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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. Ns 75.

Baas Gansendonck.

(Fortsetzung.)

Fahrt nur fort", spottete BaaS Gansendonck,ich wußte nicht, daß Ihr so viele Noten für Euer Lied hattet? Sie sollte sich mit dem Baron nicht verheiraten ? DaS wollen wir doch sehen. Wenn Ihr Euch gut betragen wollt, könnt Ihr zur Hochzeit kommen. Schlagt Euch die Liebe auS dem Sinn, Karl, das ist das Beste, was Ihr thun könnt; Ihr möchtet sonst noch daran ersticken! Bleibt lieber in Gutem aus unserm Hause fort denn Ihr seht doch wohl ein, daß der Baron nun fast den ganzen Tag hier sein wird und Ihr ihm nur zwischen die Beine lauft; er ist nicht der Mann, um viel mit Dauern umzugehen".

Also, mein tödtlicher Schmerz vermag nichts über Euch? Er soll also vor wie nach kommen, ihr schmei­cheln, sie mit schändlichen Worten betrügen, von Lust und Leidenschaft singen und meiner Lisa das Herz mit dem Gifte füllen, das alle Ssttfamkeit zerstört"?

Gift? Was das für Redensarten sind! Weil Ihr eS ihm nicht nachmachen könnt. So reden die Bauern immer von den Stadtleuten ; sie bersten vor Neid, wenn sie Jemanden sehen, der gute Manieren hat und artig ist. Aber macht Euerm Herzen Luft, Freund, fahrt nur fort, es hilft Euch doch Nichts. Der Baron soll vor wie nach kommen und Lisa soll gnädige Frau werden! Und wenn Ihr Euch den Kopf entzwei lieft, eS sollte Euch doch nicht mehr helfen als einer Fliege jin Eurem Braukessel. Ich habe das Recht, mit meinem Hause und meiner Tochter zu thun waS ich will und Niemand hat seine Nase hin, ein zu stecken, Ihr so wenig wie ein Anderer".

DaS Recht" ! rief Karl bitter lachenddas Recht, die Ehre Eueres KindeS zu morden! Sie, rein und unschuldig wie sie ist, der Lästerung aller Menschen Preis zu geben? Sie als die leichtfertige Liebste eines lieber,

lichen Junkers dem allgemeinen Spott und der allge­meinen Verachtung zur Beute zu machen? Nein, das Recht habt Ihr nicht! Mir gehört Lisa! Will ihr Vater sie in den Schlamm der Schande hinabdrücken, so werde ich sie siegreich herausreißen. Meine Pflicht hatte ich vergessen; aber jetzt ist'ö geschehen. Euer Baron soll fort bleiben. Lisa soll wiker Euren Willen gerettet werden. Nein, ich respeklire Eure unglückliche Ehrsucht nicht mehr".

Ist das nun Alles, was Ihr zu sagen habt"? fragte Daas Gansendonck mit der größten Gleichgültig­keit.Dann will ich Euch nur sagen, daß ich Euch mein HauS verbiete, und wenn Ihr eS wagt, wieder hie- her zu kommen, so lasse ich Euch durch den Feldwächter und meine Knechte aus der Thüre werfen"!

Eine Herberge steht Jedermann offen".

ES sind Zimmer genug in meinem Hause, wo der Baron mit meiner Tochter sprechen kann".

Ermattet und muthloS sank der Jüngling in einen Stuhl, ließ den Kopf sinken und blieb sprachlos, die Au­gen zu Boden geheftet, sitzen.

Nun, nun"! sagte der Baasschlagt Eure Augen nur aus! Der blaue Schein wird bald ge­heilt sein. Geht nach Hause und bleibt fortan aus dem heiligen Sebastian weg, ohne Euch weiter um Lisa zu bemühen. Unter Dieser Bedingung wollen wir künftig auch gute Freunde bleiben ; ich werde Euren Hochmuth und Eure seltsamen Grillen vergessen. Späte Vernunft, ist auch Weisheit ! Na, geht Ihr nun" ?

Karl stand auf. Sein Gesicht hatte eine vollkommene Umwandlung erfahren. Die Spannung, in der er sich befunden, hatte aufgehört, der fieberhafte Anlauf zur That ihn erschöpft; die Fruchtlosigkeit seiner Worte ihn alles Muthes beraubt. Flehend und die Hände faltend trat er vor den BaaS und bat mit thränenden Augen: