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mii dem Kreisblatt für den Kreis Marburg'

Tageszeitung für (das früher kurhessische) OLerhessen

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DieOberhessisLe Zeitung" erscheint sechsmal «Schentlich. Der Bezugspreis beträgt monatlich 1.00 X. frei in» Hou«; durch die Pol! 1.75 «. ohne Bestellgeld Stria# Dr. L? Hitzerotd. Druck der Univ «Buchdr. dou Ioh. Ang. Koch. Markt 21/23. Fernsprecher 55.

Marburg

Freitag, 14. November

III WB Wim 11MBBBMHMMBMWHHUH.» im MW IHMaw

Der «n,eigen»ret, betrigt fit die »gelt, Zeile 80 V *. 50«f, Teummuinif»! ; *Vl?'** * **,eitrt«e 55 Reklame,eil. 1.60X. Jeder Rabatt eilt al, »arradatt. Bei »neknnst durch die «eichrttsstell. m Vermittlung »er Angebet« 26 j Sender,eb»dr. Postscheckk.nt,: Xr. 6016 Amt Frankfurt £M.

54. Jahrg.

1919 !

SelStkich gegen Mo«.

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153 ^mittagi

Sitz'« «g deS Untersuch ang-auSschusscs |i vom 12. November.

Staatssekretär a. D. Dr. H e l f f e r i ch führt wei­ter ans: Der Vorsitzende hat die Fragen geteilt in 1. die Wirkungen des U Bootkrieges auf unsere Feinde, gemeuilich England, und 2. die Wirrkungen des lb leotkrieze» Mf^Has Verhältnis zu den Neutralen, ^sonders deic Bereinigieu Staaten. Die Frage des un- h^ch^insttn U Bootkrieges durste keine Prinzipienfrage seiu, sondern sie war die Frage der militärischen und poliiischeir Kriegführung, beS zweckmäßigen Handelns. Mir inußten uns der Situation anpassen Wer heute Ntt einem Ba bauque Spiel spricht, hat keine Ah- ,« n g v o n der P s li ch t t r «II e, mit der alle diese zroß-n Entscheidungen getroffen werden find. Wilson

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fe« lag, um für die deutsche Sach« in Amerika zu ««Kea. Die MuuitionSliesemngen waren völkerrecht­lich vielleicht zweifelhaft. Sehr» zweifelhaft waren sie ftr Mlson, der während des amerikanischen Bürger- bteges die MunittousmiSfuhr verboten hatte, weil sie prakiksch nur einer Partei zugutelam. Damals wandte er sich selbst gegen dir papierue Neutralität. Jin Weltkriege aber entschied er sich sür dir papierue Nru- Kalilkt, weil sie einseitig der Enleiil« zugute kam. Diese papierne Neutralität hat den Krieg um Ith re verlängert, hat Millionen von Menschen getötet und zu Krüppeln g-:- Wüch t. Warum tat das Wilson? Oberst Hause hat et dem Kras^wMernstorfr g-'sagt: W ilso!'. wollte

L.Der Redner gibt dann eine Ueberficht über die 933k . ^nuvickrlung der politischen Verhältnisse in den eiu- -s Kl«ien Jahren. Amerika spielte das Spiel Eng

,^»ds. Wilson fand kein Wort gegen das ent- «Äichstk und blutigste Verbrechen des Krieges, gegen britische Hungerblockade. Der erste Anstoß in der i Lebensfrage kam von Amerika, nicht von uns.

am 11. April 1916 telegraphierte Bernstorfs, M Wilson in einigen Monaten Frieden siisten möchte. " Kochen und Monate vergingen, die uns Ströme - besten deutschen Blutes kosteten, und Wilson tat t s. Unsere Lage spitzte sich zu. Wir fragten Grasen Bernstorfs fortgesetzt an, erhielten aber jemals eine bestimmte Antwort. Auch Gerard °fachw aus Amerika keinen bestimmten Bescheid mit. Ff1* ging der rumänische Feldzug zu Ende. Nach iturer erfolgreichen Durchführung dem Kriege Einhalt iu gebieten ,lag in der Luft. Am 31. Oktober erstattete *tv Kanzler dem Kaiser Bericht über die Lage. Darauf ^twsrtete der Kaiser mit folgendem Brief, der doch

