OberhMche Zeitun
^w-rr-s Blatt
Mittwoch, 31. Dezembkr 1919
12)
Fortsetzung.
wb. Pa'ris, 30. Dez. Die „Chicago Tribüne" meldet aus Washington, Wilson sei fast vollständig wie- derhergesirllt. Er werde seine politische-Tätigkeit wieder ausnehmen und auch persönlich die Friedensfrage regeln.
wb. Paris, Fi'nanzkommission
wurde durch 500 stärkt.
„Was, Hertha?"
„Nichts...."
„Höre, mein Kind, du machst : ft es dich etwa mehr z» beinfn über?"
3 Haushaltszwölftel stellte fest, daß die National- s chu ld Frankreichs am 30. Juli 1914 34188 Millionen Franken betragen habe ,daß sie heute aber die Summe von 207 269 Millionen Franken erreicht habe, darunter 90 Milliarden schwebender Schuld.
fübrung des Friedensvertrages im nächsten Jahre resultieren. Und bei dieser Gelegenheit können sich Hemmungen ergeben, die leicht das Erreichte wieder vollkommen vernichten. Langsam bahntz sich bereit? eine große Geldknappheit an. Dir neue Steuergesetzgebung und die gewaltigen industriellen Ansprüche an den Kapitalmarkt ^monatlich 'werden Milliarden beansprucht) lassen den Zeitpunkt nicht mehr fern erscheinen, da tägliches Geld nur noch zu sehr hohen Sätzen zu erhalten sein wird. Das wird die Zeit der Prüfung für die Widerstandskraft unserer Volkswirtschaft sein. Wächst sich das nächste Jahr aber bereits in Deutschland zu einer Krisenzeit aus, so werden mich die Siegerstaaten nicht unberührt bleiben. Allem Uebermnt der Gegner zum Trotz muß immer wieder auf die Solidarität der wirtschaftlichen Verhältnisse hingewiesen werden. Es gibt — wirtschaftlich gesehen — außer den Vereinigten Staaten in diesem Weltkrieg keine Sieger. Bricht die deutsche Volkswirtschaft im kommenden Jahre unter der Last des Friedensvertragcs zusammen, io wird eine Weltkrisis unwetterhaft über die, kriegführrn- ten Staaten dahinjagen und praftisch den Beweis für unsere Behauptung erbringen, daß nur Solidarität von Siegern und Besiegten der Welt wiedergeben kann, was sie braucht: den Ersatz der durch fünftährige Vernich- tung verringerten Vorräte an Gebrauchsgütern jeglicher Art.
Gesicht... '.genmirger
30. Dez. Der Berichterstatter der des Senats über die provisörischen
Rußland.
x Denikin.
tu. Basel, 30. Dez. Die Denikinsche Freiwilligen- armee hat bei der Station Preskurew 24 Eisenbahn» wagen erbeutet, die den ganzen Staatsschatz Pctljuras und das Staatsvermögen der ukrainischen Staatsbank enthielten. Nach Schätzung werden die be- chlagnahmten Vorräte an Geld, Silber und Banknoten einen ungefähren Wert von mehr als 24 Millionen Rubel darstellen.
Diese Erbeutung hat nicht allzuviel Bedeutung, wenn ich folgende Meldung bewahrheitet:
Berlin, 31. Dez. Dem „B. T." züfolge lösten ich die Truppen Denikins nach Nachrichten aus Saratow auf. Ganze Verbände haben die Waffen niedergelegt und-sind nachhause gegangen.
Eine anarchistische Verschwörung.
wb. Amsterdam, 30. Dez. Einem drahtlosen Bericht aus Moskau zufolge ist im Gouvernement Pensa eine anarchistische Organisation entdeckt worden. 55 Personen wurdest auf Befehl der außerordentlichen Kommission erschossen. 1
Kurze Auslandsnachrichten.
Mustafa Kemal gegen die türkische Friedensabortz- nuug. wb. Pari», 80. Dez. Nach einer Konstantinopeler Meldung de» .TempS" hat Mustafa Kemal Pascha dem Großvezir mitgeteilt, er könne die Mitglieder, die für die türkische Friedensabordnung bestimmt seien, nicht anerkennen. Die Kammer allein habe da» Recht, sie zu bestimmen. Nach einer! Meldung de» „Temps" hält die Flucht der christlichen Bevölkerung auS Anatolien an.
Die Verurteilung August Borms'. Wie belgische Blätter melden, ist nunmehr an allen Straßenecken in Brüssel das Todesurteil gegen den Flamenführer August Borms angeschlagen worden. ^>as Todesurteil wird aber nicht vollstreckt werden, Borms ist nach dem Zuchthaus in Löwen übergeführt worden. Wenn also keine Begnadigung eintritt, wird er zeitlebens im Zuchthaus bleiben.
Die schwedische tzarbeuindustrie gibt den Wettbewerb auf. Während des Krieges haben nicht nur die Westmächte, sondern auch das neutrale Ausland den Kampf gegen die deutsche Farbenindustrie ausgenommen. Ueberall versuchte man, sich von der deutschen Farbenindustrie unabhängig zu machen. Aber schon jetzt wird überall, auch in England und Amerika, die Unentbehrlichkeit der deutschen Farbstoffe anerkannt. In Schweden hat nunmehr die einzige Farbstoffabrik notgedrungen den Betrieb einschränken müssen. Die Wiederaufnahme des Betriebes ist sehr unwahrscheinlich, da die Firma sowohl in der Herstellung wie in dem Absatz chrer Produkte schlechte Erfahrungen gemacht hat, und mo» allgemein mit ihrer Liquidation rechnet.
Spanisch statt Deutsch itt den Rewporker Schule«. Aus dem Schulprogramm von Newpork ist in diese» Jahr der Unterricht im Deutschen gestrichen worden. All seine Stelle soll da» Spanische treten, wie das schon irl einigen andern Staaten Nordamerikas geschieht. In Newpork lernen jetzt mehr als 26 000 Schüler Spanisch.
Staatlicher Arbeitsdienst der bulgarischen Jugend. Die „Franks. 8tg." meldet, daß in der bulgarischen Sobranje ein Gesetzentwurf eingebracht wurde, der für die Jugend beiderlei Geschlechts die Pflicht unentgeltlicher Arbeit zu Gunsten des Staates für die Zeitdauer von 6 Monaten bis zu 2 Jahren vorsieht. Zu diesem Zweck finden Aushebungen statt wie früher für das Heer. Wer sich der Gestellung entzieht, wird wie ein Deserteur bestraft.
Sonntagsruhe im italienischen Zeitungsgewerbe. Bo« 1. Januar ab sind die Zeitungen und Nachrichtenagenturen in Italien verpflichtet, die Sonntagsruhe einzuhalten. Es werden also keine Sonntagsausgaben mehr erscheinen. Die Agentur Stefani unterbricht ihren Dienst bis Mitternacht in der Nacht zum Sonntag auf Montag.
Er empfahl sich bald und kehrte ins Haus zurück, wo er sich überzeugte, daß die jungen Damen auch nicht in ihren Zimmern waren. Cölestine zuckte auf feine Frage mit dem gewohnten verschmitzt spöttischen Lächeln die Achseln.
„Frau Gräfin haben nur gesagt, daß die Damen zum Abendessen wieder hier sein würden."
Da trieb ihn die Unruhe wieder in den Park hinab. Vielleicht waren sie ins Dorf gegangen? Oder saßen irgendwo im Park mit ihrer Handarbeit? Denn daß sie nach Schloßhof gefahren seien — heute, nachdem er Hildegard klar gemacht, daß sie sich dadurch inS Gerede bringe — hielt er für gänzlich ausgeschlossen.
Aus einer Bank am Wciher, gerade unter der alten Schloßrniue, sah er zwei weibliche Gestalte» sitzen. Schon glaubte er, die Gesuchten gefunden z» haben, als er Trixi und Fräulein Kräger erkannte.
Näher kommend hörte er Trixi mit mißmutiger Stimme englische Sätze hersagen. Manchmal stockte sie, dann hals Fräulein Kräger drein.
„Nanu, was machst du denn bei diesem gottgesegnet schönen Abend hier, Trixi? Noch Unterricht he?"
„Frau Gräfin haben befohlen, daß Trixi bis zum Abendessen zwei Seiten ans „Kenilworth" auswendig lernt, da sie trotz' strengen Befehls von Frau Gräfin immer deutsch statt englisch mit mir spricht. Eigens lich sollte sie oben im Schulzimmer lernen, aber sie bat so sehr.... und ich dachte..." stammelte Fräulein Kräger an. Trixis statt etwas verwirrt.
Greuzach konnte nicht anders, er mutzte sich sch»» wieder über die Schwiegertochter ärgern.
Trixi zu behandeln wie ein Schulmädel, wo sie doch fast achtzehn Jahre alt war! Und überhaupt.«.., Stubenarrest und Auswendiglernerei, weil sie lieber ihre Muttersprache gebrauchte als die Sprache der Feinde! Zu albern!
„Wissen Sie was, Fräulein Kräger, mmhen Sir jetzt mal Zchluß für heute und helfen Sie drüben im Kavaliersflügel meiner Frau ein wenig Beim AbtmleM d« Abendportionen. Die Trixi behalte ich bei mit.", Fortsetzung folgt.
sehr bewegt abspielen könnte. Die Polizei von Versailles Gendarmen und 4500 Soldaten ver-
Aachen, 29. Dez. Am vorvcrgangenen Sonntag wurde hier der Metallarbeiter Koeppen von einem Fran- zostn nach einem von letzterem herbeigeführten Wortwechsel erschossen. Der Oberbürgermeister veröffentlicht ein idj reiben des Kommandierenden Generals der hiesigen Besatzungstruppen, worin er sein Bedauern ausdrückt und Her Familie des Getöteten die Summe von 1000 Mark erste Beihilfe übermittelt. Die Ermordung des Koeppen sei die Tat eines betrunkenen Mannes gewesen, der sofort verhaftet worden sei und vor das Kriegs-
Ernst und Tiefe in ihre Lebensführung zu bringen. Im Rekonvaleszentenheim warte ihrer ja eine so schöne und erhabene Aufgabe usw.
So sicher war er, daß nun alles ins richtige Geleise kommen werde, daß er, als Rittmeister von Willeneck fünf Minuten später den Kopf zur Tür bereinsteckte mit der Frage: „Nun, Papa Greuzach, wie stehen die Aktien für Line Schachpartie?" aufgeräumt antwottete: „Nur herein, alter Junge, ich brenne ja schon darauf, dich matt zu setzen!"
Während sie dann die Figuren aufsetzten, erkundigte sich Willeneck, wie seinem väterlichen Freunde der Ausgang bekommen sei.
„Ich sah Sie nämlich vom Fenster aus mit Baron Gempers auf und -ab -spazieren."
,.O famos hat es »«geschlagen! So gut, daß ich nachher nochmals hinaus will. Ist ja ein herrlicher .Tag heute. Sind viele Herren im Rondell?"
„Alles was kriechen kann!"
„Na schön. Tann begleite ich dich, wenn wir unsere Partie beendet haben, dahin. Habe ja. schon eine wahre Sehnsucht, die Herren wieder mal zu begrüßen und mich zu überzeugen, ob es ihnen an nichts fehlt!", schloß er lächelnd.
Während des ganzen Spiels freute et sich darauf, Hildegard und' Hertha endlich als Samariterinnen dort zu sehen, und malte sich aus, wie wohl es den Kranken tun würde, mal hübsche fröhliche Jugend um sich zu sehen, anstatt der zwei schweigsamen geistlichen Schwestern, die zudem nur selten für einen Sprung hinab konnten, da sie oben im Kavaliersflügel bei einigen besonders hilflosen Kranken nötiger gebraucht wurden.
Wie groß war daher feine Enttäuschung ,als er nachher mit Willeneck das Rondell betrat und die Kranken allein vorfand! Tante Sessa kam bald darauf, auch bie Gräfin erschien für kurze, Zeit.
Bon ihnen erfuhr er durch' unauffällige Fragen, datz weder Hildegard noch Hertha hier gewesen waren.
W» teere« sie?
Greuzach hielt das Stillsitzen nicht lange anS heute.
Nachdruck verboten.
Durch schwere
Originalroman von Anni Hruschka.
Ans dem besetzten Gebiet.
Das Saargebiet Zollausland.
tu. Saarbrücken, 30. Dez. Amtlich wird mit« geteilt, daß nach der Ratifikation des Friedensvertrages die für den französischen Zolldienst bestimmten Eisenbahnstationen ihre Tätigkeit auf neunten; das sind Mettlach für den gefaTnten Personen- und Gepäck -verkehr und Vierzig für den gesamten Güterverkehr Da der Saarstaat vom Tage der Ratifikation an in eine Zollunion mit Frankreich tritt, so wird er im Verhältnis zu Deutschland als Zollausland Oe traditet: .
wb. Paris, 30. Dez. (Havas.) Das ..Journal" meldet, daß Präsident Wilson wissen ließ, er fei bereit, den Völkerbundsrat zusammenzurufen, der dann sofort nach bem Austausch d r Ratifikationsurkunden zn- ammentreten solle, . um das Regime d^ Saargebietes rstzusehen.,
* Ungarn,
tob. Wien, 30. Dez. Das „Neue Wiener Jour-- nal" bringt eine Unterredung mit dem Staatssekretär im ungarischen Ministerium des Aeußern Dr. Lovascy über das Schicksal Ungarns. Es heißt darin: Mr streben hie Wiederherstellung des ungarischen Königtums an. In der Wahl des Herrschers befinden sich die Westmächte, welche die Wiederkehr der Habsburger auf hkas energischste untersagt, in vollstem Einvernehmen mit der ungarischen Nation, die für die Habsburger nichts' mehr übrig hat?
gericht gestellt teerte. Die Familie des Opfers werde die Genugtuung erhalten, auf die sie Anspruch habe.
tob. Wiesbaden, 30. Dez. Die „Neue Rheinische Korrespondenz" meldet: In dem benachbarten Orte Strinz-Trinitatis wurde der Bürgermeister Puff von der französischen Besatzungsbehörde aus unbekannten Gründen von seinem Amt entfernt und der seitherige Gemeindevcchner Egett an feine Stelle gesetzt.
-♦—
Dentsch-Oesterreich.
tob. Wien, 30. Dez. Am Sonntag sand hier eine Versammlung der Vorstände der deutschnatiönalen Partei Oesterreichs statt, in der das Programm der neu zu. gründenden deutschnationalen Reichspartei zur Kenntnis gebracht wurde. Das Programm tritt für den Anschluß Deutsch-Oesterreichs ajj das Deutsche Reich ein und ist mit jeder Staatsform zuftieden, die den Anschluß mit dem Deutschen Reich zu verwirklichen vermag, erllärt sich aber gegen jeden Versuch der Wiedereinsetzung der Habsburger. Das Programm wurde einstimmig genehmigt.
