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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. ^ 155.

0 Die Goldmine

Novell« frei nach E. Berthet, erzählt von Fr. Bouffier.

von Pferden unter der äußeren Vorhalle, ungeachtet deS Sturmestosens hören ließ. Die zwei Brüder erbebten und blieben unbeweglich. In demselben Augenblicke tra­ten zwei berittene GenSv'armen und ein schwarz geklei­deter Mann, der ein Justizbeamter zu sein schien, in den Saal, begleitet von den Mönchen, die ihnen als Führer gebient hatten.

Beim Anblick dieser neuen Gäste erbleichten die Brü­der; der ältere fuhr mit der Hand in seinem Gürtel als wolle er seine Pistolen darin suchen ; Ernst hielt nur mit äußerster Kraftanstrengung einen Schrei zurück, er schwankte und fiel wieder auf den Stuhl zurück, den er noch eben eingenommen hatte. Alle diese Zeichen deS Schreckens entgingen dem Gebirgsbewohner nicht, der sich nicht eines wiederholten, für seine zwei neuen'Freunde nicht günstigen Argwohnes, enthalten konnte.

Die schwarz gekleidete Person, die wir als eine Ge­richtsperson bezeichnet haben, schritt hinkend, und durch die beiden GenSd'armen unterstützt, vorwärts. Es war ein Mann von mittlerem Wüchse, von ungefähr 50 Jah­ren, mit grauen und durchdringenden Augen. Er konnte i vielleicht unter gewöhnlichen Umständen eine gewisse rich­terliche Würde behaupten; aber die Unordnung in seiner Amtstracht schloß für den Augenblick allen Ernst auS. Er trug kurze Beinkleider und seidene Strümpfe, die seine Füße nur schlecht vor dem Regen gesichert hatten. Die Locken seiner Perücke fielen in nassen Bündeln auf seinen schwarzen Mantel zurück. Augenscheinlich hatte dieser Mann beim Abreisen, im Gegensatze zu allen reisenden Gerichtspersonen, nicht die Zeit gehabt, sich gegen die möglichen Unannehmlichkeiten einer langen Reise vorzu­sehen, und seine Eile hatte ihn genöthigt, in der Tracht deS Gerichtshofes einem Sturme der Alpen zu trotzen. So war er in einem Zustand , der Lachen und Mitleid zugleich erregte.

(Fortsetzung.)

Martin-Simon biß sich in die Lippen; der junge Mann machte eine Miene deS Zornes.

Für wen hält unS dieser grobe Bauer? rief er mit Heftigkeit;haben wir denn das Aussehen von Straßen­räubern" ?

Sein Bruder zupfte ihn am Arme.

Ich bitte, Marcellin, ereifere Dich nicht", sagte dieser mit seiner sanften Stimme, in die der Ausdruck der Bitte gelegt war,und Sie, mein Herr", fuhr er, sich gegen den Gebirgsbewohner wendend, fort,haben Sie doch keine so üble Meinung von uns, weil wir ge­nöthigt sind, uns zu verbergen und wie Uebelthäter zu fliehen. Wir verdienen eher Mitleid, als Haß". Diese freundliche Art zu bitten schien ihren Eindruck auf Mar­tin-Simon nicht verfehlt zu haben«, und er wollte eben demgemäß antworten, als der Mönch, welcher zur Be­reitung der Zelle abgegangen war, eintrat und anzeigte, ! daß Alles in Ordnung sei. Marcellin legte hastig einen Finger an die Lippen, um dadurch dem Bergbewohner Schweigsamkeit anzuempfehlen.

Ich hoffe, guter Mann, daß wir uns morgen bei der Abreise wieder sehen werden", sagte er mit sanfter Stimme, indem er sich erhob;eS wird uns herzlich freuen die Reise bis nach Brian^on in Ihrer Gesellschaft zurücklegen können.

Ich stehe zu Eueren Diensten", entgegnete Martin- Simon lâcheluv , zum Zeichen des Verständnisses. Die jungen Leute standen auf und wollten dem Mönch; folgen, der sie nach ihren gesonderten Zellen führen sollte, i als sich ein Geräusch von Stimmen und ein Stampfen