: herangezogen werden muß:

. "Ter Vorschlag, Frieden zu nmchen ,ifl eine sittliche /***- die notwendig ist, um die Welt, auch die Neu- «4le», von dem auf ihnen lastenden Druck zu befreien, b s einer solchen Tat gehört ein Herrscher, der ein Gc- toi -c? hat, sich Gott verantwortlich fühlt, Her» für die ^tf'bbeit besitzt und unbekümmert um Mißdeutungen P®?5 Schrittes den Willen hat, die Welt von ihren ^X-n zu befreien. Ich habe den Mut dazu, ich will »u V-rtrauen zu Gott wagen."

" Tt.je: Bries hat damals tiefsten Eindruck auf mich j Mrachj, und ich frage: Gibt es jemand, der an der l^^^iichkeit der Absichten der Kaisers, yri i machen, zweifelt, der diesen Ernst, dieses U^rglltworlkichkertsge-ühk bezweifeln möchte? ES wird

führte daS Völkerrecht auf den Lippen, ordnete aber ; eli'eS dem Händlers nterefse unter. Das ist her Wilson, mit dem wir es zu tun hatte». Wir wa- * M dev Entente gegenüber immer die schlechter Ge- . flSlüen. Wir haben alles getan, was in unseren Kräf-

dss Geschäft nicht stören, das darin b e - . t®«b, a u s den Tränen Europas ameri- oedarB ksnifcheS Gold zu mLn-en. (Lauter Beifall Msttzk» {r F-chörerraum.) DaS denifche Boll wußte, welche Verständnislosigkeit. liuaufrlcht g"eit und Kaltherzig- leit in Amerika bestand. Diese Erregung brauchte nicht künstlich iu das Volk hitteingetragen zu werden. S» schwer die uuneutral« Haltung Amerikas auf uns Wete, so war sich die Reichslritung doch völlig im Kkareu, was der Eintritt der Vereinigten Staat«!! in den Krieg für uns bedeuten würde. Wir sind stets jeder Schönfärberei entgegengetreien. Wir habe» auch daß, wenn der rücksichtslose U-Bootkrieg aus

Wirkt ist und nicht gelingen sollte, wir auf Jahr­hunderte verloren sein würd'«. Mit der Er ikäwvz Dr. Spahns im Ausschuß'am 7. Oktober hsiie iie stärkste Reichstagsfraktion, die in der U- ^it«ge das Züngle:>i an der Wage bildete, die Ent

- - scheidiirig über den U Bootkrieg in die Hände der Ober- itrn Heeresleitung gelegt und den Reichskanzler von der Z I ^litischen Verantwortlichkeit für diese Entscheidung ! entbunden. Bethmann Hollweg hat sich gleichuwhl nie aus den Standpunkt gestellt, daß irgend jemand

4« seine Veranpvorilichkoit abuehmen könnte. Wem: , 6tt heute unter den Anklägern in Sachen des U

^sikrieges sich Lent.' befinden, die damals diese 3c- . Sittiug des Zentrums m i t abgegeben haben, so würde I im Privatleben diese Haltung als den Gipfel r tzttirkt der Heuchelei bezeich'en.

vielmehr ein Ruhmestitel des deutschen Namens für alle Zeiten fei«, daß von Deutschland und seinen Ver­bündeten z u e r st die Frage des Frieden» aufgeworfen worden ist. Wer will bestreiten, daß wir ven Willen zum Frieden hatten? ES chäre zum Frieden gekommen unter allen Umständen, wen» ein Funke dieses ehrlichen Willens bei unseren Feinden und bei den Männern der mächtigsten neutralen Macht vor­handen gewesen wäre. Am 12.12. ging unser Frie­densangebot h-naus. Wir wollten keine Wllson- schen Absichten durchkreuzen, im Gegenteil, wir waren nicht skeptisch ihm gegenüber. Ich selbst hätte, anstatt Frieden durch Wilsons Vermittelung zu haben, lieber die Verständigung mit PiLen gesucht. Auch Herr v. Bethmann Hollweg zweifelt« allmählich an dem Ernst der Wilsonschen Absichten. Unser Friedensangebot wurde mit schneidender Schärfe von der Entente ab gelehnt. Es war zu erwarten, daß auch dir Vorschläge Wilsons von der Entente glatt ab gelehnt werden würden. Die Kriegsziele der Entente bedeuteten nichts weniger als die Nieder­werfung Deutschlands, die Auflösung der österreichisch­ungarischen Monarchie und di« Zertrümmerung der Türkei, ein Programm, das den Friedensbedingungen von Versailles glich wie ein Ei dem andern.