Die Rückkehr der Kriegsgefangenen.
tob. Amsterdam, 30. Dez. Der „Telegraas" meldet aus London: Der Staatssekretär für den Krieg teilte mit, daß am Sonnabend 1.333 deutsche Offiziere und 450 Mannschaften nach Deutschland abgeschickt wurden. Abgesehen von den Fliegern und den an der Versenkung der deutschen Flotte-bei Scapa Flow beteiligten deutschen Seeleuten haben jetzt alle deutschen Kriegsgefangenen England 'verlassen.
'----♦----
DsutschöS Reich.
■-- - 4— Wiedereinführung der Goldzötte. In zwei Rote« vom 22. und 23. Dezember hat der Oberste Rat in Pari» der sofortigen Erhebung von Goldzöllen in Deutschland zugestimmt. Deutschland ist ermächtigt, ein Aufgeld in der Höhe zu erbeben, als die jeweilige Entwertung der Reichsmark gegenüber dem Dollar beträgt. Hierbei müssen die Vorkriegsgoldsätze angewendet werden. Nach Errichtung der Wiedergutmachungskommifsion ist da» Aufgeld im Benehmen mit ihr festzusetzen. Die Ermächtigung gilt zunächst für drei Monate. Inzwischen sind Perhandlungen mit den Verbündeten über die deutschen Ein- und Ausfuhrverbote zu führen. Falls eine Einigung hierüber binnen drei Monaten nicht erzielt worden ist, wird die ganze Frage von neuem geprüft.. Tas Gesetz über die Zahlung der Zölle in Gold, das vorübergehend außer Anwendung war, wird mit dem 1. Januar 1920 wieder in Kraft gesetzt.
— Aufhebung des Belagerungszustandes in Hamburg. Dem „Lok.-Anz." wird aus Hamburg gemeldet: Laut „Hamburger Echo" hat dieR egierung die Aufhebung de» Belagerungszustandes in Groß-Hamburg und dem Freihafengebiet verfügt.
„Nun? Wie faßte er es auf?"
. t „Wie zu erwarten stand. Ich bekam wieder einmal tinen recht erbaulichen Vortrag zu hören über die Wichten der Frau in Kriegszeiteu usw. Schließlich turöe ich ersucht, unsere Teilnahme am Fest sofort Aznsagen, weil man in Kriegszeiteu keine Feste feiere tord den Verkehr mit Schloßhof tunlichst bald ein- lhiasen zu lassen, weil er.....meinen Ruf angeblich
gefährden könnte", sie lachte kurz auf und fuhr gereizt fctt: „Als Entschädigung für Schloßhof wird uns Nachdrücklichst das Rekonvaleszentenheim empfohlen. 6m 4 Uhr erwartet man uns am Rondell, wo wir en Herren Offizieren ihren Kaffee kredenzen und ihnen echher bis 7 Uhr Gesellschaft zu leisten hätten, — l'pektive ihre Bedienung zu übernehmen."
Hertha fah starr zu Bodeu. So peinlich es ihr Wesen wäre, heute noch einmal in ein bleiches, ver- irtes Gesicht zu blicken, dessen traurige Augen sie >nehin seit einer halben Stnnde verfolgten, so lehnte h doch zum erstenmal etwas in ihr auf gegen die Pole, lieblose Art der Schwägerin.
„Was wirst du tun?" fragte sie endlich leise.
„Nichts natürlich. Tu denkst doch nicht etwa, daß mich durch Papas Marotten irgendwie beeilt« iffen lassen werde? Selbstverständlich widersprach ich cht offen, denn ich hasse Familienszenen — aber, n werde ich ebenso selbstverständlich, was mir beliebt."
„Tu meinst also, wir wollen trotzdem fahren?" „Gewiß. Du nicht?"
