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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allqcm. Zeitung.

1851. M 43.

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Vor Landau.

(Fortsetzung.)

®lenser berichtete ausführlich weiter, wie München sich wie Barrikaden gürte und daS Gebirge Oberbayerns von Senfen starre. In Westphalen und Rheinland wüthe der Aufstand und in Dresden fangen die siegreichen Sol­daten aus Preußenland an, eS mit dem Volke zu halten. Den Schluß des Berichts bildeten die unvermeidlichen Ungarn. In allen Dießen jener Tage mußten sie wie­derum an derselben Stelle stehen, wo Messenhauser am 30. Oktober vom Stcphansthurm aus ihr siegreiches Vor- rücken beobachtet hatte. UebrigenS entfernte sich in diesem Stücke der Redner nicht allzuweit von der Wahrheit. An der Schwechat standen sie freilich nicht, die Magyaren; aber sie hatten, nachdem sie aus ihren Stellungen hinter der Theiß hervorgebrochen, ihren Bekämpfen: seltsame strategische Rücksichten" empfohlen und dann sie bewo­gen, sich big Preßburg zurückzuziehen. Noch hielt nicht Haynau den Fclvherrnstab in der unnahbaren Faust. Noch hatte nicht . . . doch davon sei geschwiegen. AuS blin­dem Haß gegen Habsburg habt ihr damals Oesterreich den slawischen Barbaren an die Brust geschleudert , und wir Alle bezahlen nun die Verblendung mit unterm besten Herzblut. Auch hier halte Untreue den eigenen Herrn ge­schlagen.

Blenke: log also nicht, er übertrieb nur ein wenig und that in seiner Weise wohl daran. Die Erwähnung der Magyaren wirkte stärker alS die übrigen frohen Bot­schaften miteinander. DaS Ferne, Fremde, Abenteuerliche übt ja immer einen besondern Zauber auf die Einbil­dungskraft der Menge, und droben auf dem Wall wurde der Wirkung noch nachgeholfen. Nicht umsonst hatte deS Mondscheins Sippschaft Wort und Losung erhalten. Sie Mb sich redlich Mühe das Feuer zu schüren. In Paris

werde ebenfalls auf's neue der Tanz loSgehen, hieß es, und sofort die unersättliche Guillotine sonder Fehl jedwe­den fressen, der sich nicht bei Zeiten dem Volke gewidmet. Da nun in den Herzen sehr vieler Soldaten das Züng­lein der Wage sich ohnehin zur Linken neigte, so wurde der Redner mit steigendem Beifall vernommen. Viele stimmten ein, denen eS eigentlich nicht darum zu thun war, die einen auS Furcht, die andern auS Lust am Lär­men, die dritten auS gedankenloser Nachahmungssucht. Blenker sprach immerfort.Macht endlich einmal das Thor auf", rief er,damit wir Brüderschaft trinken". Die Fallbrücke los" ! schrie es auf dem Wall. Jubel folgte, doch zwischen dem Jubel war auch Schelten und Fluchen zu vernehmen. ES schien als ob sie droben sich zankten. Die Leute verloren sich von der Brustwehr, hinter welcher der^ Streit immer lebhafter sich vernehmen ließ.Werft die Aristokraten in den Graben"! schrie eine durchdringende Stimme. Ein Bierbaß rief dagegen: Kriegsartikel! Rübrl keinen Offizier an, sonst gehl's zu Pulver und Blei" ! Neues unverständliches Durchein­ander. Mit einem Mal schob sich durch die Schießscharte ein eherner Ring um eine dunkle Mündung.Alle Preu­ßen"! rief Blenker,ihr werdet doch nicht feuern wollen" ? Ueber dem Rohr tauchte ein Offiziershelm auf, dann ein grimmiges, sonnverbranntes Gesi 1 t mit wasserblauen Augen und flachSgelbem Bart, zuletzt eine Faust mit dem Luntknstock, an dessen Spitze kaum wahrnehmbar ein leich­ter Rauch wirbelte. Der FlachSbart schrie:Meint ihr, ich habe die Lunte in der Hand, um euch die Zigarre anzuzünden? Macht daß ihr weiter kommt"! Wenig­stens", höhnte Zinp,vor dir fürchten wir unS lang noch nicht. Komm herunter, wenn du Herz haft, Ari­stokrat, ich will dich" . . .

In diesem Augenblicke krachte der Stückschuß loS und that eS dabei einen rasselnden schweren Fall, als sollte