Unser Vorschlag ging dahin, daß Delegierte sämt­licher kriegführenden Parteien an einem neutralen Orte eusammenzutresfen, um zu besprechen, ob ein AuS- oleich der Friedenszeile überhaupt möglich sei. Wir hatten erklärt, daß wir Belgien nicht annektieren wollten, und dies« Erklärung wurde dem Grafen Bern­storfs vom Obersten House a's höchst wertvoll bezeichnet. Wir waren der Ansicht, daß es möglich sein werde, die Mitwirkung des Präi^Wten Wilson aus die eigent­lichen Fricd-nSverhauMärgeu daraus zu beschränken, daß er beide Teile au einen Tisch bringe. Er aber ging mit seinen Vorschlägen über zu der Rolle eines Schiedsrichters. In der Botschaft Wilsons war auch die Rede von einem einigen selbstständigen unab- hän g i ge n* P vlen. Gleich darauf sprach er von dem Wege zur See für alle großen Nationen, somit auch sür Polen und über die Regelung der Finanz- garanttrn, wir wir sie so herrlich durch den Frieden von Versailles bekommen haben. Für ein nicht nie­dergeschlagenes Deutschland waren diese Vorschläge .u n a n n e h m bar. Graf Bernstorfs hat auch bestätigt, daß Wilson keine Ahnung von den Verhältnissen in Polen hatte. Hätte er sie gekannt, so würde ich ihn als den größten K r i e g s v e r l ä n g e r e r bezeichnen. Wenn er in dieser Situation am 22. 1. über unfern Kopf hinweg sich sür ein einziges Polen ausjpeach, so mußte« wir tatsächlich Dank empfinden, vor solchem Friedensvermittler bewahrt zu werden. Tas unheilvolle Borurteil gegen Deutschland trat ba mit. in das hellste Licht, und die Anschauung des Botschafters Graf Bernstorfs läßt sich nur durch seine Abschnürung von der Heimat erklären. Hinter der Botjchast des Präsidenten vom 22. 1. 1917 zeigie Wil­son das Gesicht des Wilsons von Versailles.

Darauf wird die Beratung abgebrochen. Frettag 10 Uhr wird Staatssekretär a. D. Dr. Hellferich sei­nen Vortrag fortsetzcu. Gestern fand eine interne Sitzung statt.

«aknnft Hindenburg» in Berlin.

tob. Berlin, 12. Nov. Hindenburg, der mit Ludendorff nach der Vernehmung Helffcrichs vor dem Untersuchungsausschuß erscheinen soll, ist heute vor­mittag in einem Güterzuge angehängten Salon­wagen au8 Hannover hier eingetroffen. Am Bahnhof Zoologischer Garten war eine Ehrenkonwagnie des Re­gimentes Reinhard aufgestellt. Zur Begrüßung hatten sich neben anderen Personen, auch Ludendorff und der frühere Vizekanzler Helfferich eingefunden, bei dem Hindenburg wohnt. Das Publikum, das sich auf dem benachbarten Stadtbahnsteig angesammelt hatte, begrüßte^ Hindenburg mit stürmischen Hochrufen. Tie Rufe steigerten sich, al» Hindenburg die Straße betrat, wo sich eine nach Tausenden zählend« Menschenmenge angesammelt hatte. Rnr mit Mühe gelang e» dem Generalfcldmarschall, in seinen Wage» zu gelangen. Nach Blättermeldungen erschollen auch Rufe »Nieder mit dem Untersuchungsausschuß!" Die .Franks. Ztg." spricht von einemorganisierten Empfang" und nationalistischen Kundgebungen".D. Allg. Ztg." und Berk. Börsenztg." erklären, daß Oberst Reinhard nicht die Befugnis dazu besessen habe, eine Ehrenkomganie zu die Befugnis dazu besessen habe, eine Ehrenkompagni« zu ständige Stelle von seiner Absicht in Kenntnis zu setzen, die Erlaubnis toäre dann nicht gegeben worden.