„Doch.... nur..
worden war, stand man vor der Notwendigkeit, ans dem khaoS etwas ganz Neues zu schaffen. Das Unternehmertum war trotz aller Hemmnisse entschlossen, das Unmög- üche zu versuchen. Aber es konnte nicht gelingen. Eine von falschen Voraussetzungen ausgehende Arbeitnehmer- schicht fiel dem Unternehmer durch politische Kämpfe andauernd in den Arm und erreichte durch eine weitver- Meigte soziale Gesetzgebung .daß die freie Betätigung wirtschaftlicher Energie erheblich eingeschränkt werden wußte. Andererseits batte das Ansland uns Fesseln an« gelegt. Durch raffinierte Friedensbedingungen wurde ritte Ausplünderung Deutschlands in Szene gesetzt, die käst jche Hoffnung auf Frieoensgcnesnng zeitweilig unterband. Die deprimierende Wirkung des unglücklichen Kriegsausganges auf die Arbeitsfreudigkeit, des ganzen Volkes, diese entnervende Wirkung hat die deutsche Volkswirtschaft und damit indirekt auch alle Hoffnungen der Feinde auf Erlangung großer Wiedergutmachnngssummen am allerschwersten geschädigt: vifl mehr als die tatsächlich erfolgte Entziehung wichtiger deutscher Produktionsmittel durch die Feinde. So liegt Deutschland denn schutzlos da vor der gestiegenen. Kaufkraft des fremden Geldes, find es "kann, um ein Bild zu gebrauchen, sehr bald her Tag kommen, an dem Amerikaner „die Wartburg in deutsches Papiergeld eingewickelt" nach dem neuen Kontinent transportieren.
Gegen diese Wirkung des Kriegsausganges ist mit allen Mitteln angekämpft worden, leider vergeblich. Die Kaufkraft der Marl ist unaufhörlich weiter gesunken, der „Ausverkauf der deutschen Volkswirtschaft" macht erschreckend zroßc Fortschritte. Es ist unbegreiflich, daß die Gegner bislang keine großzügig« Hilfsaktion zur Rettung ihrer gefährdeten Forderungen unternommen f).'b"n.
Aus Krieg und Revolution hat Deutschland nichts gerettet als seine geschwächte Arbeitskraft und eine noch Immer gewaltige ProdnktionSmakchinerie, zweiGrößen, dic theoretisch wohl ausreichen würden, um den Wiederaufbau inzubahnen, von denen praktisch aber nicht bekannt ist, * die Feinde ihrem Einsatz nicht Hindernisse bereiten. Wrden. Deutschland wird Frieden nur dann hoben, denn die Gegner in friedlicher Gesinnung den vieldeutigen Vertrag von Versailles «zur Anssühruny - bringen. Für sie nächsten Jabre 'sieben enorme finanziellen Verpslich- tzingen zwar Kest: aber es ist nicht ab-usehen. wie nur die ttften zwanzig Milliarden in Gold zur Auszahlung ge- iangcn sollen. Gold wird Deutschland solange unerreichbar sein, als unsere Zahlungsbilanz nicht aktiv geworden ist. Sic aber soll das gelingen, wenn sämtliche Organe unseres Ausfuhrhandels vernichtet sind nnd der Rest von Seiten her Gegner durch Abschnürung weiter lebensnnsähig gemacht wird. Das größte Unglück für nns — und nicht hat für uns — ist, daß die Entente noch immer nicht zu der Einsicht des Widersinns, der in dem Versailler Ber- ftag paragraphiert worden ist, gelangte. Auch in Deutschland ober gibt man sich leider nicht klar Rechenschaft über »ufere volkswirtschaftliche Situation. Zweifellos hat sich der Nutzeffekt unserer Arbeit in den letzten Monaten etwas gebessert. Die Aufblähung unserer Geldeinheit täuscht Reichtum vor .der nicht vorhanden ist. Auch die Ernäh- pmgslage hat sich ein wenig günstiger gestaltet. All dem stehen aber die Aufgaben gegenüber, die aus der Aus-
„Nein, o nein....!"
