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: ME 9()7 Bezugspreis betretet monatlich 2 X. frei m« Hau»; durch di« P«ft jX*.» 3.10 shne Beftekgeld «erlag aon Dr C. Hitz«r,td. Drutk der

Unia - Vuchdr. von I » h. * u g. Koch. Markt 21/23. Fkrnsarecher 55.

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mit dem Kreisblatt für den KrelS Marburg

Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessm

D«r «nzeigenarei, beträgt fit die 8 gei». Zeile 30 4 «. 50',. Teueru«a»iufltl. t J 4/HUl'lliy - 45 amtliche u. auswärtige SS Sleklamezeile 1.60.4. Zeder Rabatt gilt 04. >)itylA4

^NttttnlienK -* darradatt. «ei Auskunft durch die «e,chSft,ftell« *. Vermittlung der ia«a

Yuiluliunio, <5v. XtJCIiiUa »ngeb.t« 26 s«»«rgeb»hr. Postscheikkaata: Rr. »vl» Amt Frankfurta.»

Erstes Blatt

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Es gab in Marburg zur Zeit der Herrschaft der alten Reaktion einen Prof. Schücking, von dem die Spatzen von den Dächern pfiffen, daß fast jede sei­ner Vorlesungen eine Verächtlichmachung der da­mals bestehenden Staatseinrichtungen war. Ob­wohl die Studenten zu einem großen Teil nur hin- eingingen, um sich das anhören und das Kolleg oft von Beifall und Widerspruch widerhallte, blieb das damals eine innere Angelegenheit der Universität, und wir haben nie gehört, daß diereaktionärste Regierung der Welt"zwar" Herrn Schücking die Lehrfreiheit nicht beschnitten hat,aber" ihm das Entsprechende eröffnet hat. Uns scheint, unsere So­zialdemokraten und Demokraten hätten allen An­laß, gerade im Interesse ihrer eigenen Prinzipien gegen eine derartige Auslegung der Lehrfreiheit energisch zu protestieren. Sie werden es nicht-tun. Dann soll man aber aufhören, von Freiheit uftv Errungenschaften der Revolution" zu reden.

f unbeschadet seines Rechtes auf schöpferische Kritik Verächtlichmachung der geltenden Staatsordnung und der staatlichen Funktionäre unbedingt vermei­den muß. Der Minister hat Anlaß genommen, Profesior Traeger das Entsprechende zu eröffnen.

Sie MNdlmm in Haris.

Ai« Hauptforderungen der Westmächte bleibe« bestehe«.

kg. jrti r&f), 20. Dez. DieNeue Züricher Zei- meldet aus Paris: Die Formulierung der gntroort an Deutschland im Nate der Verbündeten hat am Freitag begonnen. Trotz einiger Zu- geständnisie der Verbündeten an Deutschland bleibt dir Hauptforderung an Deutschland bestehen.

kg. B e r l i n , 20. Dez. Rach^ heute vorliegen­den Meldungen aus Paris soll morgen eine vor­läufige Mitteilung des Rates an den deutschen gefangen in Paris e t folgen.

wb. Par i s, 19. Dez. (Havas.) Von den kulftfien Sachverständigen wurden genauere An­gaben über die Menge des Dockmaterials, das sie äh» Kompensation für Scapa Flow anbieten kön­nen, verlangt. Verschiedene Auskünfte, die von den Deutschen gegeben wurden, stimmen mit den Zif­fern. welche, die Enchrerständigen der französischen Kommission, die in den hauptsählichstcn Häfen Deutschlands, besonders in Danzig. Untersuchungen vornehmen, ausgestellt haben, nicht überein. Die Antwort wird erwartet. Inzwischen wird die Prü­fung der deutschen Gegenvorschläge von den be- teilizten Regierungen fortgesetzt.

