmaßregeln genommen"? fragte Margarethe leise ihren Vater.
„Ja, vergiß nicht, Dich bei dem Signale in die Höhle zurückzuziehen".
„Ich werde es, aber vergiß auch Deine eigene Sicherheit nicht".
Nachdem sie noch einige geheimnißvolle Worte gewechselt hatten, verschwand Margarethe hinter einem Felsen.
X.
Der Schatz.
Die Besteigung des Berges Follet war indeß weniger schwierig, als man geglaubt hatte, da seiner ganzen Höhe entlang große Steinblöcke einen fast sicheren Fußsteig bildeten; auch konnte man bemerken, daß Menschenhand schon viel gethan hatte, um diesen beschwerlichen Gang zu erleichtern und weniger gefährlich zu machen. Man mochte eine Stunde schon gestiegen sein, als ein lautes Geschrei die Ankunft mehrerer Montagnarden auf dem Gipfel anzeigte und die Zurückgebliebenen sich beeilten, dasselbe Ziel zu erreichen. Endlich waren Alle auf der Höhe, die eine Art Plateau bildete, und von der man eine unendliche Aussicht genoß, um Martin-Simon versammelt. Kaum hatte man den Zuletztangekommenen eine Minute Zeit gelassen, zu Athem zu kommen, als mehrere Stimmen schon mit Ungeduld riefen: