Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur
. Zeitung.
1851. — M 42
Bor Landau.
(F o r t s e tz u n g.)
Und damit die Aehnlichkeit mit Falstaff vollkommen sei, durfte auch Pistol, der Fähnrich, nicht fehlen; die Rolle spielte der Bürger Zinn mit Schick und Glück. 21 n einen Schleppsäbel geschnallt, machte daö Mannchen Lärm für ein Dutzend. Nicht Zinn hätte der Schreihals heißen sollen, sondern Messing; wohl angestanden hätte ihm der Raine des gelben Erzes, woraus das Geschütz, die Trompete und daS Trommelblech geformt werden, so laut gellte seine Stimme in allen Ohren. Dieselben Leute, welche ihm den Namen des unsterblichsten aller Fähnriche beige« legt, behaupteten auch in vollem Ernst, die Bayern in her Veste habe kein anderer Vcrrâther gewarnt, als ZinnS liberinenschlichcS Geschrei. Etwas Wahres mag immer* in in dieser Anführung liegen; wurde doch im Angesicht der Befestigungen erst Kriegsrath gehalt n, der nicht übel einer Abendsttzung im DonnerSberg zu Kai- snSlautern glich. Blenker donnerte, die übrigen Führer schrieen alle auf einmal, und sie alle überschrie Zinn; »Drauf, Bürger, drauf! Was ist da lang noch zu berathen ? Vorwärts an S Thor ! Ich habe einen Schlosser sammt dem Sperrzeug bestellt, der soll aufschließen". - „Schon recht, wenn sie's drinnen leiden". — „Was leiden? Wenn so ein Schlingel sich auf dem Wall zeigt, holt ihn ein Sensenmann herunter. Der Sensenmann läßt nicht mit sich, spassen, auch wenn er keine Sanduhr führt. All's dräuf"!
Die tapfere Meinung drang durch. Die Geschütze Anken vom Henwagen gebracht und ohne Vermittlung ton Laufgräben zweckmäßig ausgestellt. Die Sturmsâule rätsle v»r. Nirgends ein Hinderniß, noch minder Widernd, bis zum Graben vor dem verschlossenen Thor und ^ gehobenen Zugbrücke. Der Schlosser, welchen Zinn
Aufgeboten, war richtig zur Stelle mit seinem gewaltigen Drahtring voll Nachschlüsseln; doch langte sein Arm nicht weit genug, um die Brücke herabzuziehen, und fliegen konnte er nicht, wie er selber beiheuerte. Zinn wäre etwa der Mann gewesen, ihm auch das Fliegen zuzu- muthen. Jenseits stand droben auf der Brustwehr ein Posten, der nur dadurch an Fra Diavolo erinnerte, daß er sich auf sein Gewehr lehnte; im Uebrigen glotzte er mit schelmisch funkelnden Augen ganz gemüthlich auf daS Getümmel zu seinen Füßen. Die Basteien von Landau sind nämlich sehr hoch, nach älterer Weise aufgeführt. In regelrechtem Fünfeck, umsangen sie die kleine enge Stadt, so eng, daß die sechstausend Einwohner kaum Platz darin haben. Alles ist klein beisammen und staunend fragt der Fremdling: Ist das die Veste, deren Name in den Jahrbüchern von 1622 und 44, von 1703, 4 und 13, von 1792 uns 93, von 1814 und 15 roth verzeichnet steht? — Dennoch schienen die Werke zu gewaltig für die Mittel der jetzigen Berennung, und zu jeder andern Zeit wäre daS Unternehmen geradezu so lächerlich gewesen, wie eS dem hellblauen Fra Diavolo droben vorzukommen schien.
Von unten rief einer der übergetretenen Soldaten hinauf: „Heda, Kamerad Söllhuber"! — „Waö soll'S, Deidesheimer" ? fragte der Posten. — „Sei koch so gut und mach auf"! — Den Rauvenhelm schüttelnd, versetzte der Söllhuber: „War schon recht. Warum seids nit blieben? jetzt vürst's a nimmer eini, öS Zöpfen, ös".— „Sei g'scheit, Svllbubcr", hob der Deidesheimer wiederum an; „du wirst und doch nicht zwingen wollen, die schöne liebe gute Stadt Landau, die Zierde der Pfalz, mit Bomben und Granaten zusammenzuschießen"? — „Nur zu" ! meinte der Posten, „war sein Schad' um Md Patriotennest". — Wenn dich aber so eine Stückkugel zu Kraut- stücken verhagelt, wie dann, Söllhuber" ? — „Mir ohne