Da» Schicksal des Kreises Ratibor.

wb. P r a g , 19. Dez. Zn der heutigen Sitzung >Wr Nationalversammlung wurde eine dringende Anfrage eingebracht, wann eigentlich das an die Dschecho-Slowakci abzutretende Gebiet Pre'Ü- Li! ch - S ch l e i i e n s besetzt werde, und fern r, i »f das Gerücht wahr sei, daß eine preußische Abord­nung in Prag darüber verhandele, daß dieses Ge­biet gegen eine Eeldentschädigung wieder au -Deutschland komme. Ministerpräsident T u - sar erwiderte, daß von irgend welchen Verhand- iHRgen keine Rede sein könne. Es sei richtig, daß kl ihm eine Abordnung der Bevölkerung aus dem Sebict, das nach dem Friedensvertrag abgetreten werden solle, vorgesprochen und an ihn die Ausfor- t knmg gerichtet habe, die Tschecho-Slowakei möge wit Deutschland Verhandlungen über Erenzregn- : licrunaen beginnen, Dann sprach sie die Hoffnung »us, daß vielleicht gewisse Teile dieses Gebietes bei Deutschland verbleiben könnten und daß dafür Deutschland andere Gebiete abtreten könnte. Tusar 'ehnte jedoch Verhandlungen in diesem Sinne ab. 5ßas die weitere Anfrage anlange, unter welchen Umständen es zur Besetzung von Preußisch-Schlesien femmer. werde, bitte er zur Kenntnis zu nehmen, kg durch die Verzögerung des Friedensvertrages Mens der Vereinigten Staaten die Erfüllung sich -östlich binausgeschoben habe. Man muffe war - izin, bis bet Friedensvertrag rechtsgültig itzs Le- kn trete. Es bandelt sich um den südlichen Teil

-ks Kreises Ratibor.

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13 4. Sitz» ngvom19Tczember.

Die unbequeme« Interpellationen der Rechten.

Vizepräsident Lobe eröffnet die Sitzung um 10 Uhr 20 Minuten.

Eine Anfrage des Abg. K unert (Unabh.) wegen Ver- letzung der Immunität von unabhängigen Abgeordneten durch den Rofthswchrrninistrr, die im Marloh-Prozeß zur Sprache gekommen fei, bcantwortet Minister Noske:

Nach dem von verbrecherischen Elementen verursachten Ausstand im März b. Fs. ist in Mort und Schrift weiter zum Bürgerkrieg gehetzt worden. In derFrei- liest" selbst wurde gesagt, daß sich Teile der Partei des Fragestellers der kommunistischen Partei nicht ganz fern gehalten haben. (Lärm und Gelachter bei den Unabhängi­gen.) Meine Instruktion vom 9. März d. Js. besagte: Für den Fall eines erneisten Aufstandes befehle ich: Der Aufstand ist mit allen, zu Gkbotc steheichen Mitteln so schnell wie möglich nicderzufchlagen. Während der Dauer des Ausstandes sind die Personen, die an dem ge­waltsamen Sturz der Regierung tätlich teilnehmen, sofort sestzunehmen." Dagegen schützt die Immunität nicht. Derr Henke hat sich daraufhin auch schleunigst aus Bremen in Sicherheit gebracht. (Lärm bei den llnabhän- gigen, Lachen bei der Mehrheit.) Ein Befehl.jur Aas- stellung von Listen der Personen, die sestziluehchen We»^ ist von mir nicht erteilt worden. Die JnstritAum war eine militärische Maßnahme, für die ich allein die volle Verantwortung habe. Die Immunität der Abgeordneten, die sich nicht an verbrecherischen Unternehmungen betei­ligt haben, ist nicht bedroht. (Zuruf der Abg. Frau Zietz: Unverschämter Kerl! Dummer Junge!) Dar­über besteht kein Zweifel .... (Zuruf der Abg Frau Zieh: ...daß Sie ein Mörder sind! Vizepräsident L ö b e tust Frau Zieh zur Ordnung.) .... daß die ge­samte Reichsregierung fest entschlossen ist, jeden -Merfuch, durch Ausstand oder Gewalttat, Freiheit und Leben der Staatsbürger ober die Sicherheit der Republik zu ge- sährten, niederzuschlagen. (Beifall.)

Es folgt die Interpellation Ar nfiadt--Hein he betr. Wirtschafts- und Steuerpolitik sowie das unab­lässige und ungeheure Steigen aller Preise.

