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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. JV» 74. '

Baas Gansendonck.

(Fortsetzung.)

Mittlerweile näherte sich der Baron der Thür und wollte daS HauS verlassen; aber Baas Gansendonck rief demselben zu:

Nun, Herr Baron, fürchten Sie sich denn vor einem verrückten Bauer. Bleiben Sie doch, ich lasse ihn durch meine Knechte hinauswerfen".

Ich fürchte mich vor keinem verrückten Bauer auf der ganzen Welt", antwortete der Baron,aber eS paßt sich nicht für mich, mit einem verrückten Bauer in Streit zu gerathen".

Bei diesen beleidigenden Worten sprang Karl empor, riß sich auS den Armen seiner Geliebten loS, und eilte nach der Thür, um dem Baron auf die Straße zu folgen; BaaS Gansendonck hielt ihn jedoch fest und rief im Höch­sten Zorn:

Halt, Kerl, wir Beide jetzt! ES dauerte schon zu lange! Was, Ihr wollt die Leute auS meinem Hause jagen und hier den Baas spielen! Den Herrn Baron i von Bruinkasteel mit Stühlen schlagen! Was hindert mich, daß ich nicht die GenSbarmen holen lasse? Kommt nun, ich will Euch Dinge sagen, die meine Tochter nicht zu hören braucht, so soll eS mit einem Male abge­macht werden, oder ich will Euch zeigen, wer hier der Herr ist". ,

Ein bitteres Lächeln umspielte Karl's Lippen; er folgte dem BaaS in ein anderes Zimmer. Dieser ver­riegelte die Thür und stellte sich dann stumm, aber mit drohenden Blicken vor den Brauer, der sich augenscheinlich Gewalt anthat, um 'seinen Zorn zu bezwingen und so ruhig zu sein, wie es ihm in diesem erwünschten Zwie­gespräche nothwendig war, um seinen Zweck zu erreichen.

Zieht nun so viel Fratzen wie Ihr wollt", sprach der Baas,ich lache über Euere dummen Grillen. Nun sagt mir aber rasch, wer Euch daS Recht gibt, in mein Haus zu kommen und ungezogen gegen Jedermann zu seyn? Oder meint Ihr etwa, Ihr hättet meine Tochter gekauft"?

Reizt mich nicht, um Gottes Willen", bat Karl, steht mir nur Rede, ich will vollständig mit Euch sprechen und wollt Ihr mich nicht begreifen, so gehe ich und komme nie wieder über Eure Schwelle".

Nun, da bin ich doch neugierig; ich weiß zwar, was für ein Liedchen Ihr singen werdet, aber eS soll Euch doch nicht glücken; Ihr klopft an eines tauben Mannes Thür".

Mein Vater hat Euch beigestanden, Euch vom Unter- gang gerettet. Ihr habt ihm auf seinem Todtenbelte ge­lobt, daß Lisa meine Frau werden sollte; Ihr habt unsere Liebe ermuthigt......"

Die Zeiten ändern sich und die Menschen auch"!

Jetzt, da Ihr Koth geerbt habt, Koth, den man Geld nennt, wollt Ihr nicht allein als ein Undankbarer Euer heiliges Wort brechen, sondern Ihr befleckt auch den guten Ruf meiner Verlobten. Für die Hoffnung einer unmöglichen Slandeserhöhung verkauft Ihr ihre Keuschheit, schleift ihre Ehre durch den Gassenschmutz...."

Oho, waS ist daS für ein Ton und mit wem meint Ihr zu reden"?

Und mich tödtet Ihr durch Aerger und Verzweif­lung. Nicht, weil Ihr mir Lisa rauben wollt! Nein, daS könnt Ihr nicht, denn sie liebt mich. Aber kann eS eine größere Marterqual geben, als seine Geliebte, seine Braut vor seinen eigenen Augen verderben zu sehen, sie beflecken zu sehen dur^ Alles, was die Stadt Leichtferti­ges und Sittenloses ausbrülel? Sie vor dem Altar er-