Einzelbild herunterladen
 

Der Wanderer.

Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. .M 51.

Vor Landau.

(Fortsetzung.)

Zu Kirheim-Boland ist'S zum ersten Zusammenstoß mit den Rheinhessen gekommen. Die Mainzer Schützen vertheidigten den Schloßgarien mit deutschem Heldenmuth. Endlich wurden sie umgangen und mußten weichen. Sieb­zehn davon wurden gefangen und ..." Manteuffel stockte hier in sichtlicher Bewegung.Weiter! weiter!" mahnten die Hörer.Pah, was ist da noch zu sagen"? sagte der Hauptmann;die Leute müssen geübt und ab­gehärtet werden. Siebzehn Herzen, einundfünszig Kugeln, .Vorhang vor! Und jetzt wißt ihr'S: wer die Waffen streckt, wird begnadigt/ *)

Während die Freischärlerstreife in gemüthlicher Weise den Regenguß abwartete, duckte sich ein bayerischer Ossi- zier mit zwei Soldaten unter den Dachvorsprung einer Scheune bei der Mörlheimer Mühle, nicht weit hinter Queichheim. Das kühne Kleeblatt hatte zum zweitenmal den gefährlichen Gang unternommen. Das erstemal war cS geschehen, um einen armen Häusler, dem Söllhuber von früherher bekannt, zum Botenlaufen nach GermerS- Hcim zu gewinnen. Heute wollten sie den Erfolg ver-

*) Der Verfasser kann nicht umhin, hier gelegentlich einmal den geneigten Leser darauf aufmerksam zu machen, welch ein Un­terschied besteht zwischen dem, was der Erzähler selbst berichtet, und dem, was aus dem Munde der bandelnden Personen kommt. Der Vorfall von Kirchheim-Boland gehört namentlich zu den Einzelnheiten des Bürgerkrieges, welche noch nicht gehörig aufgeklärt sind. Die Rothen behaupten, die siebzehn seyen erschossen worden, nachdem sie sich ergeben; die gegenseitigen Berichte dagegen sagen, daß durchaus kein solches Standrecht aus dem Stegreif stattgefunden habe und daß die Todten jenes Tages allesammt im offenen Kampfe ehrlich gefallen seyen. Die Letzteren haben Zeugen für ihre Behauptung, die Rothen keine, aber sie lehnen die Zeugnisse als parteiisch ab.

nehmen. DeS Söllhubers guter Bekannter ließ sie lange harren, und schon äußerte der Offizier den Verdacht, sie möchten verrathen sein.G'wiß nit", sagte der Sol­dat;wenn mein Spezi den schlechten Kerl macht, so möchten eu'r Gnaden mi dafür hernehmen".Damit war leicht g'holfen", spottete der Offizier. Der Soldat mit seiner Zuversicht behielt indessen Recht. Der arme Mann hatte sein Geld verdient; er brachte einen Siegel­ring und mündliche Boischasl, wie er auch nur Zeichen und Wort nach Germersheim hingetragen. Er mochte am besten wissen, weßhalb er kein redendes Blatt bei sich zu führen wagte.Die Preußen sind ganz in der Nähe" berichtete der Bote,und ihr möchtet in Gottes Namen noch ein paar Tage hungern; aus dem Gröbsten wärt ihr heraus".Es ist auch die höchste Zeit", sagte der Offizier;vielen Dank, braver Mann. Hier eures Lohnes zweite Hälfte und von mir auS zwei Kroncnihaler noch besonders. B'hüt Gott"!Noch ein'S, Herr Lieute­nant: ich soll Ihnen sagen, der Junker Luitpold von Sperbercck werde vermißt".DaS wissen wir schon» Halt unS nicht auf, schon graut der Morgen. Gott be­fohlen" !

Eligen Schrittes wandten die drei schweigsam sich der Festung zu. Der Regen hatte sich verzogen und es wurde schon heller, als ihnen gelegen; am liebsten hätten sie daS halbe Stündchen ganz im Dunkeln zurückgemesscn. Aus dem Gebüsch tretend, trafen sie urplötzlich mit einem Manne zusammen, den Hut, Kittel und Säbel als einen Freischärler bezeichneten.Halt!" rief der Offizier mit halberstickter Stimme, während seine Begleiter daS Ge­wehr fällten. Der Freischärler dachte nicht daran, die Wehr zu zücken. Ganz freundlich sagte er:Guten Mor­gen, Kamerad Eckstein."Der Teufel ist Ihr Kame­rad !" schnaubte der Offizier, Eperbereck erkennend, den vermeintlichen Ausreißer an;Sie find mein Gefangener.