mit dem Kreisblatt für de» Kreis Marburg
Tageszeitung für (das früher kurhessische) OLerheffen
1919
erstes Blatt
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Vorfalles Einspruch zu erheben.
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Die Ostfeesperre.
tob. Berlin, 24. Okt. Auf der Reede
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tettin, 24. Okt.
Seit der Blockade
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£»^3 still. Durch das Srillegen des Verkehrs
°:sn etwa 1200 Hafenarbeiter ihren Erwerb,
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einer Abstimmung bis dahin an Ort
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Von der zugefagten „Milderung" der Sperr« ist demnach nichts zu merken.
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1838.
Außerdem werden viele Eewerbeireibende, di« hauptsächlich von dem überseeischen Verkehr leben, betroffen. Ferner liegen im Hafen etwa 1000 Binnenschiffe, Hafenschlepper und Kähne, die keine Ladung haben und deren Eigentümer und Besatzungen ohne Erwerbsmöglichkeiten sind. Es kommen wöchentlich durchschnittlich nur zwei neutrale Dampfer mit Heringen aus Norwegen an.
wb. Königsberg, 24. Okt. Infolge Kohlenmangels mußte das hiestge Elektrizitätswerk stillgelegt werden.
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die Besatzungstruppen für die unterworfenen Gebiet« sollen s«d Stelle sein.
tvb. Versailles, 24. Okt.
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im Stctiner Hafen 58 große Schiffe, hgZM ^srnpfrr und Segler mit rund 1000 Mann Be
et« z» n.
:ff» 5.
tob. Berlin, 24. Okt. Ein französischer lehret Kreuzer ankerte am 19. Oktober in der
mit, daß die Stärke des britischen Heeres augenblicklich ungefähr 750000 Mann betrage und daß sie, wenn bet Eisenbahneraussl and nicht stattze'unden hätte, noch 145000 Mann weniger betragen würde. In Irland ständen 55 000 Manu.
Cur-on Staatssekretär de« Auswärtige^
tob. London, 24. Okt. (HavaS.) Lord Cur»»» ist zum Staatssekretär für die auswärtigen Angelegen- heilen ernannt worden, anstelle von Balfour, bei zum Präsidenten des Geheime» Rate- des König- «ar stellt Curzons ernannt wurde.
wb London, 24. Okt . Minister Lang erklärte nn Unterhaus auf eine Anfrage, daß sich eine beträchtliche Anzahl englischer Schiffe in der Ostsee befindet.
wb. London, 24. Okt. (HavaS.) Der König von Spanien ist gestern abend hier eingetroffen.
wb. Amsterdam, 24. Okt. Englischen Blättern zufolge teilt bit Royal Mail Cream Packet Company mit, daß sie einen Passagier- und Gäterdienst »wischen Svuthirmpton und Pole» eingerichtet hat. Anlegeplätze sind Rotterdam, Bremen, Hamburg, Kopenhagen und Danzig.
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7.
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107. Sitzung vom 24. Oktober, Präsident Pehrenbach eröffnet die Sitzung
f Pmäß dem Friedensvertrag zu schaffenden Kommis- sionen beitreten werden oder nicht. 4. Hinsichtlich der Klauseln über die Beschränkung des Rüstungen behält sich der Kongreß vor, die Armee zu vermehren, für den Fall, duft die Bereinigten Staaten in einen Krieg ter- pi-rit oder durch einen Einbruch bedroht werden. 5.
Die amerikanischen Staatsangehörigen können ihre finanziellen und kommerziellen Beziehungen mit srem- öw Staatsangehörigen, deren Regelung durch Artikel 8 des Friedensvertrages vorgesehen wird, weiter- Bin au Kühen.
$tt Km»! gegen W?ntWI>.
wb. Helsingfors, 24. Okt. Nach hier vorliegenden Meldungen machte die russische Nord» westarmee Fortschritte in der Richtung auf Petersburg. Jchona wurde genommen. Bei Lissins kam cs zu heftigen Kämpfen. Dis Bolschewisten brachten Kerntruppe» an die Petersburger Front. Den Oberbefehl führt General Tscheremisow.
