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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauische» Allgem. Zeitung.

1851. M 119.

- Georg Volker.

(Fortsetzung.)

Weiter haben sich Vetter PeterS Galanterieen gegen das gute Schwester-Kleeblatt niemals erstreckt, und sonst thut er beständig nichts, als daß er sie mit seinen Pascha Launen quält oder ihr keusches Ohr mit seinen robusten Landöknechtspâßen beleidigt. Dabei flucht und schimpft er bei jeder Gelegenheit auf die Franzosen, und wehe der noch so sanften Einrede, die ihm in diesem Falle gemacht wird; er zieht dann sein faltenreiches Gesicht in eine abscheuliche, sauersüße Grimasse zusammen, sein Blick wird stechend wie der eines Basilisken, und mit kichern» der Stimme erzählt er ihnen dann die Geschichte von einem französischen Chevalier, dessen Name ihm entfallen und der einmal vor vielen vielen Jahren irgendwo drei adelige Fräulein, wie Münchhausen seine Enten, an ein'er Leine gelangen habe, und waS der rohen grau­samen Sticheleien auf ihre unglückliche Liebesgeschichte mehr sind. Hat er dann aus diese Weise die Firmen, die mit niedergeschlagenen Blicken dasitzen, genugsam ge­peinigt und durch seine meist sehr unzarten Scherze er­zittern und erbleichen gemacht, so erhebt er sich zuletzt schwerfällig mit einem Fluche auS dem Polsterstuhl, klopft jeder der Schwestern san,ft auf die Wangen, spricht wie zur Abbitte recht höhnisch mitleidig: kNir für ungut, Gundchen!" und verläßt dannin der Maienblüthe sei­ner Sünde" mir einem langgezogenen Brrrrrr! das Zimmer.

Gott im Himmel"! seufzt dann gewöhnlich Adel­gunde nach einer langen Pause gepreßt.

Verzeih' ihm, Liebe, er meint eS nicht so böse", be­merkt Kunigunde mit sanfter Stimme, und mit gefalte- nen Händen setzt Rosamunde hinzu:Der beste Mensch auf Erden! Gott erhalt' unS Vetter Peter noch recht lange".

Sonst, das heißt nämlich da, wo ihm die drei Da­men nicht in den Weg kommen, ist der alte Haudegen ein herzensguter, hülfreicher Mensch, steht weit und breit im Rufe großer Wohlthätigkeit und sein gerades leut­seliges Wesen macht ihn bei Allen beliebt. Die Bauern halten große Stücke auf seinen Rath: er kurirt ihnen daS kranke Vieh, reißt ihnen die hohlen Backenzähne auS und schlichtet ihre Familienzwiste. Bei keiner Kindtauf, keinem HochzeitSschmauS darf deralte Bär", wie ihn die Bauern, die bei Personennamen solche Abkürzungen lie­ben, nennen, fehlen; Sonntags sitzt er auch wohl bei ihnen in der Schenke, unterhält sich mit ihnen über Krieg und Frieden, legt ihnen daSBlatt" aus oder erzählt ihnen von seinen Heldenthaten und Abenteuern in Spa­nien und Rußland. Daß eS ihm dabei auf ein bischen Uebertreibung mehr oder minder nicht anVnmt, versteht sich; dennein Bauernmagen verträgt viel". Dabei hilft er gern und jederzeit, wo eS eine Noth zu lindern, eine Thräne zu trocknen gibt, ist der treue Freund jedes Un­glücklichen, der wackere Beschützer jedes unschuldig Ver­folgten und Gedrückten.

Wer einenPrast" auf dem Herzen hat, der kommt zu ihm, und deralte Bâr" ruht und rastet dann nicht, bis die beregte Sache wieder im rechten Gleise geht und daS Hinderniß gehoben ist. Auch wird keine Leiche zum Dorfe hinausgetragen, der Hauptmann ginge denn an der Spitze der Leidtragenden in feinem militärischen Kleid; er wirft die erste Scholle auf den Sarg, spricht dann laut und andächtig daS Vaterunser und verschmäht wohl auch mitunter nicht, schließlich am Leichenschmausc Theil zu nehmen, waS Alles ihm natürlich eine große Popularität verschafft, so daß er derVetter Peter" der ganzen Ge« meinde ist. Ein vieljährigeS Leben unter den Bauern hat ihn mit ihren Ansichten, Bedürfnissen und Eigenthümlich­keiten auf daS Innigste vertraut gemacht, so daß Niemand