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Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen
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Der Anzetgenprei« beträgt fir die Sgrs». Zeil« 80 4 u. 50’/, Leuerungtzuschl- — 45 c’, amtliche u. ««»Bärtige 55 d, Reklamezeile 1.50 X. Jeder Rabatt gilt «l» Barrabatt. — Bei Auskunft durch die LelchSftsstelle u. Vermittlung der Angebote 25 4 LandergebShr. — Postscheckkonto: Rr. 5015 Amt Frankfurt a. St.
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hessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Der ;is beträgt monatlich 2 X. frei ins Haut; durch die Post
Die M!?» der Seiner.
Die Haltung der deutschen Regierung.
wb. B e r l i n , 10. Dez. Der Busschutz für aus- Därliflc Angelegenheiten der Nationalversammlung besprach eingehend die letzten Noten der West- «ächte und die darauf zu gebende Antwort. Nutzer
Die offizielle Eröffnung deS Panama-Kanals.
wb. Panama, 9. Dez. Der amerikanische Kriegs- Minister verliest die Stadt nach einem viertägigen Aufenthalt. In einer Unterredung erklärte er, dah der amerikanische Gesetzentwurf für die feierliche Eröffnung des Kanals in den ersten Monaten des kommenden Jahres vorsieht. Die Flotten aller Länder würden zu dieser Feier, eingeladen werden.
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kg. Zürich, 11. Dez. Aus Paris wird gemeldet, am 15. Dez. wird Marschall Foch die Ermächti-
»ebiet erhielten Befehl, bis auf weiteres ihre Ear- monorie nicht Zu verlassen.
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|em Reichsminister des Auswärtigen wohnte der Reichskanzler der Sitzung bei. Die Verhandlungen paren vertraulich.
Die Stellungnahme der deutschen Regierung in ler Frage der Auslieferung von 400 000 Tonnen Schiffsmaterial wurde von den Parteien im Aus- Hutz für auswärtige Angelegenheit für gutgehei- jtn. Es soll eine besondere Kommission unter der Leitung des Herrn v. S i m s o n nach Paris ge-
wb. W a s h i n g t o n, 11. Dez. Die Denkschrift ster die mexikanische Frage sagt u. a.: Von mexi- Mischen Extremisten und amerikanischen Revolu- Soiiötcn war die Hervorrufung eines allgemeinen ^ergarbeiter- und Metallarbeiterausstandes ge- Mnt. der dazu benutzt werden sollte, in den Ver- ^stigten Staaten eine Revolution hervorzu- Men. Die Mexikaner sollten die Grenzen an den peinigten Staaten besetzen. Die Grenzgebiete gUen im Ausschuß für mexikanische Hilfe ev. an ptrifo abgetreten werden.
Reine finanzielle Unterstützung Mitteleuropas.
tob. Hagg, 11. Dez. „Nieuwe Courant" meldet aus Washington, datz die amerikanische Regie-
t List t Wikt werden, um mit den Verbündeten an Hand ines genauen Verzeichnisses des in unserem Besitz
uferen w ienbüta »eilen.
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....._,J W_,Dieses Entgegenkommen offenbar von der Absicht eingegeben worden, Deutschland die Zustimmung zu erleichtern. — „P a y s" fdricht von grundstürzenden Zugeständnissen an Deutschland. Auf das Drängen des Herrn Lersner
fsngenen unverzüglich nach dem Inkrafttreten des 8üedensoerirages entlassen würden. Das bedeutendste f^geftändnis aber betreffe den Schlußparagraphen des Wcotokolls. Tic Verbündeten -verzichten daraus, Deutschland besondere Zwangsmaßnahmen anzudrohen
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ud ztvei bedeutende Zugeständnisse. Unsere Allianz berlangt nicht mehr 400 000 Tonnen Hafemnaierial d, was noch viel schlimmer ist, ivir erklären, dast Friedenszustand wiederhergestellt wird und der Briedensvertrag in Kraft tritt." — Laut „Eclair" hrndelt es sich um einen regelrechten Rückzug. Man verzichtet auf die ehemals vorgesehenen Iwangsmaß- brhmen, und die Deutschen hätten nichts mehr zu ürchten. Ter Druck von Berlin habe gewirkt. — Aach dem „Croi x" bestätigt die Note, daß die Kriegs-
zes eihalten.
kg. R o t t e r d a m , 11. Dez. Reuter meldet 8ms Paris: Der Oberste Rat wird sich erst Montag
s-sng zur Kündigung des Waffsnstillstands-Vertra-
i leiclls ar szuheben. Airftatt eine Drohung in das Protokoll aufzunehmeu, begnügen sich die Verbündeten
hten Noten an Deutschland liegen folgends-Parifer iätlerslimmen vor:
„Echo de Paris" sagt: „Wir machen Deutsch-
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n t Ermächtigung zur Kündigung des Waffenstilli
9 ' standes.
