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erfüllt, die SitzungS- und Wirthschaftslokale mit Laub-, und Blumenkränzen und landwirthschaftlichen Emblemen dekorirt; man denke sich gleichzeitig außerhalb des Dorfes im Westen ein Feld, auf dem, unter stetem Zu- und Wegströmen vieler Hunderte von thätig Theilneh- mcnden und Schaulustigen, mit schön geschmückten Pfer­den und anderen Zugthieren das Probe- und Preispflügen und daS Probiren von verschiedenen neuen Ackerwerkzeu­gen ausgeführt wird; man denke sich endlich eine zweite, außerhalb deS Ortes nördlich gelegene Hochfläche, eine schöne, große Trift mit weiter Aussicht in die Um­gegend, in ein wogendes Meer von Menschen umgewan- delt, in ein Menschenmeer, daS von allen Richtungen her mit jedem Augenblicke durch starke Zuflüsse noch nach Länge und Breite anschwillt, daS seinen Hauptstrom der inneren Bewegung durch eine der Länge deS Platzes nach künstlich angelegte Kiefernallee nach einer sinnigen, pracht­voll verzierten Balüstradr nimmt, während die Seiten­strömungen durch viele Abtheilungen reihenweise aufge­stellter Kram - und Zapfbuden, Zelte, Caroussel, Schau­buden rc,, an Gruppen aller Gattungen von Markt- und PreiSvieh vorüberführt ; man denke sich dazu alle son­stigen Attribute einer Messe oder eines großen Jahr­marktes: Leierkasten, Orgelmänner, Sänger- und Harft nerinnen, Musiker und freie Künstler aller Art, und man hat die schwache Skizze zu dem Gemälde eines Volksfestes, das ich nur anzudeuten, nicht auszuführen vermag. >

Sämmtliche Verhandlungen waren wie gewöhn­lich auf zwei Tage zusammengedrängt. Den ersten Tag widmete man von 9 bis gegen 3 Uhr den Bera­thungen innerer Vereins-Angelegenheiten in dem dazu festlich geschmückten Saale des Schulhauses.

' Da der Verein statutenmäßig die Ergebnisse seiner Verhandlungen in seinem Organe, dem landwirthschaftl. Wochenblatte abdrucken läßt, so darf ich wohl Diejenigen, welche sich für daS Speziellere interessiren, darauf verwei­sen, will jedoch nicht unbemerkt lassen, daß mir die Leute, welche ich hier versammelt sah, in der Art, wie sie ihre Ansichten vorbrachten und die Vorschläge Anderer beut« rheilten, im Ganzen einen hohen Grad von Achtung ein* geflößt, ja meine Erwartung mehr als befriedigt haben. Wie ruhig, wie besonnen, wie würdig wurde hier die Debatte geführt! Wie sehr empfand ich hier den Gegen­satz von dem, waS ich oft anderwärts sah, was besonnene Männer mir sogar öfter mit Widerwillen von unserer Ständekammer berichteten. Auch die Versammlungen an­derer Vereine unseres Landes, denen anzuwohnen ich schon öfter daS Vergnügen hatte, dürften in dieser Bezie,

Hung an dem landwirthschaftlichen Vereine ein Muster nehmen. (Forts, folgt.)

M i s z e l1 e u.

In ganz Deutschland gibt es gegenwärtig gegen 90 B ü h n e n. welche einschließlich der Intendanten, Kapellmeister, Tänzer, De­korateure, Maschinisten ic. über 7000 Personen beschäftigen. Es kommen daher von den 39 Millionen Menschen, welche Deutschland in sich faßt, 5571 Personen auf ein Theatermitglied. Soll durchschnittlich jeder dem Theater Angehörige jährlich 300 Gulden Einkommen haben, so ergäbe sich die Gesammtsumme von 2,100,000 Gulden.

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Levin Schicking, dessenBauernsürst" die allgemeinste Anerkennung findet, ist mit einem neuen RomanDer Held der Zukunft" beschäftigt. O tto Müll er, der Dichter desGeorg Volker" arbeitet an einem neuen erzählenden Werke, zu dem er sich aus der Kunstgeschichte des vorigen Jahrhunderts einen Stoff genommen hat.

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Auf dem Sch achfelde lächelt das Glück einem deutschen Kämpen. Herr Anderssen aus Berlin hat bis jetzt den größten Schachspieler Englands, Staunton , dreimal nacheinander ge­schlagen. Verliert Letzterer noch eine Partie, so tritt er aus der Reihe der Preiskompetenten. England fühlt die Niederlage sehr schmerzlich.

Tageschronik.

30. Juni 1849. Die österreichische Besatzung der Festung Arad, unter Feldmarschall-Lieutenant Baron Verger, ist genöthigt wegen gänzlichem Mangel an Lebensmitteln eine ehrenvolle Kapitulation abzuschließen.

Wenn auf dem Brett Alles liegt, ist jeder Wurf Gottes­lästerung.

(Fiesto, 4r Auf;., 14r Ausic.)

1. Juli 1849. Feldzeugmeister Baron Hapnau erläßt von Raab aus eine Proklamation, worin Ungarn und Siebenbürgen in Kriegs^ und Belagerungszustand erklärt, und das Standrecht publicirt wird.

Was soll der fürchten, der den Tod nicht fürchtet?

(Die Räuber 3t Aufz., 2t Auftr.)

Verantwortlicher Redakteur: Dr. A. Boczek.

Theater zu Wiesbaden.

Dienstag den 1. Juli. Neu einstudirt: Die Zauberflöte. Oper in 2 Akten von Schikaneder. Mustk von Mozart. Königin der Nacht: Frâul. Sandvoß. Papageno: Hr.v. Stranz.

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Druck und Verlag der & Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.