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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. jf 69.

Baas Ganfendonck.

(Fortsetzung.)

Aber Karl, Ihr habt gehört, daß Herr Avolph und seine Freunde noch oft Herkommen werden. Ich muß ihnen doch Rebe stehen, wenn ich im Zimmer bleibe. Wird Euch denn das je^eS Mal böse und verdrießlich machen"?

Karl wurde roth und machte sich innerlich Vorwürfe über die Bemerkungen, die er sich erlaubt hatte, indem er zugleich die natürliche HerzenSgüte der Geliebten bewun­derte. Ihre Hand ergreifend antwortete er mit freund- liebem Lächeln:

Lisa, ich bin ein Thor. Wollt Ihr mir einen Ge­fallen thun"?

Gewiß, Karl"!

Ja, aber im Ernst, ganz aufrichtig. Verzeiht meine Grille. Wahrlich es würde mich jetzt betrüben, wenn ich sähe, daß Ihr Euer Betragen ändertet. Wa­rum sollte ich eS auch verlangen, da Euer Vater der Herr ist, und Euch zwingen würde, nach seinem Willen zu handeln".

Nun seid Ihr brav, Karl"! erwiderte daS Mäd­chen,ich muß doch sreundlich sein, nicht wahr? Mein Vater ist hier Herr. Auch aus der anderen Seite habt Ihr Unrecht. Herr v. Bruinkasteel hat zwar lange mit mir gesprochen, aber Alles was er sagte, war sehr schick­lich und ich bekenne gern, daß ich ihm mit großem Ver­gnügen zuhörte".

Karl empfand von Neuem, daß ihm etwas das Herz beklemmt machte; aber er unterdrückte das aufwallende Gefühl und verseile bittend:

Beste, laßt uns vergessen, waS geschehen ist. Ich bringe eine gute Nachricht. Meine Mutter hat endlich eingewilligt, unser HauS beträchtlich zu vergrößern; die

Arbeiten sollen schon nächsten Montag beginnen. Ihr sollt ein schönes Zimmer für Euch allein haben, recht zierlich ausgeschmückt. Wir bekommen eine Wohnung mit eignem Eingang und eine Remise wo eine Chaise für Euch stehen soll. So Lisa braucht Ihr nicht durch die Brauerei zu gehen und am allgemeinen Kamin zu sitzen; Ihr sollt ein stilleS und ruhiges Leben führen und AlleS bekommen, was Euer Herz wünscht. Freut Euch daS nicht, Beste" ?

Ihr seid zu gut Karl", antwortete sie,und ich bin Euch herzlich dankbar für soviel Liebe und Freund­schaft, aber ich glaube, Vater wird mit Euch von etwas noch Besserem sprechen, daS Euch wahrscheinlich auch gefällt. Er würde es gern sehen, daß wir den Hof pach­teten , der hinter dem Schlosse leer steht. Mir scheint der Gedanke nicht so übel. Dann lebten wir doch nicht mehr unter den Bauern und könnten allmälig mit ordent­lichen Leuten Bekanntschaft machen".

Aber Lisa", fiel ihr der junge Mann ungeduldig in die Rede,wie ist es möglich, daß Ihr daran denkt? Ich meine Mutter verlassen! Sie ist Wittwe und hat Niemanden auf der Welt, als mich allein.... Und wäre das aus nicht der Fall, ich thäte es doch nicht; ich habe von Kindheit auf gearbeitet, ich muß auch ferner arbei­ten, für mein eignes Vergnügen und meine Gesundheit, für meiner Mutter Wohlergehen für Euch, Lisa, um Euch das Leben heiter und froh zu machen, um zu wis­sen, daß die Früchte meiner Arbeit zu Eurem Glücke bei­tragen".

O, das ist nicht nöthig", seufzte Lisa,unsere Eltern besitzen ja schon genug Geld und Gut".

Und dann, Lisa, bedenkt, daß wir jetzt zu den Ersten in unserm Stande gehören. Euer Vater ist einer der vornehmsten Eigenthümer in der Gemeinde; unsere Brau­erei steht keiner andern nach. Soll ich nun einwilligen,