Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. — ^ 100.
Der Stauffer.
(Fortsetzung.)
Er kam noch einmal auf die Familie Halder zu reden, sprach ausführlich vom Vater Hâlder, von der Mutter Hälder, von der Wirthschaft derselben — und endlich auch von ihrem Sohn.
Der Stauffer nickte auch jetzt noch immer lächelnd und in Gedanken Beifall; erst als vom Anton Hâlder des Redens und Rühmens kein Ende werden wollte, als eS hieß, weder die „Alten" noch der Bursch hätten was dawider, wenn ein gewisses Pärchen zusammenzubringen wäre, blickte der Stauffer stutzig empor und horchte schärfer auf DaS, waS gesagt wurde.
Der Straffer hatte bereits zu viel von seinem Anliegen merken lassen, als daß er eS nun wieder hätte bei Seil' schieben können; auch sagte der Stauffer jetzt: „Es scheint Alles, Ihr habt einen Auftrag".
Nun mußte die Sache blank gelegt werden.
Der Straffer sagte nun gerade heraus: der Anton Hâlder würde um Stauffers Mariele anklopfen, wenn man wüßte, wie's in Stauffers Hause widerklingen würden.
In diesem Augenblicke war's, als wäre mit einem Zauberschlage alles Blut aus Stauffers Adern gezogen, er wurde kreideweiß, blieb stehen, athmete heftig und sah den Strasser starr mit flammenden Blicken an.
Dieser schwieg betroffen, und als der Stauffer mit vor Ausregung bebenden Lippen sagte: „Hat die Botschaft ein Ende? erwiderte Jener: „Hätt' ich gewußt, wie Euch darüber wird, ich hätt' sie nicht angefangen".
Bei Stauffer schien der Sturm einen gewissen Grad erreichen zu wollen, seine Aufregung wuchs und seine Gesichtsblässe machte einer dunkeln Rothe Platz.
„Ja", rief er endlich, „Ihr werdet am besten so waS künftig bleiben lassen. Für diesmal Amen. Ihr habt'S nicht gesagt, ich hab'S nicht gehört, der Anton Hälder hat so waS nicht im Sinn gehabt. Amen, sag ich. Wollt Ihr mich zu Grunde richten? Gute Nacht; es sei ein Schlag inS Wasser gewesen" 1
Er ging davon.
Der Straffer blieb eine Weile stehen und blickte ihm erschüttert nach; dann ging er seitwärts durch den Wald, und als er am Saume desselben den Anton Hälder im Abendscheine stehen sah, vor Erwartung schnell nacheinander erröthend und erblassend , winkte er ihm mit der Hand, zum Zeichen, daß er alle Hoffnung fallen lassen solle, und sagte näher kommend: Denk nur nicht mehr dran; 'S ist auS, er hat eS selbst gesagt: eS wär' ein Schlag in'S Wasser".
Die Sonne ging unter und ihr goldner Abendschein wich dem düstern Schatten der Nacht... So erbleichet auch in manchem Gemüthe ein lieblicher Schimmer, wenn die goldne Hoffnung untergeht, und läßt an ihre Stelle den Schatten der Trauer i ringen .. . Der Anton Hälder lehnte den Kopf an einen Baum und sprach kein Wort... Sein Begleiter, der Strasser, wollte seinen Schmerz nicht stören und blieb schweigsam in einiger Entfernung stehen, bis Jener selbst das Zeichen zur Heimkehr gab, worauf denn Beide im Schatten der Nacht verschwanden.
Ein Jahr flog hin.
Der Stauffer sah wieder auS seinem Fenster, es war ein schöner FrühlingSmorgen.
Aus der Südseite des Dorfes flogen Hühner und Tauben von HauS zu HauS auf, Pulverwolken stiegen, Schüsse krachten, Musik spielte helle Weisen, ein feierlicher HochzeitSzug folgte: der Anton Hälder sollte mit seiner Braut, der Anne Müllerin, in Lautern eingesegnet wer-