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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. Jfé 39.

Vor Landau.

(Fortsetzung.)

Der Junker lachte.Der Kaiser hatte recht in seiner Art", meinte er;er hatte keine Leute übrig, um den Weibern einen Zehnten davon zu geben. Bei alle­dem jedoch bleibt mein LiebeShandel eine ganz verzwei- feite Geschichte. Fräulein Müller hat mich am Band wie einen Maikäfer; sie läßt mich nicht fliegen und will mich doch nicht behalten. Wollten Sie nicht vielleicht die Güte haben, gelegentlich ein Wort zu meinen Gunsten zu sprechen"?Die Gelegenheit wird schwer zu finden sein", bemerkte CassiuS;verdammt schwer, mein lieber Herr Kamerad. Meine Leut' sind lauter Erzrepublikaner." Sie nicht auch"?Ja, wenn ich im Bett liege und keine Hosen mit Blitzableitern am Leib habe. Hören Sie, Herr Kamerad, Sie stecken wirklich in einer wahren Manöfalle. Wenn Sie zu den Rothen übergehen, so haben Sie alS Altbayer auch gar keine stichhaltige Ent­schuldigung".Leider" , seufzte der Junker. CassiuS sprach weiter:Verlassen Sie gerade jetzt den Dienst ganz und gar, so leitet darunter die Soldatenehre. Führen Sie aber den Säbel gegen die Republik, so verfeinden Sie sich mit den Müllerschen. Was Sie also auch be­ginnen, alles ist ungeschickt".Ja wohl, ja wohl", rief Luitpold;wissen Sie mir keinen Rath"?Ja Wohl", entgegnete der alte Soldat,thun Sie Ihre Pflicht, ob's Herz auch bricht. Anders weiß ich'â selber nicht zu wachen".

Abermals seufzte der Jüngling tief und schwer. Der andere fügte nach einer Weile hinzu:Hören Sie, Herr Kamerad, ich bin schlimmer dran wie Sie. Während ich den Abschied erwarte, muß ich meine Schuldigkeit thun so wie so, und es wird lange dauern, bis von München die Antwort kommt. Gewinnen meine Leute, so gelte ich

bei ihnen für einen Verräther und werde ihres Sieges nimmer froh; verlieren sie, so stößt mir's vollends das Herz ab. Die Fahne ist sozusagen meine Frau, und ich muß sie behalten sammt dem Kropf. Bei Ihnen ist's et­was anderes. Ob die Bayern siegen oder verspielen, Sie können jedenfalls sagen: ich habe meine Schuldigkeit ge­than! Einmal wird doch auch wieder Friede werden und dann setzen Sie in Goltesnamen ihre Freierei fort. Wenn bte Theres' überhaupt Sie gern hat, so darf sie sich nicht weigern, den Ehrenmann zu nehmen. Verlieren Sie aber dennoch daS Mädel darüber, so ist das allemal leichter zu verwinden, wie die zerrissene Ehre zu flicken. Ich we­nigstens würde sprechen: lieber unglücklich in der Liebe, als bankrutt an Ehre" !

Der Wachtmeister redete mit diesen Worten eigentlich mehr sich selber zu alS dem Begleiter. Von Herzen war'S ihm zuwieder, nach Landau zurückkehren zu müssen, so daß eS ihm ungefähr ging wie jenen Nonnen nach dem Abzug der Panduren, da sie dachten: warum doch haben sie uns nicht gewaltsam mitgenommen? CassiuS sprach noch fort, alS Luitpold längst nicht mehr auf ihn horchte, sondern sich redlich Mühe gab, den dargereichten Trost hinabzuwürgen, um ihn wo möglich in East und Blut zu verwandeln.

II.

Freiheit und Ordnung geben mit einander ein gutes Gebräu, wenn die Mischung recht getroffen ist; dann kann auch der Sud so leicht nicht gerinnen und sich zer­setzen, wie etwa die Milch beim Donnerwetter. Just aber das ereignete sich in der Pfalz, wo daS genannte Ge­bräu sich mit gesonderten Bestandtheilen in seine Urstoffe auflöste. Die Ordnung hatte sich alS Niederschlag auf Landau gesetzt. Im deutschen Vaterland werden wenige Landschaften zu treffen seyn, welche nicht auS längster Zeit mehr oder minder genau wissen, waS derlei zu be-