Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Der Wanderer.

----- ' «rra» »S« «--»------

Belletristisches Beiblatt zur Naffauischen Allgem. Zeitung.

1851. 3f 89.

---»easSSBSEiiSBew--

Cine erste Liebe

Im stillen Klostergarten Eine bleiche Jungfrau ging, Der Mond beschien sie trübe, An ihrer Wimper hing Die Thräne zarter Liebe.

Uhland.

Ein furchtbares Gewitter entlud sich in den späten NachmittagSstunden eiinS heißen JunitageS über Wien und dessen reizvoller Umgebung. Die schwarzen Wolken­massen hingen tief und drohend hernieder, Blitz auf Blitz zuckte herab und der Donner rollte mit erschütternder j Gewalt. Endlich nach langem Wüthen schien der Zorn j deS unsichtbaren Riesen sich zu sänftigen, seine Stimme wurde matter und aus den Flammenaugen fielen die schweren Thrânentropfen eines erquickenden Regens. Allmälig lichtete sich der Himmel, funkelnde Sternlein wagten sich hervor und zuletzt kam Vater Mond siegreich dahergeschritten in seinem Hellen Lichtmantel, als wollte er den Menschen verkündigen :Seid ruhig ich bin da eS ist Alles vorüber".

In einem schmalen hohen Häuschen aber, das ganz versteckt in einer engen Gasse lag, waren noch Fenster und selbst die Läden dicht geschlossen. Drinnen im kleinen Etübchen brannte Licht und zwei weibliche Wesen saßen, angstvoll aneinanbergeschmiegt, im dunkelsten Winkel. ES waren Schwestern, Mädchen von 18 bis 19 Jahren, die einzigen Kinder eines fleißigen, stillen Bürgers, dessen Aushängeschild mit dem prunkenden farbenreichen Bilde ihn als zur ehrsamen Zunft der Haarkräusler gehörig bezeichnete. Die größere der beiden Gestalten erhob fi$ jetzt, öffnete Läden und Fenster, löschte die Kerze aus und sagte beruhigend:Komm, Doretta keine kindische Furcht mehr das Unwetter ist der heiligen Mutter sei Dank, gnädig vorübergegangen. Komm nur an'S Fenster und zög're nicht, eS ist gar zu süß jetzt draußen."

Und Doretta kam und das Mondlicht erhellte die jungen Gesichter und freute sich ihrer und wollte gar nicht weiter gehen. Doretta, die Jüngste, trug ein krauses dunkles Lockenköpfchen zur Schau, ein volles bräunliches rundes Gesicht, brennendes Augen und einen kirschrothen kleinen Mund. Ihre etwas üppige Figur war unter mittlerer Größe und ihre Bewegungen heftig und voll versteckter Leidenschaftlichkeit. Johanna, die älteste Schwester, war anzusehen wie Maienglöcklein und Kornblumen, so zart und weiß war die Farbe ihres An­gesichts, Halses und ihrer Hände, so dunkelblau die gro­ßen klaren Augen. Sie trug das schneeweiße Häub­chen der Wiener Bürgermädchen damaliger Zeit denn man schrieb die Jahreszahl 1759, und der Puder­staub, der eben in diesen Jahren üblich war, hatte nur leicht das Goldblond ihrer reichen Locken berührt.

Nach einer Pause ertönte wiederum die sanfte Stim­me der schlanken Johanna:wo nur der Haydn bleiben mag? Er ist doch sonst um diese Stunde längst zu HauS die gnadenreiche Mutter möge ihn zur rechten Zeit in ein schützendes Asyl geleitet haben, als das Un­wetter heranzog"! Doretta erwiderte nichts, ihre Brust hob sich unruhig, und die dunklen Augen schienen die weiteste Ferne durchbohren zu wollen. Da trat der ehrsame Bürger und Friseur Keller herein ein kleines behendes Männlein mit scharfen Zügen und ruhe­losen aber freundlichen grauen Augen. In der Hand hielt er eine tüchtige Lockenperrücke, welche er eifrig mit Puder staubte und dabei rief:Nun Kinderchen ist unser Hausgenoß der junge Bursch noch nicht da? In seinem Dachstübel ist er nicht bin schon einmal hinaufgeklettert dacht' er wâr bei Euch. S' ist doch seltsam, wie der lose Springinsseld, der lustige Mu­sikant mir an'S alte Herz gewachsen ist kann ich mich doch um den Fant sorgen wenn er einmal ein Stünd-