——- s kg. Paris, 11. Dez. Havas meldet, datz die 111 lö ^'-Handlungen mit Deutschland über die Frage bei Scapa Flow versenkten deutschen Schiffe
Forderungen darzustellen.
^krrhandlungen über Scapa Flow erst »ach llnter-
I*1 den Fall, daß es die dort vorgesehenen Ver- 0 ivä Wchtungen nicht ausführe. ~ „ „
Festsetzungen des Vertrages von Versailles.
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tSjirw -$’e französische Presse über da? „Entgegenkommen."
1 ‘ wb. Paris, 9. Dez. Zu den beiden vcrösfent-
iOJ über die Maßnahmen schlüssig machen, die von Marschall Foch für die verbündeten Armeen verlangt sind. Eine nochmalige Note geht nicht ab.
I<M *3- Köln, 11. Dez. Offiziere und Mannschaften der englischen Besatzungstruppen im besetzten
ding eine finanzielle Unterstützung in Dollars zur , ^Erleichterung der wirtschaftlichen Lage in Mittel- Europa n i ch t für möglich halte, da di« amerika- b ''$? Achen Kriegsgesetze nur Vorschüsse an die V e r - Mündeten gestattet. Die Regierung zögert, den jjgyl ^ongretz um eine Ausnahmeverfügung zu ersuchen.
Ei» mexikanisch-amerikanischer Reoolutionsplan.
wb. Paris, 10. Dez. Einer Reutermeldung aus Washington zufolge sollen Präsident Wilson und Oberst House vollständig miteinander zerfallen sein. Seit seiner Rückkehr aus Europa habe House den Präsidenten nicht ein einziges Mal gesehen. Er stattete auch Lansing keinen Besuch ab.
New York, 10. Dez. Die amerikanischen Werften haben in den am 1. November beendeten zwölf Monaten 2395 Schiffe von 4 258 015 Bruttoregistertonnen gebaut gegen 2 280111 Bruttotonnen im vorhergehenden Jahre. >
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MarW, Kessel, Reinhard.
Die Urteilsbegründung.
Berlin, 9. Dez. In der Urteilsbegründung gegen Marloh heißt es nach der „Voss. Zeit." u. a.: Die Erschießung ist objektiv unberechtigt. Es fragt sich, wieweit der Angeklagte durch Beschle seiner Vorgesetzten gedeckt ist. Für das Gericht ist maßgebend nicht, was tatsächlich besohlen, sondern was dem Angeklagten in Wirklichkeit übermittelt worden ist. Das Gericht ist der Ansicht, daß ein Dienstbefehl vorlag. ES fragt sich, wie der Angeklagte den Befehl aufgefaßt hat. Hier muß man sich in die Lage versetzen, in der sich damals der Führer i_er kleinen Schar befand Es war eine Zeit der schwersten Unruhen in Berlin. Hinzukommt, daß der Angeklagte der Ansicht sein konnte, daß die Regierung ein Interesse an schärfster Uaterdrückung der Unruhen hatte. Es war dem Angeklagten nicht der Gegenbeweis zu führen, daß er an? anderen Motiven als denen des überbrachten Befehl? gehandelt habe, und da dieser Gegenbeweis nicht geführt worden ist, mußte angenommen werden, daß der Angellagte geglaubt hat, einen Befehl auszusßhren. Ter Angellagte war daher von der Anklage aus Totschlag sreizusprechcn. Wegen unerlaubter Entfernung hat er sich strafbar gemacht. Das Gericht ist aber der Ueberzeugung, daß der Angellagte dazu ermutigt worden ist und hat deshalb die leichteste Strafe für ausreichend gehalten. Wegen des Gebrauchs der falschen Urkunden und Pässe mußte Verurteilung eintreten.
Hauptmann v. Kesse! in Untersuchungshaft.
wb. Berlin, 10. Dez. Der Erste Staatsanwalt beim Landgericht I teilt mit, datz der Untersuchungsrichter gemäß Antrag gegen Polizeihaupl- mann v. Kessel einen Haftbefehl wegen Meineids, Urkundenfälschung und Herausforderung zum Zweikampf erlassen hat und datz Hauptmann v. Kessel heute in das Untersuchungsgefängnis einliefert wurde.
wb. Berlin, 11. Dez. Hauptmann v. K e f - sel wurde aus Anordnung des preußischen Ministers des Innern seiner Dienstgeschäfte enthoben.
