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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allqem. Zeitung.

1851. M 185.

0 Die Goldmive

Novelle frei nach 6. Bertbet, erzählt von Fr. Bouffier.

(Fortsetzung )

V1H.

Die Rivalen.

Auf Margarethens Frage, welche Gründe zu solch' einem Verfahren gegen Michelot vorlägen, suchte Martin- Simon sie in dem Eingriff gegen den Gang dieser Justiz zu verhindern, indem er alle Fallstricke, die ihm der Pro­kurator gelegt, aufveckte und ihr die Papiere desselben, welche in der Verwirrung zur Erde gefallen waren, über­gab. Margarethe durchlief diese flüchtig und über ihre Schulter her ebenfalls der Chevalier.

Was man am wenigsten vermuthet hatte, die schwache Jungfrau, Ernestine, trat nun zum lebhaftesten Verthei, biger desjenigen Mannes auf, der ihr so viele Wohl, thaten erwiesen und drohte Michelot auf's Ernstlichste, ihres VaterS Hülfe und Gerechtigkeitsgefühl gegen eine solche elende Handlung in Anspruch nehmen zu wollen.

Martin-Simon dankte ihr innig bewegt.

Fräulein", erwiderte hierauf Michelot,ich gedenke 3hrem Vater genügende Rechenschaft geben zu können, denn Sie, Sie begreifen nicht, wohin Liebe zu Reich­thümern und Golddurst führen können".

Leise, besondere Gespräche entspannen sich jetzt unter der Menge, die daS Zimmer füllte. Martin-Simon hatte Üch, niedergebeugt, auf einen Stuhl fallen lassen und her Mte das Gesicht mit beiden Händen. Die ganze Ge- sevschaft war von tausenderlei verschiedenen Gefühlen be­stürmt.

In diesem Augenblick flüsterte Peyra's, der, wie wir wissen mit Margarethe die Papiere durchlaufen hatte, in'S ^hr der Tochter Martin-SimonS:

Die Beweisgründe sind schlagend. Versprechen Sie mir Ihre Hand und die Goldmine, und ich werde Miche­lot die Papiere entreißen, ihn tödten und Ihren Vater retten".

Weder daS Eine, noch daS Andere"! entgegnete Margarethe.

Fräulein, ich bin hier", sagte eine dritte Stimme, versichern Sie uns den Besitz dieser Goldmine, und in demselben Augenblicke soll ihr Vater unter dem Schutze gegen jegliche Verfolgung sein".

'N Margarethe wandte sich um, und erblickte den alten Prior von Lautaret, der sich auf den Magister lehnte. Sie lächelte melancholisch, aber antwortete nicht.

Der Chevalier war, ungeachtet seiner egoistischen Ansichten, doch nicht so ganz unempfindlich gegen die Ent­ehrung seines Wirthes , und in dem Prokurator zugleich einen gefährlichen Rivalen sehend, suchte er MichelotS Angaben und Beweisgründe als falsch und das Ganze als eine Intrigue darzustellen. Doch dieser ließ sich nicht irre machen, entgegnete blos, daß er die Sache gerne auS Liebe zu Margarethens Vater unterdrückt hätte, daß dieß aber jetzt nicht mehr möglich sei, und rieth seinem alten Wirthe als das Beste an, schnell über die Grenze zu flüchten, ehe ein VerhastSbefehI gegen ihn erlassen wor, den sei.

Martin-Simon erhob sich und sagte in düsterer Re­signation :

Ich werde nicht flüchten, ich werde daS Gericht der Menschen erwarten ich bin unschuldig"!

Nun denn", rief Margarethe mit feierlicher Stimme, wenn Jemand unS retten kann, möge er sich vorstellen. Ich werde in alle Bedingungen eingehen, die man mir macht".

Ich bin der Schuldige"! ertönte eine düstere Stimme aus der Mitte.