„Mer, was hast du denn eigentlich, Herthas
Hertha fuhr sich über die Stirn. „Verzeih, ich bin wirklich noch etwas nervös.... Mirbach hat mich rufen lassen. ^Durch Trixi. Er muß irgendwie Wind bekommen haben von.... von Bärwald. Er beschwor mich gleichfalls, den Verkehr mit Schloßüof auszugeben ....."
„Unglaublich! ^Ja mit welchem Recht denn?"
„Mit... keinem natürlich. Ich lehnte auch energisch ab... aber es war sehr peinlich. Du begreifst^ daß ich gerade in der nächsten Zeit sehr ungern mit Mirbach wieder in Berührung käme!"
„Nun, bann ist ja alles gut. Komm, Schah, der Wagen wartet nm rückwärtigen Parktyr. Zum Abendessen können wir ganz gut wieder zurück sein, und wenn man uns fragt, wo wir waren, laß ruhig mich antworten. Ich habe keine Angst vor Papa."
Einen Augenblick zögerte Hertha noch. Darin folgte ie der Schwägerin mit trotzig erhobenem Kopf.
Graf Greuzacht hatte bisher nicht gewußt was Nerven sind. Nun spürte er sie zuweilen recht unangenehm. „Weiß Gott, neben einer Frau wie unsere liebe Hildegard lernt man selbst da!" sagte er zuweilen ingrimmig zur Gräfin, wenn sie allein waren.
Heute kribbelte es ihm besonders stark in allen Gliedern, und eine rastlose Unruhe trieb ihn nun schon seit Stunden von Oct zu Ort.
Wo waren sie? Wie konnte Hildegard die Stirn haben, seinen so bestimmt ausgesprochenen Wunsch einfach nicht zu beachten? Anfangs war er ja ganz beruhigt gewesen. Er hatte endlich deutlich gesprochen mit der Schwiegertochter, und das hatte ihn außerordentlich erleichtert.
Sie aber schien ganz klein und beschämt. Kein Wott der Widerrede. Blaß und stumm stand sie da und sah ordentlich zerknirscht aus.' So, daß sie ihm zuletzt leid tat. Sein TonDmrde freundlicher. Er redete ihr dann noch eine Weile gütig zu und bat sie 5" letzt herzlich, doch ihm und Gebhard zuliebe mchr
An I« ÄhttMNde.
Weltabgewandt (in 'politischer Hinsicht) hatte das tzeutsche Volk in schier unermüdlicher Anspannung seine gesamte Kraft auf ökonomische Leistungen verschwendet. Unter eigener persönlicher Verantwortung schuf .das tzeutsche Unternehmertum eine wirtschaftliche Maschinerie, tzie ihres -gleichen nicht einmal in den kapitalistisch entwickelten Vereinigten Staaten sand. Die gewaltige Kraft- zmspannuna während des Krieges zeitigte größere Leistungen als vorher. So wären unter der Voraussetzung, tzaß der Krieg nur einigermaßen mit einem Ausgleich geendet hätte, wohl die Bedingungen für eine gesunde Fortentwickelung vorhanden gewesen.
Der unerwartet ungünstige Ausgang des Feldzuges ttnb die Revolution rollten auf einem Schlage eine An- Zchl sozialer Probleme ans. Das allerschwerste Problem des vergangenen Jahres war die Umstellung auf die Friedenswirtschaft. Alle Vorbereitungen für sie waren getroffen Da aber nur mit der Sicgchance gerechnet
-------.
Frankreich. •
Die Wahl Cläniencraus zum Präsidenten der Republik scheint nach verschiedenen Meldungen sicher zu stehen. Als Ministerpräsident werden Millerand und der jetzige Präsident Poincarä genannt, als Außenminister Millerand, als Finanzminister Lauch e u r, als Kriegsminister Lefev re. Es werden umfassende Vorbereitungen getroffen, zumal man befürchtet, daß sich die Wahl ähnlich der im Jahre 1899