Abg. Dr. Hugo (D. Vpt) begründet die Inter­pellation: Die Regierung muß Wege finden, um den Pro­duktionsprozeß zu fördern. Die Kaufkraft des Jnlands- marktes muß offen gehalten »erben. Die Steuer­politik vernichtet unseren Kredit: DicKoh- lenförbentng hat sich glücklicher Weise gehoben, aber noch nicht genug. .Mit größtem Nachdruck muß die Ar­beiterschaft darüber aufgeklärt werden, daß Akkordarbeit -und der Achtstundentag nötig find. Unsere Ernährungs­basis ist zu schwach. Am Ende des Erntesahres müssen wir Getreide vom Ausland kaufen um jeden Preis. Sollen wir weiter diese künstlichen Preissenkungen machen ober sollen wir mit aller Macht die Produktion fördern? Natürlich müssen die Gehälter und Löhne der wirtschaftlich Schwachen dann erhöht werden und nicht etwa bloß um 40 Prozent.

Wg. M u in m (Deutschnatl.) begründet sodann die Interpellation betr. Ein -und Ausfuhr: Während die gebundene Wirtschaft im Jnlande auch vielfach aufrecht erhalten wird, wo sie unwirtschaftlich ist, sind Ein- und Ausfuhr in Wirklichkeit planlos. Deutsche Unter­nehmungen und Grund und Boden kommen in die Hand des Auslandes. Die Kindersterblichkeit wächst ins Ungeheure. Wir haben so viel neue Verordnun­gen, daß die Behörden sich selber nicht mehr aus­kennen. Die Kompetenzen der Behörden sind nicht genau abgegrenzt. Gewaltige Summen sind n uh los vertan. Es wird ärger mit jedem Tag. Will die Regierung nicht endlich gegen diese Mißstände Vorgehen?

Minister Schmidt: Sie (nach rechts), die Sie die Einwanderung aus dem Osten beklagen, haben sich früher nicht gescheut, den Arbeitern aus dem Osten menschen­unwürdige Wohnungen anzubieten und sie wie das Vieh zu behandeln. (Zuruf retchS: Unerhört, Ilnwahrl) Weder die Einfuhr noch die Ausfuhr ist frei; sie stehen unter Kon­trolle. DaS Ernährungselend unserer Kinder eutrüstet

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Die Lehrfreiheit nut den Universitäten.

j I Das halbamtliche Wolff-Büro verbreitet fol- Nnde Auslassung:

,, Obwohl im Plenum der Preußischen Landes- *t)ammlung der Fall des Studenten ßemmet *8s Marburg eingehend behandelt und aabe: ausführliche Erklärung der llnterrichtsver- ^oltung abgegeben worden rft, lebt die Angelcgen- Vit in der Presse immer wieder auf. Deshalb wird !®n zuständiger Stelle in Kürze sestgestelft: Ter i Knister hat sich nicht davon überzeugen können, *6 >as Disziplinarurteil in Sachen fiemm.it die ^wcggriinde für Leminers Auftreten genügend be- ^'üsichiigt jjaf. Da nach Lage des Falles eine $e= ^futig oder eine Aufhebung des Urteils rechtlich Mit zulässig war, ist die Löschung der Strafe auf rni Gnadenwege verfügt worden. Zugleich ist der P-üt Vorfall zvm Anlaß genommen motben, die wbige Erneuerung.der vielfach reformbedürftigen ^bzipligrDorschriften für die Stusierenden in - Mem der neuen Zeit entsprechenden Geist in An- r*if zu nehmen. Auch das Verhalten des Pro-

! Traeger. dessen Vorlesung über Politik | M Ausgangspunkt des Streires war, ist eingehend s Mandell worden. Der Kultusminister, der in dem /Mb. akademische fiehrsreiheit eine seiner *°-ucßmsten Pflichicn sieht, erkennt diese Freiheit ^liirlich auch für Vorlesungen politischen Inhalts Aber die Lehrfreiheit findet eine Grenze an | h Umstand, daß der Hochschullehrer sie als Beauf- | 8§tet »es -Staate» genießt und daß er deshalb

