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Der Wanderer. -----!» »ei et»

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem.

1851. â 130.

Georq Volker.

(Fortsetzung)

Sie sind eine schlimme Prophetin, Gräfin Eugenia", erwiederte Georg.Aber ich meine, Polens unglückliches Schicksal, an das Sie mich erinnern, sollte viel eher uuS Deutsche zu Kampfe aus Leben und Tod herausfordern, kilS unS ein Schreckbild fein, dessen Anblick unS in die alte Thatlosigkeit zurückwirft. Denn nicht an seinen Re­volutionen ging Polen unter, sondern an seiner innern Zerrissenheit, an der Ohnmacht seiner Könige, an dem Trotz und Eigennutz des Adels, an dem Elende des Vol­kes. Und ist Deutschland nicht etwa auf dem besten Wege, denselben Zuständen als Opfer zu fallen? Ja, sind nicht schon manche unserer deutschen Provinzen faktisch russische Satrapieen, denen der Czaar mit vergoldeter Knute seinen Willen diktirt.

Ha! Polen wäre nicht der arme Hiob unter den eu­ropäischen Völkern, wenn statt seines Adels und seiner Geistlichkeit, das Volk die Revolution gemacht, wenn nicht von Anfang an der Fluch der Geschichte: Wehe der Freiheit, der ihre Feinde dienen! dort furchtbar ge# waltet hätte" !

Lassen Sie uns nicht weiter über Politik reden", sagte Eugenia nach einer Pause.Mir ist in diesem Augenblick nichts gleichgültiger als daS; und stând' cs in meiner Macht, so sollte Deutschland noch heute eine Republik werden, daS schwör' ich Ihnen bei den drei Kronen im Wappen meiner Voreltern ! Ich will nur Eie retten, Volker, denn ich sehe die Gefahr, die über Ihrem Haupte schwebt, weiß, daß vielleicht schon in we­nigen Tagen AlleS für Sie und Ihre Freunde verloren ft, und das unsinnige Unternehmen schrecklich, blutig tnden wird. Ob daS Schloß unten in Rauch und Flam» wen aufgeht, wird daS Deutschland frei machen? Ob

! der mcdiatisirtc Graf von Nellenburg, verdient oder un- = verdient, die Rache seiner Bauern erfährt, wird daS einen ; Einfluß üben auf die großen Geschicke des Vaterlandes ? Schon sind bedeutende Trnppcnmaffcn von der Residenz auS hierher unterwegs, die benachbarten Fürsten haben unserm Landesherrn ihre Kontingente zur Unterdrückung des Aufruhrs angeboten, er aber hat ihnen gedankt, ver­stehen Sie mich recht, Volker, er hat gedankt und geant­wortet , es fei nur ein kleiner Theil seines Landes in Rebellion und er bedürfe darum keiner fremden Hülfe, um daS Ansehen der Gesetze in den aufrührerischen Di­strikten binnen Kurzem wieder herzustellen ; das AlleS ist so gewiß wahr, als ich es Ihnen sage; Waldemar, Ihr Freund, gibt Ihnen diese Nachricht, und nun, was sagen Sie nun"?

Ich bin aus Alles gefaßt", erwiederte Volker, ver­mochte aber doch nicht, ihrem scharfen Auge den Eindruck zu verbergen, den jene Meldung auf ihn machte.Wer so wie ich mit seinem Schicksal abgeschlossen hat, der fürchtet nicht mehr dessen Wandel und Ungunst, und dann wenn ich nun auch in diesem Kampfe unter- !gche, ist's denn nicht besser, tausend Mal für'S Vater­land zu sterben, als"

Einmal sich ihm zu erhalten, meinen Sie", fiel ihm Eugenia rasch in's Wort.O Volker, Gott weiß cs, Sie versündigen sich an sich selbst, am Vaterland, an mir! Ja, an mir; denn Sie sollen leben, sollen nicht untergehen; um Ihrer Zukunft, um deS Vaterlands willen sollen Sie gerettet werden; wahrlich nicht viele sol­cher Männer hat Deutschland zu verlieren, und bloß da­rum, ach daß Sie'S doch gar nicht merken wollen! bloß darum verschwende ich ja alle flehenden Worte meines Herzens, bloß darum zitlre ich für Sie"!

Erschüttert rief Georg, indem eine Thräne in sein Auge trat:O, daß ich mich dieser Theilnahme Ihrer