Ein Verfahren auch gegen Oberst Reinhard?
Berlin, 11. Dez. Wie verlautet, sind zwischen den zuständigen Stellen augenblicklich Beratungen darüber im Gange, ob es notwendig sei, auch gegen Oberst R e i n h a r d ein Verfahren einzuleiten. Bei der Wichtigkeit dieser Frage bedarf es naturgemäß eingehender Beratung. Deshalb werden sich die Beratungen noch mehrere Tage hinziehen.
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Ungarn.
Die Frirdeusbediugungen für Ungar«.
wb. Wien, 11. Dez. Die wichtigsten Friedensbedingungen für Ungarn sind: Ungarn wird aus 14 Komitaten bestehen. Es muß binnen 25 Jahren 18 Milliarden für die Wiedergutmachung an die Verbündeten zahlen und übernimmt 1/6 der gesamten Staatsschuld der ehemaligen Donaumonarchie. Ueber die Staatsform des Landes wird durch Volksabstimmung entschieden werden. Jedoch schließt § 26 des Vertrages die Habsburger von der Herrschaft über Ungarn aus.
Deutsch-Oesterreich.
wb. Wien, 9. Dez. Heute hat die bereits ange- kündigte Verabreichung eines warmen Frühstücks an die anne Bevölkerung Wiens begonnen. Um sieben Uhr früh fuhren die von Soldaten, besetzten Küchen an verschiedenen Plätzen auf und gaben reichlich wayne Suppen aus. ,
Der Tiroler Landtag an die Verbündeten.
wb. W i e n, 11. Dez. Wie aus Wien gemeldet wird, werden in der morgigen Sitzung des Tiroler Landtages die drei Parteien eine gemeinsame Anfrage an die Verbündeten richten, daß diese dem Land Tirol wirtschaftliche Hilfe angedeihen lasten sollen, sonst müßte es seine wirtschaftlich« Existenz durch den Anschluß an das Deutsche Reich bezw. an Bayern sichern.
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Rußland.
Die Konferenz der Randstaaten.
wb. Kopenhagen, 10. Dez. »Berlingske Ti- dcnde" meldet aus Reval: Auf der Konferenz in Dorpat winde über die Anerkennung der Unabhängigkeit Estlands, sowie über die Bedingungen für den Waffenstillstand eine vollkommene Einigung erzielt.
Die estländisch-lettländische Grenzregelungskommission löst« sich auf, da sie keine Einigung darüber erzielen konnte, tvelchen von beiden Ländern die Stadt Wal! zu fallen sollte.
wb. W i b o r g , 10. Dez. Nach Meldungen der russischen Presse herrscht in Sowjctrußland sehr großer Mangel an warmen Bekleidungsstücken für die rote Armee, namentlich an warmen Militärmäntcln. Auch auf dem Wege der Reqtiisition kann diesem Mangel nicht mehr abgcholfen werden.
Die Artillerieverwaltung macht darauf aufmerksam, daß der Verbrauch der 6-Millimetcr-Geschosse erheblich eingeschränkt werden müsse, weil nur noch ein beschränkter Vorrat vorhanden sei. Die Gewehre werden scknell untauglich, da sie von den Soldaten schlecht gehalten werden und die Fabriken nicht in der Lage sind, die nötigen Reservcteile zu liefern.
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VmWt LMMlRÄW.
Sitzung der preußischen L a n d e s V e r s a m m - lung vom 9 Dczcmbcr.
Präsident Le inert eröffne! die Sitzung um 12 Uhr 20 Win.
■ In der Beantwortung Heiner Anträgen teilt die Regierung mit, sie werde dafür sorgen, daß künftig die K r e i s b l ä 11 e r allen Interessenten ohne Unterschied der Partei für die Anzeigen zur Verfügung stehen. Die Beratung des UnlerrtchtshauShalts wird bei den Universitäten fortgesetzt.
Abg. Dr. Schloßmann (Teint befüriiwrtel einen Antrag des Ausschusses für Bevölkerungspolitik ans Schaffung von Kliniken für Haut- und Geschlechtskrankheiten.
Abg. Tr Faßbender (Zentr.) empfiehlt einen Antrag ans Gründung von Lehrstühlen sür Vererbung- und Konstitntionslehre.
Abg. Bölitz (D. Vpt.) beantragt die Veranstaltung einer Unwrrsitätsstalistik für ganz Deutschland, um einen sicheren Einblick in die unzweifelhafte U e b e r f ü 11 u n q der akdemischen Berufe zu gewinnen.