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ünS alle. Aber gerade Herr Mumm hat gegen jedes Friedensangebot geschrieben! Der Friede zwei Jahre früher hätte uns alles das Elend erspart. Sie wollen die Freiheit des Handels ? Nein, die Freiheit der Ausbeutung! (Lärm rechts. ) Mr bemühen uns, Futtermittel einzu­führen. Aber soviel Privatkredit, wie dafür nötig ist, ist nicht aufzutreiben. Herr Dr. Hugo will den freien Handel und will dir Löhne entsprechend heraussetzcn. Daun müßten wir 10 Mark Stundenlohn zahlen, und dann hätten wir erst recht die Katastrophe. Die Regie- rung wird dem Volke sagen: Hier (nach rechts) sitzen die Brotverteuerer, die aus der Konjunktur ihren Sondernutzeii ziehen wollen. (Beifall bei der Mehrheit, Lärm rechts.) DaS deutsche Volk muß unabhängig sein von irgendeiner Jnteressenclique. Ohne die Regierung loben zu wollen, kann ich sagen, in diesem Jahr ist auf wirtschaftlichem Gebiet Ungeheures erreicht worden. Hinter der Hilfs­bereitschaft derjenigen, die den freien Handel heute wol­len, steht ein materieller Beigeschmack. (Beifall bei der Mehrheit.)

E» liegt ein Antrag aus Vertagung vor. Abg. L ö b c (Soz.) beantragt dazu namentliche Abstimmung.

Abg. Echultz-Bromberg (Deutschnait.): Wir ver­langen Hertagung, weil die provokatorischenAn- griffe He ^Ministers eine gründliche Aussprache erforderlich machen. , ,

Mstswent Fehrenbach macht darauf aufmerksam, daß-«och weiter« ministeriell« Erklärungen zu erwarten sind.

Minister Erzberger: Ich mußte annehmen, daß die Jnterpellauteu großes Interesse an bet sofortigen Beantwortung haben. Nun sind sie aber lange nicht vollzählig erschienen. (Lärm, und Zurufe von allen Seiten. Glocke deS Präsidenten.) Unterlassungen der Regierung sollen nach den Jnterpellante« die jetzige schlechte Lage herbeigesührt haben. Das ist die größte Geschichtsfälschuug, die je ausgesprochen wurde. Uns selbst ernähren können wir nicht. Wir werden immer Futtermittel, Rohstoffe und Nahrungsmittel vom Aus­lände brauchen. Jede Regierung hat die Pflicht, regu- tierenb in das Wirtschaftsleben einzngreifeu. Ihre Poli- ttk (nach rechts)' ist keineswegs mehr staatserhaltend. Wir werden im nächsten Monat mit großzügigen Plänen hervortreten, besonders in der Wohnungsfrage für die Bergarbeiter.

Präsident Fehrenbach ertlärt, nach der Geschäfts­ordnung müssen die Interpellanten jetzt die Beantwor­tung beantragen, sonst seien die Interpellationen er- ledigt.

Abg. S ch u l h - Bromberg (Deutschnatl.) hält daran fest, daß ein Vertagungsantrag jederzeit eingebracht wer­den kann. Er bezweifelt die Beschlußfähigkeit des Hauses.

Abg. Dr. Cohn (Uuabh.) stimmt dem Präsidenten zu. Nach weiterer Geschäftsordnungsanssprache, die ziem­lich erregt war, beantragt Abg. Dr. Heiutze (D. Vpt.) bis-^Beantwortling ;be«r Interpellationen.

Mrr Antrag wird von der Rechten und einigen Unab- fmngigetL Unterstützt. Die Unterstützung reicht nicht aus. Damit Aid die Jnterpellattpueu erledigt. x

Es Hlgen persönliche Bemerkungen der Abgg. Dr. Mumm (Deutschnatl.' und Dr. Hugo (D. Vpt.)

Hieraus vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung 13. Januar 1920, 3Uhr. Tagesordnung: BetriebS- rätegesetz. Schluß 2/> Uhr.

