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Der Wanderer.

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BâtnMches Bètt M Raffmisch.» AllMM.

1851. M 146.

Heirathsgeschichten aus -er kleinen Welt.

V.

Keine Neig ungSheirath.

Adelheid war ein. junges Mädchen, wie eS wohl viele gibt, wie aber gerade nicht alle sind. Schön war sie eben nicht, aber wohlgebildet und blühend, fröhlich und lebenslustig, trug lieber ein neues Kleid als ein altes, und ein altes, das ihr gut zu Gesicht stand, noch lieber als das allerneueste, sang und tanzte gern, verstand eine ordentliche Mahlzeit zu kochen und eine Wäsche zu besorgen. Daneben aber hatte sie im steten Umgang mit einer ledigen Base, der Fräulein Heinerike, bekommen, waS man einen romantischen Schwung heißt, und wenn sie recht behaglich in einer Mädchenvisite sitzen und über neue Kleider, Hüte und Stickereien plaudern konnte, sah ihr'S kein Mensch an, welche Welt von süßen Träumen und traulichen Gedanken hinter diesen hellen blauen Au­gen lag.

Die gute Heinerike hatte sie auferzogen in allerlei Ideen von chevalereöker Verehrung der Frauen, wie sie in ihrer Jugendzeit Mode gewesen waren, und hatte ihr so viel anvenraut von Freiern und Anbetern, die sie ihrer Zeit gehabt, daß Adelheid in vollster Erwartung von allerlei wundersamen Begebenheiten die Schwelle deS KindeSalterS überschritt. Aus ihren ersten Ball, Den sie mit einer Tante in der Residenz besuchte, wo sie in weiß und himmelblau recht hübsch auSsah, ging sie ganz kampf- gerüstet, in Erwartung einer Menge von Stürmen auf ihr junges Herz, die sie fest entschlossen war vor der Hand alle abzuschlagen. Aber siehe da, alleS verlief in größter Ruhe; kein süßes Flüstern, kein verstohlener Händedruck, keine leidenschaftliche Erklärung. Sie konnte auch nicht eine einzige der schönen Phrasen voll jung­fräulichen Stolzes anbringen, die sie sich in stillen Stun- '

den auSgedacht; in aller Ruhe engagirten sie die Tänzer, sprachen von der Hitze im Saal, von der schlechten Be­leuchtung und mangelhaften Musik, mitunter blieb sie auch sitzen kurz, sie konnte ihr siebzehnjähriges Herz ganz ungefährdet wieder nach Hause tragen. Und in solcher Weise ging eS Jahrelang fort; sie begriff gar nicht, warum eS seit den Tagen der Cousine Heinerike so ganz anders geworden; diese hatte vor Freiern ja nicht stehen und gehen können, und die Cousine konnte unmöglich hübsch gewesen sein, sie mochte ihr Gesicht noch so aufmerksam studiren, und sie selbst fand sich doch gar nicht häßlich.

Wie eS sich mit diesen Freiern und Verehrern der Heinerike verhalten, ob sie, gleich den steifleinenen KerlS des Falstaff, in der Erinnerung sich multiplizirt hatten, ich weiß eS nicht; genug, die gute Jungfer ging zu Grabe, glücklich im Bewußtsein, daß sie die bestenAn­stände", geistliche und weltliche, hätte haben können, und Adelheid blieb daheim beim Vater, ungesucht und unbegehrt.

Sie war darüber nicht bekümmert und freute sich ihrer Jugend, die sie alS daS einzige Kind ihres guten VaierS, der ein geschätzter Geistlicher war, harmlos und ' fröhlich geniefen konnte. Der Vater war freilich viel zu wohlthätig und ein zu sorgloser HauShalter, als daß er ' reich, oder auch nur »ermöglich hätte sein können, doch konnte er dem einzigen Töchterlein jeden billigen Wunsch erfüllen. So hatte Adelheid Bücher, Musilalien, Blumen und Vögel, Freundinnen und freie Zeit nach Herzenswunsch, vor allem Freundinnen, da sie sehr mittheilsam und leicht erregbar war. Wie die alten Römerinnen für jedes Schmuck, und Putzstück eine eigene Bewahrerin, so hatte sie für jede Seite ihres Wesens eine eigene Vertraute, und ne­ben den ordentlichen stets noch ein paar außerordentliche und ein paar korrespondirende Mitglieder in ihrem Freund­schaftskreise.