Abg. Tr. Kähler (Deutschnatl.): Tie Universitäten bedürfen erhöhter staatlicher Zuschüsse, es ist sonst nicht möglich, auch nur ihren normalen, planmäßigen Betriel- ausrecht zu erhalten. Mit b-.r sachlichen Notlage geht die persönliche Notlage der Professoren, Privatdozenten und Assistenten Hand in Hand. Auch unter den Studenten selbst l>errscht zum Teil große Not, die die Ein richtung von Wohlsahrtscinrichtuttgen erforderlich macht.
Uniersteatsselletär Becker: Wenn man die Vorgänge in Königsberg, Marburg und Greifswald verfolgt, so könnte es fast scheinen, als verschlössen sich unsere HochschuLn dec neuen Zeit, als entwickelten sie sich zu Lrutzstätten der Reaktion. DaS wäre sehr schlimm für unsere Kultur. Aber wenn auch manche dieser studentischen Korporationen agitatorisch und provokatorisch ausgetreten ist und auch manche Professoren sich in einer Art verhielten, die nicht ganz vereinbar mit der akademischen Würde war, so darf man daraus doch nicht zu weit-' gebende Schlüsse ziehen. Es ist nur Schein, als habe sich zwischen Hand- und Kopfarbeitern eine tiefe Stuft aufgetan. Das gegenseitige Verstehen wird sie überstrücken. Wir werden auch alles tun müssen, damit es der Entente nicht gelingt, uns in geistiger Beziehung von der Außenwelt abzuschließen. Der korporative Gedanke auf den Universitäten ist im allgenreinen von den großen allgemeinen Gedanken abgelöst worden. Aber die deutsche Studenteufchast bat sich auch jetzt, als die Not groß war und der Spartakiftenumsturz drohte, wie ein Mann hinter die Regierung gestellt.
Abg. Dr. Preuß (Dem/-: Wir stimmen den leitenden Grundsätzen des Unterstaatssekretärs Becker bei. Gegen die Besoldung der Privatdozentrn wird eingeweirdrt, daß es sich hier um einen freien Berus handele, der nicht in die Fesseln des Beamtentums geschlagen werden dürfe. Aber man braucht sie ja nicht zu Beamten zu machen und kann sie doch durch eine angemessene Besoldung vor dem Verhungern schützen. Das Berhällnis der Hochschulen zu dem neuen Geist der Zeit ist noch nicht ideal zu nennen. Hochersreulich ist der nationale, vaterländische Zug, der durch unsere Studentenschaft geht, aber bedauerlich ist der Irrtum, indem sie sich teilweise dazu verlocken lassen, den Begriff deutschnational an den Parteibegriff einer Minderheit zu verknüpfen. PartcipoMsch soll man nicht aus die Besetzung der Lehrstühle einwirken.
Abg. Dr. Weyl (Unabh.): Die UmversUätrn finb rwch immer kapitalistische Hochburgen.
Abg. Dr. T haer (D. Vpt.) tritt für die Vermehrung der Ordinariate ein. Die Einkünfte aus den Extra
ordinariaten seien »u gering: den Privatdozenten müßte ein Mindesteinkommen gewährleistet werden.
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Sitzung vom 10. Dezember.
Das Disziplinarurteil gegen den Studenten Lemmer tn den Akten wieder gelöscht.
Präsident Leinert eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 20 Miu. Ein Antrag der Sozialdemokraten, bei alle Disziplinarverfahren wegen Dienstvergehen au» der Zeit vom 9. 11. 1918 bis 9. 5. 1919 nebs! btx Kosten niederschlagen bezw. die Diszivlinarstrafen erlassen will, geht an den Rechtsausschuß.
Die 2. Beratung des UnrerrichlShaushalts wird bei den Hochschulen fortgesetzt. !
Abg. Dr. Lauscher (Ztr.): Der Ausstieg zu den Hochschulen der Wissenschaft läßt sich nicht popularisieren. Auch das Abiturientenexameir ist n i ch t zu entbehren. Die Hochschullehrer sind sür die jetzigen Verhältnisse äußerst schlecht besoldet, besonders die Extraordinarien, die nur 2600—4800 Mark Gehalt haben. Gleichwohl haben letztere erklärt, datz sie angesicht» der Finanznot des Staates keine MehrforderungeU stekltz'n, (Hört! Hört!) ein Idealismus, der Bewunderung verdient. (Lebh. Zustimmung.)
