Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen AUgem. Zeitung
1851. — ^F 176
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O Die Goldmine
Noelle frei nach E. Berth et, erzählt von Fr. Bouffier.
(Fortsetzung.)
Margarethe ersuchte nun ihren Vater, ihr allein die Beendigung dieser Sache zu überlasten. Sie versprach dem Auvergnaten ein kleines Hofgut in einer andern Provinz Frankreichs anzukaufen, das sie ihm unter der Bedingung überlassen wolle, wenn Raboiffon nie mehr dessen Gränze übefchritte, und sich bis zu dessen Ankäufe in Brian^on aufhalte. Die Würde, mit der Margarethe sprach, und die Zärtlichkeit, mit der sie, im Gegensatze zu ihrem Vater, ihn behandelte, machten einen solchen guten, ja, als sie ihn einmal Herr Raboiffon hieß, schmeichelhaften Eindruck auf den Alten, daß er die Güte deS Fräuleins lobte, auf Alles einging und andern Morgens abzureisen versprach. Im Abgehen ließ er noch, gleichsam wie aus Dank, die Worte fallen:
„Hütet Euch vor dem Magister und dem Prior von Lautaret ! Ich weiß nicht, ob diese nicht schon mehr wissen, alS Euch lieb ist".
Der Rest deS TageS verging ohne weitere erheblichen Begebenheiten, außer daß Martin-Simon mit Michelot eine sehr lange und sehr geheime Besprechung hatte, nach welcher der Procurator allein in dem Dorfe, sei es um frische Luft zu schöpfen, sei es um in Freiheit den ihm durch den König von Pelvour gemachten Vorschlägen liachjubenken, spazieren ging. ES war beinahe Nacht und er gedachte zu seinem Wirthe zurückzukehren, als er " sich, etwa 100 Schritte vom Hause, an seinem Man- tel gezupft fühlte. Er wandte sich rasch um und sah mit tiner Art Schrecken sich dem alten Raboiffon gegenüber.
Dieser bückte sich nach seinem Ohre und sagte in geheimnißvollen Tone:
»Seid Ihr eine Gerichtsperson"?
„Seht Ihr eS nicht hinlänglich an meiner schwarzen Kleidung" ?
„Nun, wenn Ihr ein wahrer Richter seid, müßt Ihr auch die 5 Frankenthaler gern haben; hier ist einer, wollt Ihr ihn verdienen"? und Raboiffon zog einen solchen auS seiner langen Westentasche.
Michelot wollte ihm denselben in's Gesicht werfen, alS er dachte, hier möchte ein Geheimniß zu entdecken sein und sich alSvann willfährig zeigte, indem er fragte, was eS dafür zu thun gäbe.
„Nur einige Worte zu kritzeln, aber nicht in diesem Hause", sagte Raboiffon, auf Martin.SimonS Wohnung deutend.
„Wo denn"?
„Könnt Ihr morgen vor Tagesanbruch im Eingänge deS Thales erscheinen und alles zum Schreiben Nöthige mitbringen"?
Michelot sagte zu, indem er morgen frühe die Reise nach Grenoble zu machen und dann doch den Engpaß zu passiren habe.
Der sonderbare Mann verschwand schnell in der Dunkelheit und Michelot verlor sich in einem tiefem Nachgrübeln.
Der Procurator reiste andern Morgenö frühe ab. Die beiden jungen Leute vertrieben sich unter Martin- SimonS Anleitung die Zeit mit mancherlei Beschäftigungen. Ernestine war in dem Umgänge mit Margarethe, diesem Mädchen voll Würde und Hoheit, in der Nähe Marcellins, dem Schutze ihres verehrten GastfreundeS ruhig und heiter. Allein Marcellin war nicht mehr ganz der frühere; fein Benehmen gegen feine Braut ward immer kälter, sogar abstoßender, während sein Auge beim Hinblicke auf Margarethens stolze Gestalt von ungewöhnlichem Feuer durchglühte. Dem weiblichen Scharfsinn Ernestinens konnte das nicht lange verborgen bleiben;