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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. 3f 60.

Baas Gansendonck.

(Fortsetzung.)

II.

Deß Brod ich effe Deß Lied ich finge.

Auf dem Hofe der Wirthschaft zum heiligen Sebastian waren die Dienstboten und Taglöhner bereits seit Ta- geSanbruch mit der gewöhnlichen Arbeit beschäftigt. TrecS, die Kuhmagd, stand am Brunnenlrog und wusch Rüben^ür daâ Vieh; in der offenen Scheune hörte man daS tnmnäpige Niederschlagen der Dreschflegel; der Stall­knecht sang ein roheS Lied und striegelte die Pferde.

(Sin Mann allein wandelte sorglos auf und ab, rauchte seine Pfeife und blieb dann und wann stehen um der Arbeit der Anderen zuzuschauen. Er war auch wie ein Taglöhner gekleidet, und trug eine Jacke und Holz­schuh. Obwohl sein Gesicht in voller Ruhe trâge Gleich­gültigkeit beurkundete, blickte doch eine gewisse Schlauheit und Arglist auS seinen Augen. UebrigenS sah man deut­lich an seinen glanzenden Wangen und seiner rothen Nase, daß er an einem fetten Tische saß und den Weg zum Keller kannte.

Die Kuhmagd ließ ihre Rüben stehen und ging nach der Scheune, wo die Drescher eben neue Garben spreiteten und die Gelegenheit benutzten zwischen der Arbeit ein BiSchen zu plaudern. Der Mann mit seiner Pfeife war dabei.

Kobe, Kobe"! rief die Kuhmagd ihm zu,Ihr habt den rechten Brief gefunden. Wir plagen unS zu Tode vom Morgen bis zum Abend und bekommen statt deS Lohns Schelte an den Kopf. Ihr habt den Wind von hinten; Ihr geht spazieren, raucht Euer Pfeifchen, seid der Freund deS BaaS, bekommt die fettesten Bissen. Ihr müßt sagen, daß Euer Brod in den Honig gefallen

ist, daS Sprüchwort hat Recht: Menschen äffen ist nur eine Gewohnheit".

Kobe lachte schelmisch und antwortete:

Haben ist Haben und Bekommen ist die Kunst; daS Glück fliegt, der es fängt, der hat es".

Schmeicheln ist Heucheln und Fuchsschwänzen ist Scherwenzen", murrte einer der Tagelöhner bissig.

Worte sind keine Messer", lachte Kobe.Jeder ist auf der Welt um dem Sohn seines Vaters Gutes zu thun und wer was findet, hebe es auf".

Ich würde mich schämen", rief der erzürnte Ar­beiter,eS ist keine Kunst auS fremdem Leder Riemen schneiden, und ein Ferkel wird auch gemästet ohne daß es arbeitet".

Dem einen Hund thut'S Leiv, daß der andere in die Küche geht", spottete Kobe.Ungleiche Schüsseln machen böse Brüder, aber besser Neider alS Mitleiber. Und da der Mensch auf dieser Welt doch einmal fitzen muß, setze ich mich lieber auf Kiffen ats auf Dornen".

Schweig, Schmarotzer, und bedenke, daß eS unser Schweiß ist, von dem Du so fett wirst".

Tistje, Tistje, warum so verbissen auf mich? Du kannst nicht vertragen, daß die Sonne auf meinen Teich scheint. Kennst Du denn daS Sprichwort nicht: Wer gegen einen Andern hat Neid, zerfrißt sein Herz und verspillt sein'Zeit? Wenn ich etwas weniger bekäme, bekämst Du darum mehr? Bin ich hochmüthig? Thu' ich Böses? Im Gegentheil, ich steck' es Euch, wann der BaaS kommt, und schieb' Euch immer eine gute Kanne Bier in das Kellerloch. Du suchst, wo man'S nicht ver­loren hat, Tistje".

Ja, ja, wir kennen Deine Mildthätigkeit. Du bist wie der Pastor, der segnet Jedermann, aber sich selbst zuerst".