Der Gegensatz zwischen den im vorrevolutionären Reich und in der neuen Republik herrschenden Anschau­ungen, wie er in den Verhandlungen des Untersuchungs­ausschüsse» zum Ausdruck kommt, wird in derTägl. Rundschau", wie folgt, anschaulich geschildert: Die un­saubere Phantasie der kleinen Advokatenseelen im ^parla­mentarischen Untersuchungsausschuß beschäftigt sich nur mit einer Frage: wie eigentlich bi« ganze Geschichte im Kriegegefchoben" worden sei. Eine andere Aufsassung ist ihnen nicht nur fern, sondern wesensfremd, weil sie in einer Atmosphäre reinen Wollen» nie heimisch

waren. Die ungeheure Katastrophe de» Weltkriege«, in der die nicht getobt gigantischen Staatsmänner unb bit überlebensgroßen Heerführer unfett« Volke« doch ihr Beste« für unfere ^lbstbehauptung bergegeben haben, ist für die Sinz Heimer und Genossen eine Schiebung, weiter nicht«. Davon kommen sie nicht ab. Sie kennen doch ihre Umwelt! Am liebsten würden sie fragen, ob Bethmann sich dabeigesund gemacht" oder wieviel Pro­vision Ludendorff eingesteckt habe. Bon einem von beiden seien wir doch hereingelegt worden, und zwar vermutlich, wenn nicht da« Gegenteil bewiesen werde, mit voller Ab- sicht. Denn so weiß man t« doch von jeder Pleite am Hav«vogteiplatz in Berlin. Und von jedem Pferde- bandel, wo immer einer an den Zähnen herumgefeilt hat. E« kann eine« wirklich Übel werden. In welch« Ka- schemmenluft ist tntyt geraten! Zwei Welten stehen einander gegenüber-^getrennt durch einen Ozean, zwei Welten, mit völlig verschiedener Sitte. Pflichtauffassung, Leben«« unb Staatsanschauung: die saubere Welt des ttlten Reich«, die im Baterlande wurzelte, und die neue Welt unserer glorreichen Schtcberrevublik, die auf ge- brockenen Eiden ruht. Die politischen Einbrecher d«S No­vember wollen die AnSgeraubtenüberführen"! Man sebnt sich hinan« au« dieser Einnebelung. Zeugen. Sachverständige, Zuhörer, Preffevertreter suchen immer häufiger die Wandelgänge auf, um sich bei einer Zigarette zu erholen.

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Der grltiffl.

wb. Pari-, 12. Nov. Die amerikanische Frie- densabordnnng hat den Obersten Rat wissen^ lassen, daß e« ihre Absicht ist, Frankreich in den ersten Ta­gen de« Dezember zu verlassen. Die englische Ab­ordnung hat dieselbe Absicht kundgetan. Man schließt daran», daß bit Arbeiten ber Friedenskonferenz bis dahin abgeschlossen werden.

wb. Berlin, 13. Nov. Foch hat die Heim­kehr Mackensens ungeordnet.

wb. Berlin, 12. Nov. Die Reichszentralftelle für Kriegs- und Zivilgefangcue teilt mit, daß der erwarteten Heimkehrertransporte aus Aegypten des schlechten Wetters wegen um einige Tage verzögert werde.

wb. Rio be Janeiro, 12. Nov. (HavaS.) Der Senat hat ben FriedenSvertrag mit Deutfchlanb ge­nehmigt. Der Vertrag würbe hierauf vom Prä­sidenten Tcssoa gutgeheißen.

Wa» Deutschland an KrieLsschiffen nach den letzten Forderung«« verbleibt.

Die »ach dem Vertrag von Versailles (Art. 181) in der deutschen Reichsmarine verbleibenden Linienschiffe berDeutschland"- undBraunschweig"-Klasse gehören dem Vordr.-adnoughttyp an und sind gänzlich ver­altet. Günstigenfal» könnten sie in neun Monaten fahrbereit gemacht werden.

