Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. — Jf 161
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0 Die Goldmine
9to»elle frei nach C Berth et, erzählt von Fr. Bouffier.
(Fortsetzung.)
„Dort werdet Ihr", fuhr Marlin-Simon fort, „in meinem bescheidenen Hause ein sicheres Asyl sinken, wo Niemand Euch zu beunruhigen wagen wird. Ich kann sagen, daß ich da eine unbeschränkte Macht auSübe; alle seine Bewohner haben Theil an meinen Wohlthaten und würden sich, wenn ich es befähle, lieber Alle todten lassen, als zugeben, daß an Euch die geringste Gewaltthätigkeit geschehe. Meine Tochter Gretchen, oder wenn ihr lieber wollt — Margarethe, wird diesem jungen Fräulein Gesellschaft leisten. ES ist ein gutes, einfaches Mädchen, das sich bestreben wird, dem Fräulein unsere stille Wohnung so angenehm als möglich zu machen. Eie, Herr v. PeyraS, werden Ihre Zeit mit der Lektüre iiniger Bücher, die sich in meiner Bibliothek vorfinden, mit der Jagd auf Rebhühner oder mit Forellenfischen in der Guisanne zudringen, Beschäftigungen, an die Sie wohl nicht sehr gewöhnt sind; aber eS ist durchaus nothwendig, vaß Sie sich verbergen, bis alle Nachforschungen vorüber sind; alSdann werbe ich selbst nach Lyon gehen und Herrn v. Blanchefort die geeigneten Vorstellungen machen; und ich hoffe, Euch wieder bei ihm in Gunsten zu setzen. Nun, wie gefällt Euch dieser Plan"?
„Vollkommen, mein guter und edelmüthiger Freund", rief begeistert der Chevalier; „Ernestine und ich, wir wünschten beide eine stille Zurückgezogenheit, und Ihr Vorschlag kommt unsern Wünschen zuvor. Nur in einem Punkt scheint er mir nicht ausführbar: Herr v. Blanche« fort wird uns niemals vergeben".
„Glauben Sie das? Welche sind denn die gewichtigsten Beweggründe seiner Verweigerung" ?
„Ich habe es Ihnen schon gesagt, er ist geizig, und der Haupteinwurf, dem er meinem Heirathögesuch zu
machen hatte, war, daß meine Güter und mein Schloß von PeyraS sich unter den Händen der Gläubiger befänden. Wenn ich nicht in jugendlicher Tollheit den größten Theil meines väterlichen Vermögens verschwen» det hätte, vielleicht hätte ich die Hand meiner theueren Ernestine erhalten".
„Wohlan, wir wollen schon Alles gut ordnen", sagte lächelnd Martin-Simon, „unv diesen Alten, der seine Tochter dem Eigennutz opfert, zur Vernunft bringen oder im sanft die Hände binden. Doch, meine Kin« der, Ihr fühlet wohl, daß ich einen jungen Mann und eine junge Dame, deren Stellung so zweideutig wie die Euere ist, nicht so in mein HauS aufnehmen kann. Wel» cheS Beispiel für mein armes Gretchen ! Ihr möget dann fortfahren für Bruder und Schwester zu gelten ,^.biS ich Euch anständig verheirathet habe, und das wird nicht lange dauern; ich verspreche eS Euch".
„O, wie entsprechen Sie meinem theuersten Wunsch"! rief Ernestine voll des innigsten DankeS; „ich will keine Ursache mehr haben, vor Jemand zu erröthen, und ich fühle, daß ich nicht lange die Schande, welche mich nie# verdrückt, ertragen könnte".
„Aber ohne Zweifel", sagte der Chevalier, „wird eS sehr schwer sein, einen Priester zu finden, der kühn genug wäre, unS ohne die üblichen Formalitäten und ohne die Zustimmung unserer beiden Familien zu verbinden".
„Ich übernehme eS", sagte entschlossen Martin-Simon, besorgen Sie deßhalb Nichts, Herr Chevalier; alle verehrten Väter des Klosters sind unter meinen Befehlen. Aber lassen wir daS für den Augenblick. Diese Unter# redung ist lang gewesen und unsere Abwesenheit möchte Michelot und seinen Häschern neuen Argwohn geben. Haltet Euch bereit morgen bei dem ersten Anbruch deS Tages abzurcisen. Wir müssen schon weit sein bis nur diese Diener der Justiz daran denken, sich auf den Weg