Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. — M 167.
O Die Goldmine.
Novelle frei nach E. Berthet, erzählt von Fr. Bouffier.
(Fortsetzung.)
Man näherte sich mehr und mehr den Gebirgen, welche Martin-Simon als die Gegend des Dorfes Ende- der-Welt bezeichnet hatte, und Marcellin drängte es, noch schnell EtwaS zu erfahren.
„Herr Noel", ergriff er in freundschaftlichem Tone wieder daS Wort, „ich glaube nicht unbescheiden zu sein, wenn ich frage, wie lange schon die Familie Martin- CimonS im Lande ist" ?
Sich an dessen Erlaubniß erinnernd, sagte Noel, „ich will Euch erzählen, waS Jedermann weiß, ohne eS indeß behaupten und dafür stehen zu können. — Wisset denn, daß Herr Bernhard, der Vater des Herrn Martin ungefähr vor einigen 60 Jahren in dieses Land gekommen zu sein scheint. Schäfer, die ihn zu jener Zeit gesehen haben, erzählen, daß eS ein kleiner, junger, bleicher Mann gewesen ist, und sich daS erste Mal im Thale reizte, indem sich jetzt das Ende«der-Welt erhebt, und welches Thal damals daS am meisten verwilderte der ganzen Gegend gewesen sein soll. Man wußte nicht, wo- . her er kam, noch wer er war, und Niemand dachte daran, sich darum viel zu bekümmern. Er bewohnte auf der Stelle, wo jetzt die Kirche steht, eine kleine Hütte; aber man wagte nicht sich dieser Hütte zu nahen, weil er für einen Zauberer galt; man versicherte, daß er in der Sabbathnacht mit Berggeistern und Kobolden ging. Was Mich betrifft, habe ich immer gedacht, daß dieser Herrs Bernhard schon zu jener Zeit entdeckt hatte......" D" Magister hielt plötzlich inne.
„Was hatte er entdeckt"? fragte Ernestine, vielleicht â mit zu großer Hast.'
„Nichts", antwortete Eusebius, der merkte, daß er dießmal gewiß auf dem Punkt gewesen war, sich zu verrathen.
Nach einigen Augenblicken des Schweigens fuhr er fort:
„Einst an einem schönen Tage, wo eS Herrn Bernhard langweilte in seiner Hütte allein, wie ein Bär in seiner Höhle, zu leben, ging er an den Fuß jenes runden Berges, den ihr da drüben seht, wo es eine kleine Schäfer-Familie gab, die ihm für geringe Vergütung die Kost lieferte, um mit der Tochter derselben, einem hübschen , braven Mädchen, eine nähere Verbindung anzu- knüpfen. AlleS ging so gut, daß der „Berggeist", wie man ihn nannte, viel leutseliger wurde und damit endigte, die Tochter jener Familie zu heirathen, die ihm während seines Lebens die rührendste Sorgfalt angedeihen ließ. AuS dieser Ehe ist der gegenwärtige Herr deS Ende-der- Welt hervorgegangen , Herr Martin Simon , dem man den Namen „König des Pelvour" beigelegt hat".
„Der König des Pelvour" ! wiederholte der Chevalier mit Erstaunen. Ist Martin-Simon wirklich derjenige, den man den König des Pelvour nennt"?
„DaS ist er selbst! Solltet Ihr schon von ihm haben sprechen hören"?
„Ja", sagte Marcellin, indem er seine Erinnerungen zurückzurufen sich bemühte. „Ich habe sagen hören, daß der ein ein reicher Herr sei, der sich ein kleines Königreich in diesen unzugänglichen Landen gegründet habe. Man schreibt ihm ein ungeheueres! Vermögen zu und erzählt sich ernstlich, daß er mit dem Teufel Händel h^e. Ich weiß nicht, ob daS Parlament von Grenoble nicht einmal mit einer Zaubergeschichte zu thun hatte, in die er verwickelt war."
„Nein, nein, so weit gingen die Sachen nicht; man hat sich blos darauf beschränkt, einmal in unserm Thale