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Der Wanderer.

-- 'T-ga 191 cm--

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. As LS

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Vor Landau.

(Fortsetzung.)

Wie der Gefangene dergestalt seinen Gedanken nach, hing, ereignete sich zu seiner Zufriedenheit, waS er kurz zuvor noch zu vermeiden gewünscht hätte; er fand sich mit seiner Begleitung urplötzlich umringt von einer feind­lichen Schaarwache, just da sie in den Graben einbiegen wollten, um daS nahe AuSfallpförlchen zu gewinnen. Die Nahenden waren von weitem schon auf dem freien Raume der Festungsabdachung entdeckt worden, während Mannteuffel mit den Seinen unbemerkt im Schatten der Bollwerke gestanden.Halt, gebt euch"! rief der Frei­schärler. kaltblütig packte der bayerische Offizier ViMtyoIe beim Kragen, setzte ihm daS gespannte Faustrohr auf die Brust und antwortete:DaS Leben des Gefangenen für unsere Freiheit! Wollt ihr"? Mannteuffel besann sich nicht lange, ja zu sagen. War doch der Unbekannte ein deutscher Bruder, ganz abgesehen von seiner etwaigen Bedeutung, und dennoch konnte eS möglicherweise eine wichtige Person sein, welche zu holen die drei Bayern ihr Leben barangefetzt. So kurz der Zwischenraum zwi­schen Frage und Antwort zugemessen war, dem wackern Luitpold kam er sehr lang vor. Es handelte sich um sein Leben, und die Ungewißheit ist bekanntlich eine ärgere Folterpein als die Todesfurcht. Der Augenblick war für den Jüngling einer von jenen feierlichen, in denen die Erinnerung die ganze Kette der durchlebten Vergangen­heit durchläuft, blitzschnell, wie am Draht der Funke, und dennoch ohne auch nur die kleinste Strecke zu über­springen. Und zugleich fand noch eine Betrachtung Raum : daß er sich nämlich in seinen Gedanken dem bösen Feind verschrieben und dieser leibhaftig nun erscheine, um ihn beim Wort zu halten. Einsprache konnte der Junker nicht »heben gegen die Unterhandlung der beiden Führer, weil

ihm der seidene Knebel im Munde lag. So wurde er - denn als Freischärler eingewechselt, und bis ihm die Bande ! abgenommen, waren die Bayern verschwunden. Sollte er ! etwa nun sagen :Ihr seid geprellt" ? DaS ließ er fein bleiben, schon darum, weil Otto ihm um den HalS fiel und ihn als seinen lieben Verwandten begrüßte.Ver­gebung, werther Vetter", rief der Milchbart;ich habe Dir übel und bitter Unrecht gethan. Ich hielt Dich für einen Volksunterdrücker und Fürstenknecht. Du galtest zu München dafür, als ich mit vreiundbrcißig andern Studenten die Hochschule verließ, um gleich dem langen Peter von Itzehoe die Feder mit der Kugelbüchse zu ver­tauschen". Zum Hauptmann gewendet, fuhr der Hoch­schüler fort:Ihr zwei müßt Freunde sein: Ihr eines freiherrlichen HauseS Sprößling, er auch, Ihr Unteroffi­zier im königlichen Heere, er auch, beide übergetreten von der Seite der Unterdrücker zu den Unterdrückten. Luit­pold hat zwar keinen Minister zum Vetter".Laßt gut sein", unterbrach Mannteuffel den Milchbart;gebt mir die Hand, Luitpold. Gut Heil! Und nun vorwärts marsch, Kameraden! Die Nachtwache ist gethan".

Der Großvater schmauchte am hellen Nachmittag ganz vergnügt sein Pfeifchen in der Weinlaube und ließ sich keinen Kummer anfechten. Dennoch hätte er aller­hand Anlaß zu nachdenklichen Betrachtungen gehabt. Sein Sohn Napoleon lag verwundet drin im Hause, aus dem Kerker und aus Landau entronnen, doch nicht ohne eine nachgesendele Kugel im Leib. Ihn pflegte Therese, die Brutus von Bellheim zurückgebracht, nachdem er dort geholfen Nettchen zur Erde zu bestatten. Vom Ehegespons der F.ühverblichenen war Kunde eingelaufen; dem Zeiller brauchte sein Todfeind nicht mehr zu fluchen r daß dich die Preußen holen! Sie hatten ihn bereits der großen Verbrüderung zugesellt, in welche der Eintritt