Minister H än i sch: Für die Hochschulrisorm jinb wir sehr glücklich, U Untcrstaatssekretär v. Becker de« besten Mitcrbeite.r gewonnen zu haben. Bezüglich de» Marburger Falles habe ich die Ueberzeugung gewonnen, daß das Urteil gegen den Studierendeq Lemmer viel zu hart ist. Ich habe sofort verfügt, datz es in den Akten wieder gelöscht wird. De« Hochschullehrern spreche ich für ihre materielle Opfer- wiiligkeit Dank und Anerkennung aus. Sie besser zu stelle», ist eine Ehrenpflicht des Staates. Derr Professoren muß volle Lehrfreiheit gewährleistet werde», aber sie haben darum noch nicht das Recht, Elnrichiungen des Staates in gehässiger und hämische^ Weise in den Staub zu ziehen. - m
(Schluß folgt.)
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ZnWe MimlmfniW'iW.
(Schluß der Sitzung vom 9. Dezember.) (Verspätet eingegnngen.)
Abg. Tr. Hugcnberg (Dcutschnat.): Der Umfang dcr Gegnerschaft gegen das Gesetz wächst ständig. Ich beivundcrc die Energie- und Rücksichtslosigkeit, mit der der Finanzmimster die Wirtschaft des Reiches führt, leider in unheilvoller Wirkung. Dem Antrag Rießer i»erben wir zustimmen. Zu § 1 haben wir den Antrag Arnstadt eingebracht. Die Zwangsanleihe wäre nicht fo tödlich gewesen. Die Behauptung des Finanzministers, unsere Wirtschaft sei im Aufstieg begriffen, ist wirkungslos an den auslänWchen Börsen vorübergegangen. Wie kann ein Finanzminister erst die Leute durch Steuerzahlung unfähig machen und dmm daran denken, seine schwebende Schuld zu beseitigen? Bei dem Aatopfer steht die Expropiierung des Mittelstandes in sichere Aussicht. Die von uns vorgeschlagene Zlvangsanleihe wäre im wesentlichen ' eine Konvertierung früherer Schuldverschreibungen. Das bisherige Verhalten der angelsächsischen Rasse spricht nicht dafür, daß sie uns Zeit lassen werden, uns zu erholen, aus wohlverstandenen, eigenen Interessen. Ter Feind wird zugreifen, wo Sie (zu Erzberger) cs ihm so leicht machen! (Sehr richtig, rechts. Lärm links.) Das Notopfer ist ein unerhörter Leichtsinn! Wenn Sie (zu Erzberger) das deutsche Volk in die Sklaverei führen luoflen, dann lassen Sie doch lieber gleich das Ruhrgebiet befehen. (Wütender Lärm bei der Mehrheit. Rufe: Schluß! Lump! Glocke des Präsidenten. Redner versucht iveiter zu sprechen, wird aber durch den andauernden Lärm verhindert.
Vizepräsident Haußmann (nachdem er sich endlich Ruhe verschafft): Ich bitte, den Redner nicht am Sprechen zu verhindern. Ich bitte zu beachten, was Sie dem Hause und dem Weitergang der Verhandlungen schuldig sind. Ich bitte den Redner fortzufahren.
Abg. H u genbe r g versucht mit sehr starker Stimme weiter zu sprechen. Erneuter, tosender Lärm bä der Mehrheit, besonders bei den Sozialdemokraten. Schlußruse. Rufe rechts: Redefreiheit!
Vizepräsident Haußmann unterbricht die Sitzung auf eine Viertelstunde. Im Hause bleiben erregt debattierende Gruppen.
Die Sitzung wird um 5 Uhr wieder eröffnet. Vizepräsident Haußmann: Die Wendung des Redners, die die Unterbrechung hervorgerusen hat, konnte die Gefühle des Hauses verletzen. Ich spreche mein Bedauern darüber aus. Ich bitte aber auch, die Redefreiheit z« respektieren und bitte den Redner fortzufahren.
Abg. Dr. Hugenberg (Deutschnall.): Das Notopfer ist ein S o z iali s ir r u u g s g e sc tz. Sozialisieren aber biringt kein Geld .sondern kostet Geld. Die Zeit kann nicht mehr fern sein, wo Deutschland vom Marxismus gehellt sein wird. Es steht bei Ihnen, zu entscheiden, durch wieviel LeLen wir vorher noch hindurch müssen. (Beifall rechts. )
Minister Erzberger: Der Vorredner hat de« sonderbaren Mut gehabt, von der Tribüne deS Hauses in wohlvorbereiteten Redewendungen Unerhörtes auszusprechen. Namens der Regierung muß ich diese Unterstellung aufs Schärfste zurückweifen. Wir stehen mit dem Feind in schweren Unterhandlungen: die neue Note droht mit neuen Besetzungen, und in diesem Augenblick bringt t»