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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.

1851. â 27.

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An der Grenze

(Fortsetzung)

Die Schmuggler standen in dicht gedrängten Hausen, Georg in der vordersten Reihe, schweigend und unent­schlossen. Da aber tönte JeremiaS laut höhnende Stim- me:Ei, ei, verehrter Herr Georg, ist die Kourage alle geworden? Haben wir euch endlich einmal in der Patsche? Wollt ihr immer noch ehrliche Beamte bestechen"? Und als habe eine Schlange ihn gebissen fuhr der Schmugg­ler empor und schrie:Herab mit den Päcken, Kamera­den! die Flinten zur Hand und die Slöcke! Auf sie, auf sie! Wenn der Lügner zehn Leben hätte, die müßt' ich haben"! Dann sprang er vor, zielte flüchtig und drückte ab, stieß ein Hurrah auS, da er den Jäger stürzen sah, und warf sich, gefolgt von den andern, mit geschwungener Flinte auf den vor ihm stehenden Haufen. Allein die Kugeln schlugen von allen Seiten in die dichte Masse der Angreifenden, und da sie an ihre Feinde herankamen, starrten ihnen die Bajonette entgegen und brachen die Gewalt ihres Stoßes. Das Handgemenge, das nun be­gann, war wild und blutig, aber lange vermochten die meist unbewaffneten Schleichhändler nicht Widerstand zu leisten. Georg sah bas Unnütze eines ferneren Kampfes alsbald ein, und mit dem Ruf:Mir nach! in den Busch"! schwang er sein Gewehr mit herkulischer Kraft, schlug und stieß, gelangte glücklich hindurch und drang in die Büsche. Ein ihm nachgesendeter Schuß traf nicht, und Wuth im Herzen stürzte er der Allee zu.

Freidorf war mitten im Gedränge gewesen und in der Nähe Georgs. Als er seinen letzten Ruf hörte und ihn durchbrechen sah, schoß ihm der Gedanke durch den Kopf, wenn der so nach Hause gelangt und gar von El­sens Verrath erfährt, gibt cs ein Unglück. Durch alles, was er über sie erfahren, durch das, was er in den für* itn Stunden ihres Zusammenseins von ihr gesehen und

gehört hatte, war die Frau ihm lieb geworden. Ihr Ver­rath ließ ihn in diesem Gefühl kaum einen Augenblick wanken. Er fühlte sich überzeugt, daß die Veranlassung zu dieser unseligen That nur eine ungewöhnliche, eine furchtbare sein konnte. -Er säumte nicht länger, drängte sich durch den ermattenden Kampf und eilte dem Fliehen­den nach.

Der Himmel war noch immer dicht mit Wolken be­deckt und nur am äußersten Rande deS westlichen Hori­zonts war ein kleiner Streifen von ihnen befreit. In diese Oeffnung trat eben die Scheibe der untergehenden Sonne funkelnd hinein und erfüllte die gerade darauf zulaufende Allee mit einer um so gewaltigeren und all­mächtigeren Fluth von strahlendem Licht, da es durch die dichten Laubwände und die einfarbig dunkle Höhe auf das wunderbarste zusammengepreßt wurde.

Georg, wie er in diesen Raum sprang, fuhr betäubt und geblendet zurück, schlug die Hände vor'S Gesicht und hielt einen Augenblick in seiner Flucht an. Er hörte den Werdaruf und daS gebietende Halt deS hier aufge­stellten Postens, er hörte den Schuß knallen und fühlte sich in der Seite verwundet; er sprang wie rasend, ohne sehen zu können, vorwärts über den Graben, durch die Büsche und floh, noch immer halb geblendet, weiter und weiter.

Auch Freidorf war durch die plötzliche Lichtfluth auf- gehalten, allein die Sonne war bereits tiefer hinab und die Pracht und Gewalt ihres Strahles schon halb er­loschen. Der junge Mann verständigte den Posten durch ein rasches Wort und eilte weiter. Nach wenigen Schrit­ten im Holz stieß er auf den Förster, der noch verwun­dert dem Schmuggler nachsah, der ohne Aufenthalt bei ihm vorübergestürzt war.

Fritz hatte am Morgen die Anzeige von dem empfan­gen, was im Revier vorbereitet wurde; da man aber seine