Ansstmid der Araber in Mesopotamien

wb, Amsterdam, 19. Dez. DerTelegraaf" meldet aus London: Die englischen Blätter berich­ten über einen ernsten Aufstand der Araber in Me­sopotamien. Die Stadt Bhezezzor (?) wurde von arabischen Truppen genommen und die dortigen Regierungsgebäud« vollkommen eingeäschert. Eine größere türkisch-arabische Bewegung ist im Gang«. Türkische Streitkräfte rücken am Euphrat entlang in der Richtung Bagdad.vor. Es besteht die Gefahr, daß ein Z u s a m m e n st o ß m i t den britischen Truppen erfolgt. Die Lage ist sehr ernst. '

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Sonstige Meldungen.

Saarbrücken, 18. Dez. Tas hiesige Sondergericht verurtellte die Händlerin Witwe Steinhard und ihre 22jährige Tochter, sowie den ehemaligen Schuhmacher Jwilinski, das Büssetfräuleiu Prost aus Saarbrücken und den Kaufmann Hussong aus Saargemünd zu je einem Jahre Zuchthaus, weil sie deutsches Silbergeld in größeren Mengen ans dem ganzen Deutschen Reiche) hauptsächlich aber aus Saarbrücken und Frankfurt a. M., aufgekauft und nach Frankreich verschoben hatten.

wb. Mailand, 19. Dez. (Stesani.) Eine Depesche aus Genua an dieItalia" meldet, daß in der vergan­genen Nacht in allen Kraftwerken Liguriens der Ausstand ertlärt wurde. Die Stadt liegt völlig im Dunkel. Die Zeitungen können nicht erscheinen.

wb. Paris, 19. Dez. Eine Nachricht des ..Matin" aus Rom meldet, daß d'Annunzio seine Absicht kund- gegeben habe, in Fiume zu bleiben, und daß er die Frage der Besetzung der Stadt durch reguläre Truppen durch Volksabstimmung ihrer Entscheidung zusüh- reu wolle.

Erfolge der Bolschewisten gegen die Esten.

wb. London, 19. Dez. (Havas.) Eine am Donnerstag eingegangene Meldung der Bolfche- witzer» bejggt, daß die rote« .Truppe« die befestig­

ten Stellungen ihrer Feinde drei Meilen südlich der Narwa auf einer Ausdehnung von 10 Meile« genommen haben. Die Bolschewisten sollen de» Feind verfolgen und di« Narwa überschritten ha­ben, wobei sie Gefangene machten und Kriegsmate, rial erbeuteten.

Ei« Weg zur freien Wirtschaft.

In der Erkenntnis der Notwendigkeit des mög- lichst baldigen und vollkommenen Abbaues der Zwangswirtschaft sind sich nahezu alle Kreise de« deutschen Volkes einig. Zur Erreichung diese» Zieles sind von den verschiedensten Seiten Vor« schlüge gemacht worden, so auch der, daß die Land­wirte sich bereit erklären sollen, freiwillig die Per« pflichtung zu übernehmen, einen angemesienen Teil ihrer Erzeugung durch genossenschaftlich» Organisation für die Versorgung der Städte zur Verfügung zu stellen. Diese Anregung ist von Fach« - männern aus landwirtschaftlichen Kreisen und vo« Fachorganisationen der Landwirtschaft vielfach mit Zustimmung ausgenommen worden. In einer Er« klürung der landwirtschaftlichen Erzeuger im Kreise Dramburg (Pommern) liegt nunmehr eine wertvolle Zustimmung zu diesem Gedanken un« mittelbar aus der Praxis vor. Die bemerkenswert» Erklärung, die in derDeutschen Tageszeitung" erschienen ist, hat folgenden Wortlaut:

