weniger wird Unsereins sich von den Versprechungen deS Herrn Majors und Grafen Haddeck ködern lassen!
Der Graf hätte mich mit seinem Degen durchbohren mögen, wie er mit seinen Blicken that.
Setzen Sie sich, meine Herren, sagte der Polizei- Direktor, wir wollen den Streit enden. — Er wandte sich zu mir: Sie haben Geld von dem Herrn Major empfangen?
Ja, erwiderte ich, hundert Gulden in Triest und hundert Gulden hier.
Und wo ist dieses Geld!
Das, welches ich in Triest.empfangen habe, ist verausgabt, das andere ist hier.
Ich schnallte meine Geldkatze ab und zählte hundert Gulden hin.
Wie lange waren Sie als Koch auf der „Maria Anna" ?
Lassen wir dies, Herr Direktor, sagte ich.
Nein, Alles soll geordnet werden, entgegnete er.
Nun, achtzehn Tage, sagte ich, und mein MonatS- lohn war dreißig Gulden.
Er nahm achtzehn Gulden von den hundert weg und überreichte sie mir. Ich bat, damit meinen Begleitern und Beschützern, den beiden Sbirren, ein Geschenk machen zu dürfen. Er gab eS zu.
Haben Sie auch noch Sachen auf der „Maria Anna"? Schreiben Sie mir Alles auf.
Ich schrieb auf: Ein Reisekoffer, ein Kochbuch, drei Schürzen, drei Nachtmützen, eine Spicknadel, drei Ser-! vielten K. — Der Direktor schickte einen Diener, dem ich den Schlüssel zur Kajüte übergab, zum Schiffe und bat den Major, so lange bei ihm zu verziehen; der Diener kam bald zurück, erzählte, wie man sich gewundert, als er sich nach den Sachen des Herrn OberlieutenantS erkundigt habe, und brachte mein Eigenthum mit. Der Graf saß noch immer in seinem Sessel, stumm vor Zorn.
Vermissen Sie etwas? fragte mich der Direktor.
Nur eine Kleinigkeit, ein silbernes Zigarrenröhrchen!
Lauf zurück, Giovanni, fahr ans Schiff und sage, der Herr Major könne nicht eher zurückkehren, als bis sich die Zigarrenspitze gefunden habe.
Der Diener gehorchte, und bald war ich auch im Besitze dieser Kleinigkeit.
So, nun wären wir fertig, sagte der Polizeidirektor. Guten Morgen, Herr Major! — Herr Okerlieutenant, Sie werden wohl noch einige Tage hier verweilen , neh, men Sie Ihre Wohnung im Hotel di Minerva, wir sehen uns noch wieder!
So entließ er unS; der Graf kehrte auf sein Schiff zurück, und ich begab mich in den Gasthof. Zehn Tage lang blieb ich auf Malta und empfing die Besuche vieler
angesehenen Malteser, denen ich nicht genug von Ungarn und unseren Kämpfen erzählen konnte. Am zehnten Tage kam auch der freundliche Sicherheits-Beamte zu mir. AlS wir allein waren, theilte er mir etwas mit, daS meinem Aufenthalt auf Malta ein Ende machte. Em Freund von mir und Ihnen, sagte er, hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß die Matrosen der „Maria Anna", die immer noch nicht abgefahren ist, sondern im Hafen liegt, jeden Abend durch die Straßen streichen. Vor offener Gewalt kann ich Sie schützen, aber nicht vor Meuchelmord oder Hinterlist. Sie können erstochen oder geknebelt und auf den Dampfer geschleppt werden. Folgen Sie meinem Rathe: reisen Sie so bald wie möglich ab! Es liegt ein französischer Dampfer im Hafen, ich werde Ihnen einen Platz darauf auswirken, und Sie reisen nach der Türkei!
Ich drückte dem edlen Manne die Hand, dankte ihm für seine Theilnahme und Güte, und nahm sein Anerbieten an. Er hielt Wort — noch am selbigen Tage nahm ich Abschied von ihm, bestieg den Dampfer und reiste, um mich meinen Unglücksgefährten, den übrigen ungarischen Flüchtlingen, anzuschließen, nach Konstantinopel!
Aus Mecklenburg.
(F o .r t s e tz u n g.)
Die ärmeren Seeleute holen im Winter ferner Holz zu Feuerung für daS ganze Jahr auf Handschlitten auS den nahen Tannenwaldungen, wobei sie eS mit dem Bezahlen wohl nicht immer so genau nehmen mögen. Erlaubt eS irgend noch die Witterung, so geht es in Booten auf daS Meer zum Fischfang. Furchtbaren Beschwerden aller Art, von denen der Binnenländer kaum einen Begriff hat, sind diese Fischer in ihren offenen Booten in dieser rauhen Jahreszeit häufig ausgesetzt. Der Sturm treibt sie trotz aller Vorsicht bisweilen zu weit von der Küste ab, die Nacht überfällt sie, und es braucht dann viele Stunden harter Arbeit, bis sie das Land wieder gewinnen; dabei werden ihre Kleider von den ins Boot spritzenden Wellen ganz durchnäßt, sie haben keine Lebensmittel bei sich, und all dieß, um im glücklichen Fall einige Fische zu bekommen, die keinen Thaler werth sind. —
Eine minder beschwerliche, selbst belustigende Beschäftigung ist die Jagd auf die wilden Schwimmvögel, besonders Schwäne und wilde Gänse, die auö dem hohen Norden hierher zum Ucberwintern kommen. In den kleinen Teichen, die hier in den Tannenholzungen zerstreut liegen, gibt es oft Quellstellen, die nur beim streng-