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Der Wanderer.

Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. ^ 101.

Der Stauffer.

(F o r t> s e tz u n g.)

Am andern Tage war also ein neuer Hausvater im Dorf; er hatte von Lohven herübergeheirathet und war nun HauSwirth in demselben Orte, wo er seine schönste Kinderzeit und die Schuljahre zugebracht hatte, denn er war daselbst im Hause eines Vetters frühzeitig wie ein eigenes Kind ausgenommen worden und aufgewachsen. Ein junger Ehemann, der, wie man sagt, in ein Dorfhin- einheirathet", ist gewöhnlich einige Zeit der Gegenstand stiller oder augenfälliger Beachtung und Beobachtung. Was er thut und wie er eS thut , findet gewiß hinter einem Fensterchen hervor ein paar prüfende Augen, und bald auch, als waren sie aus der Luft gefallen, feine zwei von Haus zu Haus herumstreichende Bemerkungen. Gewöhnlich geht so ein srischer Mann-Bräutigam noch geraume Zeit nach der Hochzeit an Wochentagen im Halb­sonntagsstaat, ist freundlich gegen Groß und Klein und wird von Groß und Klein auch so behandelt. DieS

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nun beim Anton Halver besonders der Fall. Er bekannt und fremd. Seit dem letzten Schuljahre er daheim bei seinenAlten" geblieben und in sei« jetzigen Wohnort nur selten zu sehen gewesen. Viele

seinen Schulkammeraden waren bereits wie er HauS, Wirthe im Dorf. Es fehlte also nicht an Bekannten. Fremd aber war ihm die ganze kleinere Jugend deS Dorfes. Da er ein Freund der Kinder war, so ging er selten an einem der vielenWeißköpfe" vorüber, ohne ihnen die Hand auf den Wirbel zu legen und freundlich zu fragen:Wie heißt dein Vater? Wer ist dein' Mut«

ter"? Manche von seinen Schulkameradinnen, die noch um einen Mann zu gering umhergingen, wurden weh­müthig, wenn er sie angeredet hatte; die älteren Mütter im Dorf, denen eins oder das andere Kind freudig die

Nachricht heimbrachte:Der junge Müllbauer hat ge­fragt, wen bin", fanden, daß der Hälder gar eine so liebe RedeweiS und so milde blaue Augen habe. Seine Rüstigkeit, sein Fleiß, sein verständiges Wesen wurde bald von Allen gerühmt. An einem Montage war die Hochzeit gewesen; die Woche verging sehr schnell. Einige hatten sich bald gewöhnt, den neuen Hauswirth als einen der Dorfbürger zu betrachten; Vielen war'S, als wäre er nie ledig gewesen.

So kam der erste Sonntag.

Man ging in die Frühmesse, in Predigt und Hoch­amt und war zu Mittag wieder daheim. Der Anton Hälder war auf dem Kirchenwege mehr von Burschen als von Männern umgeben, sein Weibchen aber mehr von Müttern als von Mädchen. Es wruve noch viel von ihrer schönen Hochzeit gesprochen.

Nachmittags lag der Stauffer wieder behaglich in seinem Fenster, rauchte und beschaute sich das Dors mit stillem Dahindenken. Das HauS deS neuen Dorfbürgers Hälder lag auf der etwas erhöhten Südseite deS Dorfes und trat unter den übrigen Häusern Vortheilhaft hervor. Dem Stauffer waren die freundlichen Urtheile, die über den Hälder umliefen, nicht unbekannt geblieben, er konnte seinen Augen nicht wehren, dann und wann hinüberzu­blicken und daS Ab- und Zugehen der Leute zu betrach, ten.Nun, wenn er brav ist, eS ist recht, und wenn'S ihm wohlgeht, eS ist brav"! sagte er einmal leise vor sich hin. Er stellte dann, ohne es eigentlich zu wollen, den Hälder flüchtig vor sein Mariele, ob sie sich denn ausgenommen hätten neben einander er erschrack, zerschlug eiligst sein Gedankenbild und sagte:'S wär' gefehlt gewesen"!

So ist der Mensch oft.

Weil der Stauffer den Burschen einst abgewiesen und weil derselbe jetzt auf keine Weise mehr zu haben