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Der Wanderer.

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Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allqem.,

1851.

^ 44.

Vor Landau.

(Fortsetzung.)

Doppelschach! DaS bot ein kecker Springer, der Parteigänger den beiden Festungen Landau und Germers­heim, indem er sich zwischen beiden zu Offenbach festsetzle. Ueberhaupt war der Willich immerdar ein tapferer Mann, keiner von den Maulhelden, wie sie großentheils durch ihr Schreien und Prahlen sich der Führerstellen bcmeistert hatten. Er gehörte nicht zu denen, welche hinter dem LchoppenglaS, mit der Faust im Sack den Einzug der Ungarn in Wien, den Sieg der Blutrothen in Paris er­warteten, und einstweilen an das Einschreiten der Preußen ganz einfach nicht glaubten, oder auch jeden für einen Verräther ausschrieen, der nur von den dreißigtausend Pickelhauben und ihren neun Stückgeschwabern an der Grenze zwischen Kreuznach und Saargemünd zu sprechen wagte. Willich sah und erkannte die Gefahr; darum eben wollte er um jeden Preis für die geringfügige Macht des Ausstandes einen sichern Stützpunkt gewinnen. DaS Land an sich bot dergleichen nicht dar; im Rheinthal findet sich Don unten bis zu den zwei Vesten hinauf keinerlei Boden- Hinderniß, daS eine kleine Schaar gegen den Andrang der Uebermaß! vertheidigen Hälfe. Von Westen her laufen durch die gebirgige Hinterpfalz bequeme Heerstraßen in toeit geöffneten Thälern und auf breiten Bergrücken hin. Wuß dort ist, ohne rege Theilnahme der ganzen Bevöl- ierung, ein Bandenkrieg kaum möglich, weil die wohlge­ordnete Uebermaß! sich mit Vortheil entfalten, daS grobe Geschütz die mörderischste Wirkung üben kann. Demnach wußten die Fürstlichen, einmal in Bewegung gesetzt, in weniger Tage Frist Landau erreichen, auch wenn die pfäl- i'sche HeereSmacht von sechstausend Köpfen ihnen den verzweifeltsten Widerstand entgegensetzte, waS nicht zu er­

warten. Die zuverlässigsten dieser sechstausend waren ja bei Willich: ein Fähnlein Arbeite-, Genossen seiner Ver­bannung von Besancon, pfälzische Turner, Flüchtlinge aus Rheinland, Westphalen und Sachsen, die zu Prüm, Elberfeld und Dresden sich schwarz gemacht, lauter ver­zweifelte Gesellen, deren letzter bis jetzt noch schießen soll, mancher davon ein Lehrling der Züge gegen dieKabylen. Zu diesem erlesenen Häuflein von kaum achthundert Män, nern gesellte sich die aufgebotene Bürgerwehr der benach­barten Ortschaften. Zwar fiel dem verständigen Führer auch nicht im Traume bei, auf die Tapferkeit dieser ge­preßten Sensenmannschaft zu rechnen; doch versah sie den ermüdenden Dienst der Bewachung, der Streifzüae, der Absperrung, wodurch die Kräfte der streitbaren Kämpfer für die Gefechte gespart wurden. So konnte Willich, ob­schon ganz ohne Geschütz, Landau förmlich belagern. Die Zufuhren schnitt er ab und verstopfte die Brunnenleitun­gen, wogegen er den Mangel an Trinkwasser durch Ueber# fluß an Bach wasser ersetzte; die gestaute Queich füllte die Keller in der Stadt. Vergebens hatten Ausfälle diese Anstalten zu stören unternommen. Die Besatzungen der zwei Vesten fochten ohne den rechten Eifer, während die Belagerer den tüchtigsten Ernst zeigten. Mit Einem Wort, der Willich und feine Freischärler haben sich als ganze Kerls gezeigt.

Die Bürgcrwehr von Bellheim verdiente sich am we­nigsten den gleichen Ruhm. SelbigeS Bellheim ist ein lanqgedehntes Dorf mit etwa zweitausend Einwohnern, auf der Straße von Offenbach die letzte Ortschaft vor den Niederungen, inmitten welcher, von Sümpfen und Büschen umfangen, Germersheim liegt. Mil Widerwillen leisteten die Bellheimer den Dienst, welchen zu versagen gerade nur die schlaffe Mutlosigkeit sie hinderte. Wie schläfrig stand der Bauersmann auf dem Posten, wie faul und verdrossen schnekte die Streifschaar über Weg und