Wenn der Forderung der neuen Note vom 8. Nov. siattgegeben wird fAuslieferung der KreuzerRegens­burg",Pillau",KönigÄberg",Graudenz",Straß- bncg") verbleiben folgende veraltete Kreuzer, die in den Jahren 18991908 auf Stapel gelegt worden sind:

Berlin",Hamburg",Thetis" (können in etwa 46 Monaten fahrbereit gemacht werden).Arcona",Me­dusa" (unigebaut unb .im Dienst al« Mutterschiffe für bie Minenräumverbänbe),Amazone",Nymphe" Niobe" (Herstellung der Fahrbereitfchast so gut tote ausgefchkoffen.)

Bei Durchführung der Forderungen der Feinde ift Deutschland demnach für das kommende halbe Jahr ohne irgend ein Kriegsschiff.

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Ans dem besttzikn Gebiet. K

tob. Köln, 12. Nov. Zur Unterstützung bes Vor­gehens gegen bas S ch i e b e r t u m hat ber Oberbe­fehlshaber ber englischen Besatzungsarmee eine ffunb- gebung erlassen, wonach eingeführte unb ausgeführte Waren in bem von beit Engländern besetzten Gebiet sowie hanbeltreibenbe Personen ben bestehenden deut­schen Gesetzen, bie zum Schutze beS Hanbel« erlassen wurde», unterworfen sind.

tob. Saarbrücken, 13. Nov. Die französischen Behörden erließen ein A u S st a n b « y e r b o t für bas Saargebiet.

Mainz, 12. Nov. In bem von ben Frranzosen besetzten Gebiet barf ber Kalender deSLahrer hinken­den Boten" nicht verkauft werden.

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England.

wb. Amsterdam, 12. Nov. LautTelegraaf" sagte Balfour auf einer in London abgehaltenen Ver- sammlung der Völkerbundsliga:Wenn eine große Nation anfange, Vorbehalte zu machen, so sehe die Zukunft für den Völkerbund sehr dunkel ans."

wb. London, 13. Nov. Alle englischen Minister haben sich für ben Bau eines Kanal-Tunnels zwischen England unb Frankreich ausgesprochen.

Die Meldung, daß Marschall Saig in Berlin ringe« troffen fei, bestätigt sich nicht; es handelt sich um einen Engländer namens Hay.

Sreie MMMMz.

Stu« Notwendigkeit für die Volks­abstimmungen.

Die große organisatorisch« Fähigkeit, bie dem deut­sche» Volke nachgerühmt wird und auf die es stolz ist, mutz ein« hohe Probe bestehen. Bon ihrem Aus­fall hängt eS ab, ob dem Reiche Werte erhalten bleiben, die zu groß sind, als daß sie sich noch in eine Zahl fassen ließen. .

Es geht um NordschlcSwig, um Oberschlesicu, um Teile von Ost- nttb Westpreußen, nm Eupen und Mal« medy. Um jedes einzelne Land zu verteidigen, hätte sich früher daS ganze deutsche Volk Mann für Mann erhoben. Jetzt müssen wir nach den Bestimmungen eines nicderdrückenden Friedensvertrages mit pap'erne» Stimmzetteln darum kämpfen. Ein Stimmzettelkrieg wird eS, Kampf ohne äußeres Heldentum; und doch ein Muß, eine Pflicht, zwingender als jebe ander« in ber Gegenwart. DaS bnttfch« Volk würde sich sein sittliche« Todesurteil sprechen, wollt« «3 diesen Kampf nicht mit aller Zähigkeit, mit aller Glut deS Herzen» ausfechten, ES ist kein Kampf, zu dem der Einzelne durch die Machtmittel deS Staates gezwungen wird, ein jeder muß sich freiwillig stellen. Der Äampf fordert von dem Einzelnen, möge ihm das Opfer an Zeit und Bequemlichkeit noch so groß erscheinen, doch nur ein Opfer, da» rin Nicht» ist gegenüber denery die Millionen dcutfcher Krieger vier harte Jahre laug im Felde gebracht haben.

