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Der Wanderer.

Beiblatt zur Nassauischen Allgem.

1851. JV» 66.

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Baas Gansendonck.

(Fortsetzung)

BaaS Gansendonck, dessen Hoffnung mit jedem Worte höher stieg und der eine Vorliebe für den Herrn Viktor nährte, rieb sich lachend die Hände und sprach zu sich selbst:

Niemand weiß wie ein Dubbeltchen (Zweistüber- stück) rollen kann und AlleS ist möglich, nur nicht in die Höhe fallen. DaS würde erst recht ein schönes Paar fein !. . . . Nun, meine Herren , trinken Sie doch noch eins. Auf ihre Gesundheit, Herr von Bruinkasteet! Fahren Sie nur fort, Französisch zu parliren; um mich brauchen Sie sich nicht zu kümmern; ich sehe in Ihren Augen, was Sie sagen wollen".

Die jungen Jäger schienen sich außerordentlich zu ergötzen. Lisa sprach zwar nicht daS beste Französisch aber in ihrem Munde klang AlleS so reizend und natürlich. Die fortwährende Schaamröthe auf ihren Wangen hatte etwas so AnmuthigeS; ihr ganzes Wesen gab ein so fri­sches und liebliches Bild, daß der Ton ihrer Stimme allein hinreichte, um süße Rührung im Herzen zu er, wecken.

Viktor, ein «ungelernter Stutzer, hatte bald die schwache Seite von Lisa'â jungfräulichem Gemüth ent­deckt. Er sprach mit ihr von der neuesten Mode, schö­nen Anzügen, dem Stadtleben; schilderte ihr Feste und Bälle mit prächtigen Farben und wußte ihre Aufmerk, samkeit so zu fesseln, daß daS arme Mädchen Alles um sich her vergaß.

Allmälig ward er so kühn, daß er mitten im Gespräch wie zufällig, Lisa's Hand ergriff.

Jetzt erst schien die Jungfrau aus ihren Träumen zu erwachen. Zitternd zog sie ihre Hand fort, schob ihren Stuhl zurück und warf ihrem Vater einen trüben,

fragenden Blick zu. Dieser aber, wie wahnsinnig vor Freude, sah sie verweisend an und nickte ihr zu, sie solle sitzen bleiben.

Lisu'S Benehmen überraschte Victor und er wandte daS Gesicht ab, um seine Verlegenheit zu verbergen. Nun bemerkte er, daß der Knecht im Winkel am Ofen aufge­standen war und ihm mit einem drohenden Blicke und scharf lachend in die Augen starrte.

Aergerlich wandte er sich zu dem BaaS und fragte:

Was hat der Lump hier zu sagen, daß er mich so unverschämt anzugucken wagt und mich auSlacht?

Er etwas zu sagen"? schrie der BaaS das sollt Ihr gleich sehn" !

Kobe" !

WaS soll ich, BaaS"?

Hast Du Herrn von Bruinkasteel unfreundlich angeguckt? Wagst Du eS ihn auSzulachen, Erdenwurm"?

Ich lache wie ein Hund, dem man Senf um'S Maul gewischt hat; ich habe mir die Hand verbrannt, BaaS".

Pfui! Du bist noch zu plump, um vor dem Teufel zu tanzen. Pack Dich zum Hause hinaus".

Ja, BaaS" !

Der Knecht verließ mit trägen Schritten daS Zimmer und nahm seine Mütze ungeschickt ab, als wisse er von gar Nichts.

Bald nachher war die Wirkung von Victor'S Keckheit schon vergessen; die jungen Leute plauderten freundlich in kranzösischer Sprache mit Lisa fort, und der BaaS ermun­terte sie seine Tochter oft zu besuchen, sie würden stetè eine Flasche des besten WeinS vorfinden. Vicror's frivoles französisches Geschwätz gefiel Lisa und sie machte im Stil­len die Bemerkung, daß solche feine Sprache doch tausend Mal schöner sei, als das gewöhnliche Alltagsgeplapper der Bauern.