Der Wanderer.
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Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. — 3f 64.
Baas Gansendonck.
(Fortsetzung.)
Seit einigen Augenblicken waren drei Jäger aus einem Eichenwäldchen hervorgelrcten und standen nun lachend und spottend dort, BaaS Gansendonck und seinen Knecht beschauend. ES waren drei junge Herren in eie* ganten Jagdkleivern, mit Gewehren unter dem Arme.
Einer von ihnen schien den BaaS zum Heiligen Sebastian genau zu kennen. Er erzählte seinen Gefährten, von welchem sonderbaren Hochmuthsteufel der Mann besessen sei, und sprach dann mit großem Lobe von dessen Tochter Lieschen.
„Kommt, fommt"! rief er endlich. „Wir sind müde, laßt uns nun etwas lustig sein! Folgt mir; wir gehen mit dem BaaS nach dem heiligen Sebastian und leeren eine Flasche. Aber redet sehr ehrfurchtsvoll mit ihm und macht viele Komplimente. Je närrischer , desto besser"!
Nachdem er dies gesagt, sprang er mit seinen Begleitern über den trocknen Graben und lief auf den BaaS zu, sich tief verbeugend und ihn außerordentlich höflich grüßend. .
Peer Gansendonck nahm' seine Pelzmütze in beide Hände und bemühte sich nachzuahmen, waS ihm der junge Herr vorgemacht hatte. Die beiden andern Jäger nahmen jedoch an diesen Komplimenten keinen Theil, sondern verbargen sich hinter dem Rücken deS Knechtes und thaten sich die größte Gewalt an, um nicht in lautes Gelächter auszubrechen.
„Nun, Herr Adolph, mein Freund"! sagte der Baas, „wie geht eS Ihrem Papa? Noch immer dick und fett? Er besucht uns nicht mehr, feit er in der Stadt wohnt. Aber, auS den Augen, aus dem Sinn, sagt das Sprüch- Wort".
Adolph faßte einen feiner lachenden Freunde bei der Hand und zog ihn mit Gewalt zu dem BaaS.
„Herr von Gansendonck",! — sprach er ernsthaft — „ich habe die Ehre, Ihnen den jungen Herrn Baron Victor von Bruinkasteel vorzustellen; aber Sie müssen sein Uebel entschuldigen; eS ist ein Nervenleiden, daS ihm von den Krämpfen geblieben ist; er kann Niemanden sehen, ohne in ein Lachen auszubrechen".
Victor konnte sich nicht länger halten; er warf den Kopf hinten über, trampelte mit den Füßen, und wurde blitzblau vor Lachen.
„Ihr verderbt das Spiel" ! raunte Adolph ihm in daS Ohr. „Laß't eS sein, oder er merkt eS"!
„Ganz nach Ihrem Belieben, mein Herr von Druin- kasteel"! sprach der BaaS. „Lachen macht keine Hühneraugen".
Seinen Freund von Neuem bei der Hand fassend, wiederholte Adolph die Vorstellung.
„Herr von Bruinkasteel hat die Ehre, mich nicht zu kennen", sprach der BaaS mit einer Verbeugung.
„In der That" ! antwortete Victor, „ich habe die Ehre, Euch unbekannt zu sein".
„Die Ehre ist nicht groß, gnädiger Herr" ! sagte der Baas, sich verneigend. „Der Herr wollen gewiß mit unserm Freund Adolph die Jagdsaison auf dem Gütchen zubringen" ?
„Auszuwarten, Herr von Gansendonck"!
„Sein Herr Vater hat unS den Jagdhof abgekauft", sagte Adolph. „Herr von Bruinkasteel wird jährlich im Winter Ihr Nachbar sein und wahrscheinlich Sie oft besuchen, Herr von Gansendonck".
„Aber, Adolph, mein Freund, warum bleibt der an, dere junge Herr dort hinter Kobe stehen? Fürchtet er sich vor mir"?