Kein« allgewaltige Staatsmacht übt diesmal einen Zwang. Aber auch kein festgefügtes Staatsgebild«, daS mit einem reibungslos laufenden Verwaltung»« apparat auch den letzten Mann im kleinsten Flecken erfassen könnte, mobilisiert diesmal die Massen zum unblutigen Streite, leitet sie ins Feld, sorgt sür Speisung und Unterkunft, für Heimbeförderung. Freie Organisation, vom Volte selbst gefchaf- fen, mutz diesen BerwaltungSapparat ersetzen. Uad ba» sofort!

DerDeutsche Schutzbund für die Grenz« und Au«, landsdeutschen", der seinen Sitz in Berlin im Schloß Bellevue hat, ist die Zentralstrile dieses frei zu schaf­fenden Apparates. Er ist Polittsch parteilos, Glaubens­oder Klassengegensätze haben in ihm nicht Raum. Er ist und will nicht- andere» sein, als was sein Name buchstäblich besagt. In ihm sind groß« Verein« und V«rbände mit mehreren hundert Einzelvereinen zu« sammengesaßt, die auf gleicher Grundlage für das Deutschtum arbeiten und in deren Auftrage und mit deren Hilf« er es übernommen hat, die Vorbereitungs- arbeiten für die Volksabstimmungen zu organisieren und dnrchzusühren. Eine gewaltige Arbeit ist, saft unbemerkt von der großen Oeffentlichleit bereits getan. Die größte Arbeit gilt eS jetzt zu leisten: die Schaffung der Organisation ,die den staatlichen Berwaltung»- apparat ersetzt.

Es kommen hierfür lediglich die in Organisations­fragen erfahrenen und bewährten Kräfte in Betracht, dir unser ganzes deutsches Bereinsleben so vielseitig und so stark entwickelt haben, wie es sich heute dar­stellt. ?lber auf ihre Hilfe muß und wir hoffe» nicht zu irren darf gerechnet werden. Die Organi-« sation, die durch die sachkundigen, führenden Persön­lichkeiten geschaffen werden soll, die an der Spitze unserer Vereine im ganzen Reiche stehen mag e» sich um so große Gebilde wie das Rote Kreuz oder um einen Turnverein oder eine Liedertafel in einer Keinen Stadt handeln an sie alle richtet sich bie bringende Aufforderung, sich sofort in jedem Orte, ob Großstadt ober Dorf, zu einer Arbeitsgemein­schaft zusammenzuschließen, bie bie Arbeiten für bie Volksabstimmungen in bie Hanb nimmt. Ist bie Ar­beitsgemeinschaft ba unb arbeitet sie, so ist bie Hauptsache getan.

Tie größte Teilnahme unb in mancher Beziehung die größte Sachkunde wird bei ben jetzt überall ent- stehenben Heimatsvereinigungen, b. h. den Vereinen ber Schleswiger, bet Ost- unb Westpreußen unb ber Schlesier, zu finben sein; ben» sie alle sehen ihre Heimat in gleicher Gefahr. Ihnen eine bevor­zugte Stellung bei ber Organisation ber örtlichen Ar­beitsgemeinschaften einzuräumen, wirb sich baher ebenso empfehlen, wie sie zu engeren Arbeilsausschüssen zu- sammenzusassen. Danach scheinen in erster Reihe die Ortsgruppen der Vereine unb Verbände, die dem Deutschen Schutzbund" angeschlossen sind, berufen und verpslichtet, sür eine Zusamenfassung der einzelne» Vereine an ihrem Wohnorte zu wirken. Weiter kom­men z. B. die Vereine vom äbte.i Kreuz, bie Vater­ländischen Frauenvercine unb bie Gewerkschaften in Frage, bie über große prakü.'che Erfahrungen verfügen, di« bei ber Unterbringung unb Verpflegung ber Stimm« berechtiget!! auf ber Reise in die alte Heimat und auf der Rückreise nutzbar gemacht werden können. Auch die Mitarbeit der politischen Parteien unb ihrer Geschäftsstellen im ganzen Reiche ist herzlich will­kommen. Doch muß von ihn«» erwartet werden, in der