Der Wanderer.
Belletristisches Beiblatt zur Nassauischen Allgem. Zeitung.
1851. — 14.
König Konrad.
(Manuskript.)
Herr Konrad, König der Franken, Liegt auf dem Lager so bleich;
Ihn quälen Todesgedanken Und Sorgen um sein Reich.
Wen soll die Krone schmücken, Die seinem Haupt entfällt?
Hell steht vor seinen Blicken Ein jugendlicher Held.
Und eingedenk des Streites, Den er mit Heinrich stritt, Gedenkt er nicht des Leides, Das er durch ihn erlitt.
Er sieht nur, wie vor allen Hell glänzt des Friedens Stern; Er winkt und die Vasallen Nah'n trauernd ihrem Herrn.
Sie grüßen still den Kranken, Der spricht: „Mir winkt der Tod, Bald thut dem Reich der Franken Ein neuer König noth.
So gebt mir, eh' ich sterbe, Noch eine Bitte frei;
Versprecht mir, daß mein Erbe Der Herzog Heinrich sei.
Er hat mich mit den Seinen Befehdet und gekränkt, Aus Liebe zu den Meinen Hab ich den Groll versenkt".
Da neigen sich die Vasallen, Die um den König stehn: „Nach Deinem Wohlgefallen, Herr, soll die Wahl geschehn".
Und kaum, daß sie geschieden, Spricht Konrad todesbleich: „Nun sterb' ich, Herr, in Frieden, Geborgen ist das Reich;
Ein Held ist ihm gegeben, O segne seine Bahn Mit Glück, so viel im Leben Er Leid mir angethan"!
Iulius Sturm.
An der Gränze.
(Fortsetzung)
Der Steig, auf welchem Freidorf in die Waldung ritt, war ursprünglich ein Fahrweg gewesen, den Anwohner früher zur Herausschaffung ihres Holzes benutzt hatten; feit jedoch die neue Regierung eine andere und strengere Forstkultur in'S Leben gebracht, war er gelegt worden, wurde meistens nur noch von Fußgängern gebraucht, und die drei oder vier Jahre waren hinreichend gewesen, ihn vollkommen für jedes Fuhrwerk zu ruiniren. Die Gräben an den Seiten waren theilweise bereits eingesunken, die Büsche drängten sich schon lustig daraus hervor, sie schlugen auf aus denselben, sie sproßten auS den alten Geleisen, sie schoßen auS dem Wege selbst. Auch der Rasen zeigte sich schon; wo ein Schößling von hastigen Wanderern zerbrochen oder zertreten war, setzte sich bereits Mooö um den kleinen Stumpf; Erd- und Heidelbeeren kamen bedächtig über den Graben herbeigekrocben und legten ihre Ranken und kleinen Zweige schon zierlich zurecht und grüßten den Epheu und daS Geisblatt, die über die kleinen Büsche Hin- einnickten; kurz, das alles kam zwar noch schwach und gleichsam mißtrauisch, aber doch auch wieder recht unver-