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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. 96.

Der Stauffer.

(Fortsetzung.)

Nach einer Weile kehrte er sich wieder gegen die Apo, Ionia und fuhr fort:Es gibt Messer, mit denen sticht man überS Meer, trifft man die Seelen in der Ewigkeit noch: wenn man einem die Kinder kränkt. Ich sag Euch, Apolonia, die Menschen find schlecht. Jetzt werden sie mir die Kinder kranken, sie werden sieHerrenzüchtle" oderSchloßfrâule" oderBirkengräfle" oder so was nennen. Mein Mariele muß mir aus der Schul'. Auch die Andern. Der Lehrer und der Geistlich' sollen mir im HauS Unterricht geben". Er ging auf und ab, dann fuhr er fort:Jetzt wird man ihre Kinder auch vom Spiel mit meinen Kindern abhalten. O sie wissen, wie man Einem bis an den Grund ins Herz greift. Apolonia, der Büchner, aber der Jakob und nicht sein Bruder, der ist noch der b'este; der, glaub' ich, wäre bei Seil' zu nehmen, der hätte noch ein Herz. Geht in drei Tagen zu ihm, Ihr braucht nicht zu sagen, daß ich Euch schicke, steckt Euch dabei hinter sein Weib, sie ist gut: ich hab sie schon oft bitterlich weinen sehn kann sein, die lassen ihre Kinder zu den meinen herauf. Ich weiß nicht, was ich that', ich müßte gerade HauS und Heimat verlassen, wenn eS meinen Kindern an ihre beste Freude ging; wer, den die Menschen groß, dann ist eS so mit Spiel und Freude auS" !

Die Apolonia hörte mit Betrübniß zu.

Sie wagte nun die Menschen in Schutz zu nehmen; so sei eS doch nicht ganz, meinte sie; und wenn der Stauffer freundlich gegen die Leute sein wollte, so könnte er gewiß viel Liebes auch von ihnen erfahren.

Der Stauffer fiel ihr in die RederLaßt das im Evangelium stehen, das ist Sach' für einen Schriftgelehr- ten"! sagte er.

Die Apolonia wagte noch einen schüchternen Versuch, den Stauffer zu bewegen, wenn auch nicht drei Tage, so doch am nächsten Morgen den Leuten irgend eine kleine Freude zu machen.

Ein heftigesNein"! schnitt die ganze Unterredung ab.

Die Apolonia nahm Abschied und legte sich schlafen, der Stauffer lehnte noch lange im Fenster.

Endlich krähte der HauShahn im nächsten Hofe unten, der Morgen dämmerte im Osten leise herauf, Geräusch von Menschen wurde hörbar: da machte sich der Stauffer auf und eilte, allerlei Umwege einschlagend, der Grenze zu. Je höher die Sonne am Firmamente heraufrückte, desto lebhafter stellte sich vor seine Seele, waS jetzt im Dorfe geschehen mochte. Sein ganzes Wesen fieberte. Gruppen vor der Hütte unter der Mühle, vor seinem neuen Hause auf der Hauslusthöhe, Ansrager im WirthS- Hause, wie viele Fässer Bier umsonst vertrunken würden, bald darauf Lärm, Schimpfiren, Poltern, Drohen, viel­leicht gar Fenster- und Thüreneinschlagen das Alles sah und hörte er in buntem Gewühle durcheinander. Er ging, sozusagen immer mit gespitztem Ohre nach der Heimat horchend, seines Wegs, als wollte er Sturm und Wetter durch die Luft herüber hören.

Einige Male hielt er tief erbleichend inne und war versucht, vor sich selber ReißauS zu nehmen, weil ihm einfiel, daß er seine Kinder eigentlich doch ohne Schutz zurückgelaffen habe; die Menschen sind ja so schlecht, dachte er, daß eS einigen Rohlingen einfallen könnte, ins neue HauS zu stürmen und seine Kinder zu mißhandeln, und da wäre eS doch Vaterpflicht gewesen, im Hinterhalt zu bleiben und ein geladenes Gewehr bereit zu halten. Nur der Gedanke, daß er, wenn er auch gestreckten Laufes heimkehren wollte, doch nun einmal zu spät kommen würde, drängte ihn seines WegeS weiter. So voll Fiebergevan* krn, Sorge, Groll, Racheplane, erreichte er Schwaben,