.Wir unterzeichneten Landwirte und bevollmächttgte« Vertreter der landwirtschaftlichen Produktionszweig« utt> Genosscrftchaften de» Kreises Dramburg haben erkannt, daß die Negierung di« Zwangswirtschaft erst dann aufhebey kann, wenn in anderer Form die Ernäh« rung des deutschen Volkes in den HanptnahrungSmittel« s i ch e r g e ff e 111 ist. 91 u8 diesem Grunde erklären wir unS in der festen Erwartung, daß die ganz« übrige Landwirtschaft sich diesem Beispiele an­schließen wird hiermit verbindlich bereit, unsere ge­samten Brotgetreide- und Kartoffelvorräte der (Ernte 1919 sowie di« Milch, ungeachtet der zweifellos höheren Produktionskosten, zu den jetzt geltenden Prei­sen (Roggen der Zentner 20,25, Kartoffeln der Zentner 9,50) restlos freiwillig an die genossenschast« llchen Stellen des Kreises Dramburg weiterzulicfern, selbst wenn die Zwangswirtschaft zusammenbrechen und dadurch die Möglichkeit zu einer höheren Preisgestaltung gegeben werden sollte. ES handelt sich hier tim 48 000 Ztr. Brotgetreide, 98 400 Ztr. Kartoffeln, Milch vo« 1208 Kühen. Hierin find die Mengen, die der Klein« grundbesih zur Verfügung stellt, erst in geringem Maß» enthalten. Laufend vermehren sich durch ZusfimmungS« erHärungen und Lieferungsverpflichtungen diese Zahlen. Wir erwarten einerseits bestimmt, daß. wenn sich die üb rlge Landwirtschaft auf den gleichen SBobat fteftt, bie Zwangswirtschaft mit ihren verheerenden Ne­benerscheinungen und Volks- und moralvergiftenden Fol­gen alsbald aufgehoben werden wird, und daß sich die deutschen Landwirte ihrer hohen Verantwortung für die sachgemäße Versorgung deS Volkes und der Bedeu­tung des Augenblicks bewußt sind. Wir erwarten aba andererseits, daß auch die Regierung die ungeheure Tragweite dieses uneigennützigen Entschlusses erfennf und unverzüglich die sich bietende Gelegenheit ergreift, um unser wirtschaftliches Leben nun endlich durch Auf­hebung der Zwangswirtschaft und durch Freimachen der durch diese bisher gelähmten produttiven wirtschaftliche« Kräfte einer Gesundung entgegenzuführen."

Es unterliegt keinem Zweifel, daß hier vo« Männern der landwirtschaftlichen Praxis ein Weg beschritten worden ist, der, wenn er im Reiche die entsprechende Zustimmung findet, aus der dumpfe« Atmosphäre der Zwangswirtschaft heraus und t« die frische Luft der freien Wirtschaft zurückführen wird, in der allein der kranke Volkskörper wied:r gesunden und erstarken kann.

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Nicht vergesst«!

Im November-Heft der .Schwarzburg', Deutsch« Hochschulmonatsschrist, herausgegeben von dem Deutsche« Verband alter Schwarzburgbündler (E.B.) Berlin, lesen wir folgende beherzigenswerte Mahnung:

Noch ist die Tinte nicht trocken, mit der der Fried« von Versailles unterschrieben werden mußte, und schon hängen in den Schaufenstern der Buchläden Karten be» neuen, so schmerzhaft verstümmelten Deutschland. Rührige' deutsche Verlagsanstalten haben sie al» da.» Neueste herausgebracht. Dicke bunte Farben umziehen die neuen Grenzen, eine kleine feine Linie zeigt noch den Umfang des alten Reiches in der nächsten Auf­lage wird auch sie als ganz veraltet verschwinden. Sollen wir vergessen? Soll baS Schulkind, der Mann au» dem Volke vergessen, daß jenseits der jetzigen Grenze Milli­onen Deutscher leben, die aufgegeben werden mußten, damit wir versuchen könnten, das nationale Leben fort« zuführen? Keine französische Karte von Deutschland zeigte jemals Elsaß-Lolhringen anders denn als uner» löst es, von Rechts wegen Frankreich gehöriges Gebiet? Es war das mehr als kindisch-eitle Demonstration, «» handelte sich darum, dauernd das Gewissen der Nation für vermeintliches, wiedergutzumachendes Unrecht wach zu hallen. Nur vermeintliches Unrecht und wir soll­ten das offenbare, in der Geschichte kaum erhörte Un­recht, da» man un» zusügte, vergessen? Nein, wir per-