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Der Wanderer.

Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allqem. Zeitung.

1851. 26.

An der Grenze.

(Fortsetzung)

In diesem Augenblick empfand er einen schmettern- den Schlag aus den Hinterkopf und sank taumelnd zu Boden; dann suhlte er sich erhoben und in's Wasser gestürzt. Die Gewalt deS Schlags war durch seine Mütze etwas gebrochen; daS kalte Wasser belebte ihn wieder, und sich an einem Rohrbüschel haltend, vermochte er einen Augenblick lang den Kopf zu erheben. Und so, von Blut und Wasser triefend und daS todtenbleiche Ge­sicht zu wahnsinniger Wuth verzerrt, rief er den jetzt her­beieilenden Männern zu:Nun, Kanaillen so seid ver flucht! verfl" Da gab daS Rohr nach, die angstvoll umhergreifenden Hände trafen nur lose Bin­sen , murmelnd und gurgelnd sank er in den Morast. DaS Wasser schloß sich über ihm, die kleinen Blasen und Kreise verschwanden und alles war wieder stille und ruhig. Nur ein paar Krähen, die hoch oben vorüberflogen, stie­ßen ihr heiseres Geschrei auS.Na", sagte Georg mit höhnischem Lachen und deutete auf die noch auf derselben Stelle schwimmende Mütze deS Unglücklichen,die mag da als Wahrzeichen herumtreiben, und wenn sie jemals tin anderer Zöllner sieht, kann er sich dran erbauen. Und nun zur Ruhe, Kameraden, wir haben noch eine Stunde zu warten".

Die Stunde verging, und obgleich die Sonne noch am Himmel stehen mochte, war doch vor den dichten Wolken nichts von ihr zu sehen. Im Busch begann es bereits zn dunkeln und die Männer brachen unter Georgs Führung auf. Es war ein krauser, gefährlicher Weg, wo eine falsche Wendung, ein unsicherer Tritt in den Sumpf führen und eine lange Verzögerung bewirken konnte. Hier ging eS knapp um ein wildes, wirres Ge- ^üpp und die Männer mußten in die Zweige greifen,

um vorbeizukommen; dort mußte man durch den Busch selbst, über die bemooSle knorrigte Wurzel, die ringS hundert junge Sprößlinge auSschlagen ließ; dann führte der Weg wieder wie ein schmaler scharfer Rücken hin, auf dem die Schreitenden balanciren mußten, oder eS ging über einen Baumstamm, der als Brücke über einen sumpfigen Platz geworfen war. Dann gelangte man vielleicht auf eine kleine feste Fläche und mußte nach wenig Schritten wie, der eine Strecke von Bülte zu Bülte springen, und da­zwischen sta id daS Wasser schwarz und still; oder der Boden sah so fest und sicher aus, und dennoch zitterte und schwankte er unter dem flüchtigen Fuß und daS Wasser quoll rings empor und stand in den Spuren. Hier gerade vorwärts, dort im Zickzack, bald rechts, bald links, ober gar zurück; so ging eS fort.

Der Weg war schlimm und eS gehörte ein sicherer Blick, ein fester und doch leichter und schneller Tritt, un* sâgliche Aufmerksamkeit und große Erfahrung dazu, ihn ungehindert zurückzulegen. Allein daS alles fand sich in Georg vereint, und eine kleine halbe Stunde nach ihrem Aufbruch bog er den letzten Busch auseinander und schritt gegen die Wiese vor.

In dem Augenblick ließ sich daS Geschrei deS Buß- hard hell und durchdringend vernehmen; der Schmuggler aber achtete nicht anders darauf, als daß er die Augen unwillkürlich zum Himmel erhob, um den Vogel zu er­blicken. Dann ging er leicht über die hier ziemlich scharf zulausende Wiese bis an den Rand deS Holzes vor und blieb stehen, um zu lauschen und seine Gefährten zu er*- warten, die sich in bald länger», bald kürzern Zwischen­räumen folgten. Allein eS war ringsum still, bis sich plötzlich in nicht allzuweiter Entfernung daS Wiehern eines Pferdes hören ließ.Holla"! sagte der Schmugg­ler mit gedampfter Stimme und seine nächsten Genossen sahen sein Gesicht in rachgieriger Freude sich verziehen,da