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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allstem. Zeitung.

1851. JVs 179

O Die Goldmine

(Fortsetzung.)

Alle schienen über diese Mittheilungen bestürzt. Martin-Simon übertrug gerne die Ausführung des Pro« tvcoUeS dem Prokurator, verabschiedete die beiden jungen Leute, mit der Bemerkung, daß sie den Conti act noch diesen Abend unterzeichnen sollten. Marcellin versuchte einen Aufschub zu erlangen, ward aber von Marlin-Si­mon strenge zurückgewiesen.

Im Weggehen flüsterte Ernestine die Worte:

Er liebt mich nicht mehr" !

Margarethe faßte ihre Hand, drückte sie heftig unk sagte:

Ich bin unglücklicher als Sie, ich, die ich es nicht verdient habe" !

Der Contract wurde noch an demselben Abend un- lerzeichnet und die feierliche Handlung auf den anderen Stig festgesetzt, wo der Mönch vom Lautaret auch ein« Neffen sollte. Nach derselben sollte Michelot gleich nach Lyon abreifen, um Herrn von Blanchefort die Nachricht von der glücklichen Beendigung der Geschäfte zu über* bringen, und daS junge Paar noch so lange in Martin« SimvnS Hause verweilen, bis der Ankauf deS Gutes bei Grenoble beendigt sei. Marcellin hatte sich bei der llnterzeichnung nochmals geweigert, allein der ernsten Entschlossenheit seines GasteS wagte er nichts entgegen iu setzen.

Als die Stunde der Ruhe gekommen war, nahm man gegenseitig Abschied, ein Jeder in einem eigenen Sturme der Gefühle. Während Marcellin auf die Stirne Ernestinens einen Kuß drückte, flüsterte Mar­garethe dem Magister heimlich und unbemerkt einige Worte 'ns Ohr.

Obgleich sich wohl Niemand im Hause eines ruhi, ükn Schlafes erfreuen konnte, war es doch der Chevalier

von PeyraS am wenigsten, der dessen genoß. Er wälzte sich in tiefem Nachdenken, in tausend Plänen im Bette umher. Jetzt, am Vorabende feiner Vermählung, gab er sich zum ersten Male vollständige Rechenschaft über seine Liebe zu Ernestinen. Leichtsinnig, flüchtig, hatte er schon eine Menge kleiner Verbindungen gehabt, die aber in dem ^aße, als sie ihm keine Hindernisse mehr boten, auch schon wieder ihren Reiz verloren. Um so mehr mußte ihn Fräulein von Blanchefort fesseln, die, eine junge, schöne Gefangene, von ihrem geizigen Vater be­wacht , einem unbesonnenen Lüstlinge nicht so leichtes Spiel gab. Er hatte bei derselben, alS Verschwender gegen den festen Willen eines geizigen Vaters, gegen das Luchsauge des ProcuratorS zu kämpfen; aber jetzt, da alle Hindernisse verschwunden waren, denen er mit so vielem Eifer getrotzt, wandte sich seine lebhafte Einbildung einem anderen Gegenstände zu, der für ihn eine noch ganz besondere Anziehungskraft auSübte, als er in Be­ziehung zu einer Goldmine stand, deren Existenz ihm nicht mehr zweifelhaft war.

Diesen vielfältigen, beunruhigenden Betrachtungen ein Ende zu machen, erhob er sich vom Bette, kleidete sich an und begab sich auf den Balkon vor seinem Zim­mer, von dem auS er bei dem dämmernden Scheine deS anbrechenden Tages schon die Umrisse der Berge und der Häuser im Dorfe erkennen konnte. Unstât irrte deS Che­valiers Auge umher, und oft verweilte eS dann auf ei­nem Punkte der riesigen Gebirge, alS wollte eS sagen: Hier ist sie da muß sie sein die Goldmine.

Er mochte einige Zeit in diesen unnützen Forschun­gen zugebracht haben, als sich ein leichtes Geräusch im Hause hören ließ, und eine weibliche Gestalt, tief in einen Mantel gehüllt, auS demselben trat. Ihr majestä­tischer Gang, ihre hohe Gestalt verriethen, daß eS Mar­garethe war.