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Der Wanderer.

BÄktnstiOcs Pliblatt zur Rassauischeu AUgem. Zkinmg

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0 Die Goldmine

Stevede frei nach E. Berthet, erzählt von Fr. Bouffier.

(Fortsetzung.)

Michelot, der sich ihm Stillen seine Vergessenheit oft schon vorgeworsen hatte, wollte doch so leicht sich nicht überwunden geben, und fuhr eifrig fort:

DaS Visa deS Gerichtshofes von Lyon ist in einem Falle großer Eile, wie in dem vorliegenden, nicht nöthig, unter der Bedingung, daß eS später eingeholt werde. Ergo, leihen Sie mir ihren Beistand".

Ich werde keine Ungesetzlichkeit unter meinen Augen dulden", erwiderte ebenfalls eifrig Martin-Simon ; ergo ich erkläre Ihnen, wenn Ihre Leute Hand anlegen, Ge­walt mit Gewalt zu vertreiben".

Michelot sprach leise mit seinen Leuten. Unterdeß nahm Marcellin hastig die Hand deS Amtmanns und sagte mit Wärme:

Ich habe Sie schlecht beurtheilt, und Sie haben königlich Wort gehalten; verzeihen Sie! Aber sagen Sie, was macht Ernestine" ?

Sie ist bei meiner Tochter in Sicherheit; doch war eS unerläßlich, dieser gegenüber ihr Geschlecht zu ent, decken; aber habet wohl Acht, daß ihr Beide nur als Bruder und Schwester gelten könnet, bis zu einer neuen Ordre".

Er wurde durch Michelot unterbrochen, der ihn mit geheimnißvoller Miene zur Seite zog und mit falscher Freundlichkeit sagte:

Amtmann, machen Sie uns keine Chicanen; Sie wissen wohl, daß es sich um die Entführung der Tochter dtS Präsidenten von Lyon handtlt; Herr v. Blanchefort iss mächtig, und wenn ich mich dieser zwei jungen Leute durch Ihre Schuld nicht bemächtigen könnte, dann seien

Sie sicher, daß er Sie irgendwie diese lächerliche Hart­näckigkeit theuer bezahlen lassen wird; auch kommt es ihm auf ein hundert Pistolen nicht an, gegen den Formali­tätsfehler deö Mandates die Augen zuzudrücken".

Der Amtmann lächelte verächtlich und fing an seiner­seits so leise mit dem Prokurator zu sprechen, daß selbst die zunächst Umstehenden kein Wort verstehen konnten. Indeß bemerkte man bald daS tiefe Erstaunen, das sich um so mehr auf Michelots Gesicht malte, je mehr er Martin-Simon zuhörte. ES entspann sich darauf ein lebhaftes Gespräch unter ihnen, aber stets mit leiser Stimme. Nach Verlauf einiger Minuten kamen sie zu den Andern mit einer so heiteren Miene zurück, daß man die Zufriedenheit mit der sie beiderseits die Streitigkeit beendet, deutlich erkennen konnte.

Der Chevalier warf einen Blick des Mißtrauens auf sie, der indeß nicht von langer Dauer war, als der Pro­curator zu den GenSdarmen, die ruhig dem AuSgange der Scene mit zugesehen, sagte:

Meine Herren, der Formfehler, der in Meiner Be­vollmächtigung entdeckt wurde, und einige Erklärungen, welche mir der Herr Amtmann von Ende-der-Welt gege­ben, haben mich bestimmt, für den Augenblick der Aus- führung deS Mandats zu entsagen ; Ihr könnet Euch nach Lyon zurückbegeben ; ich übernehme alle Verantwort­lichkeit dieser Maßregel, und zum Zeichen der Aussöh­nung, nehme ich die Gastfreundschaft an, welche mir der König deS Pelvour geboten".

Dieser Entschluß schien der Reiterei so unerwartet, daß sie nicht recht daran glauben konnten, und Umstände machten zu gehorchen; doch einige LouiSd'or, die ihnen Martin-Simon in die Hand gleiten ließ und eine posi­tive Entlassung, welche ihnen Michelot mit Bleistift auf ein Blatt schrieb, stellten sie zuletzt zufrieden und sie zögerten nicht, die Pferde zu wenden.