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Der Wanderer.

II «TT»,-------

Belletristisches Beiblatt zur Naffamschen Allgem.

1851. JV» 141

Die etruskische Base.

(Fortsetzung.)

Die Penduluhr schlug acht. Um halb neun erwartet die Gräfin Saini-Clair. Wie, wenn er fortbliebe? Wozu auch die Geliebte Massigny'S wieder sehen? Er warf sich wieder auf sein Kanapee und schloß die Augen. Ich will schlafen", sagte er. Eine halbe Minute blieb er unbeweglich liegen, dann sprang er auf und lief zur Uhr, um den Fortschritt der Zeit zu beobachten.Ich wollte, eS wäre erst halb neun", dachte er;dann wâr' eS zu spät, um mich auf den Weg zu machen". Im Herzen fühlte er nicht den Muth, zu Hause zu bleiben ; er suchte nach einem Vorwande. Er wäre gern unwohl gewesen. Bald ging er im Zimmer auf und ab, bald setzte er sich; dann nahm er ein Buch, aber er konnte keine Sylbe lesen. Er stellte sich vor sein Piano, aber er hatte nicht die Kraft, eS zu öffnen. Er pfiff, er be- trachtete die Wolken, er wollte die Pappeln vor dem Fenster zählen. Zuletzt wandte er sich wieder nach der Uhr und sah, daß es ihm nicht gelungen war, drei Mi­nuten hinzubringen.

Ich kann mich nicht hindern, sie zu lieben"! rief er zähneknirschend und mit dem Fuße stampfend;sie be­herrscht mich; ich bin ihr Sclav, wie Massigny eS vor mir gewesen ist. Wohlan denn, Elender, gehorche,^ da du nicht daS Herz hast, eine Kette zu brechen, die du hassest". Er nahm seinen Hut und stürmte rasch hinaus.

Wenn eine Leidenschaft mit und durchgeht, so finden wir einen gewissen Trost darin, unsere Schwäche von den Höhen unseres Stolzes herab inS Auge zu fassen. Wir schmeicheln uns mit einer Erfindung unserer Eigenliebe; ich bin freilich schwach, denkt man, aber wenn ich wollte. . .

Er schritt langsam den Steig hinan, welcher zu der Pforte des Parks führte, und von weitem sah er ein weißes Gesicht, daS sich auf dem dunklen Hintergründe der Bäume hervorhob. Sie grüßte ihn mit ihrem Tuche. Sein Herz schlug ungestüm; seine Kniee zitterten, er scheute sich zu sprechen, und seine Schüchternheit war so groß, daß er fürchtete, die Gräfin möchte seine üble Laune aus seinen Mienen herauslesen.

Er ergriff ihre auSgestreckte Hand; er küßte ihre Stirn, weil sie sich in seine Arme warf uud stumm folgte er ihr bis in ihr Zimmer, nur mit Mühe die Seufzer unterdrückend, die ihm die Brust zersprengen wollten.

Eine einzige Kerze erleuchtete das Boudoir der Grä­fin. Die beiden setzten sich. Saint - Clair bemerkte den Haarschmuck seiner Geliebten; eine einzige Rose. Am vorigen Abend hatte er ihr einen schönen englischen Ku­pferstich mitgebracht, die Herzogin von Portland, nach LeSly, (sie ist auf diese Weise frisirt) und Saint-Clair hatte nichts dabei bemerkt, als daß er diese einfache Rose allem künstlichen Haarputze vorziehe. Er liebte Juwelen nicht und dachte wie jener Lord, welcher etwas derb be, merkte:Ueber geputzte Frauen und aufgeschirrte Pfirde kann der Teufel selbst nicht urtheilen". Die letzte Nacht spielte er mit einer Perlenschnur der Gräfin, denn wenn er sprach, mußte er immer irgend etwas in der Hand haben, und sagte:Die Juwelen taugen nur, um Mängel zu verstecken ; du bist zu hübsch, Mathilde, um Geschmeide zu tragen". Diesen Abend hatte die Gräfin, welche selbst seine gleichgültigsten Worte behielt, Ringe, Halsband, Ohrgehänge und Armspangen abge­legt. Von der Toilette einer Dame war ihm immer die Beschuhung daS erste Augenmerk ; er hatte wie viele andere seine fixen Ideen über dieses Kapitel. Vor Son­nenuntergang war ein starker Thau gefallen; der Rasen