Die Sowjetregierung sammelt alle Kräfte zu einem erbitterten Endkampf. Die Soldatenräte wurden aufgehoben. Die Vertreter der Kommunisten wurden von der Front zurück- gerusen. Ten Befehl führen dort nur noch Offiziere.
tu. B e r l i n , 25. Okt. Bon der Front des Generals Denikin wird gemeldet: Kiew ist völlig von den Bolschewisten gesäubert. Gegen Tscherni- gow erneuerte der Feind seine Angriffe, die mit großen Verlusten abgeschlagen wurden. Im Zen. trum waren wir nach scharfem Kampfe gezwungen, Orel zu räumen.
Englische Niederlage im Murmaugebiet.
Stockholm, 23. Okt. Aus Helflngfors wird gemeldet, daß die englischen und weißen russischen Truppen im Murmaugebiet eine schwere Niederlage erlitten haben. Während des Angriffs der englisch-russischen Truppen auf Petrosawodsk warfen die Bolschewisten starke Truppenmassen vom Südufer des Onega-Sees auf das Nordufer, wo sie in einer kleinen Bucht im Rücken der Engländer landeten. Die Bolschewisten stießen unerwartet nach Süden vor und faßten die englische Front im Rücken. Die englischen Truppen mußten Petrosawodsk fluchtartig räumen und ihre Truppen auf die Ausgangsstellungen zuriicknehmen.
Litauisches Lltimatum «n General e. Eberhardt?
Paris, 23 .Okt. Aus Kowuo wird gemeldet, daß der Befehlshaber der litauischen Truppe Ge. neral v. Eberhardt ein Ultimatum unterbreitete, worin er die Räumnng Litauens innerhalb 25 Tagen verlangte.
Berlin, 24. Okt. Die „Deutsche Tagesztg." erfährt zuverlässig, daß die litauischen Truppen bei ihrem Vorstoß gegen di« unter General von
Marburg
Sonnabend, 25. Oktober
deutschen Regierung beauftragt, wegen des
tob. Berlin, 24. Okt. Auf der Reed« von Aeval befinden sich sieben Dampfer, die von den Engländern in den estnischen Hoheitsgewässern Enfgebracht wurden und denen das Auslaufen *nt«r der Androhung der Versenkung Erboten ist. Die deutsche Gesandtschaft in Reval deshalb Einspruch erhoben. Der Dampfer
tob. Amsterdam, 24. Okt. Das Pressebüro Nüdio meldet aus Annapolis, daß der amerikanische Senol die Aussprache über den Frieden-ocrirag wieder evsnahm. Senator Johnson begründete se ne Abänder- toig-anträge, denen zufolge die Bereinigten Staaten In btt Befiammlung des Völkerbundes dieselbe Stim- miiH erhalten soll, wie Groß-Britannien. Tie Ver- Staaten könnten es sich nicht leisten, das rinzige Land der Welt zu sein, das seine Handlungen e«s einer uneigennützigen Grundlage ausbaue. Di« Abstimmung in Oberschlesie» erst im Juni.
Sei Lin, 24. Okt. Wie dem ,A-A." berichtet wird, hat die polnische Regierung an die Ober- ichlesier einen Aufruf erlassen, in dem sie mitteilt, töt Volksabstimmung in Oberschlefien werde im
..kommenden Juni stattfinden.
Uebergrisf eines französischen Kreuzers.
An Uebung bei der deutschen Marinekommisston toyumetbcn. Die Marinekommisston wurde
Ken Sie rztliche erfahre« 11400 Cie.
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s tv6 Ren» Hörk, 24. Okt. /Haviw-ih'cuwr.) Die Deuatsstrmmifstou für auswärtige Äugeiegenheiteu ha! i Vorbehalte zum FricbenSreri ag g u t g e h e i ß e » : k. Tie Bereinigten Staaten halten sich ihre Zas-inun- i «itfi hinsichtlich der Zuteilung Schantungs und ihr« Handlungsfreiheit in dieser Frage vor. 2. Die Negel-
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Eberhardt stehenden deutschen Truppen von englischen Offizieren geführt wurden.
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SndgiiUige Ratifikation im Rosembee.
wb. Bern, 24. Okt. Die endgültige Ratifikation des Frirdensvertrages in Paris wird, wie ber „Eorriere della Sera" meldet, für dis zweite Hälfte des Römernber erwartet. Ws dahin sollen die verschiedenen Ileberwachungs- kommiffionen ihre Tätigkeit begonnen haben. Auch
jieft" r-rrösfentlicht ein Gesetz, wonach vom 24. Oktober tb die Feindseligkeiten ihr Ende erreicht hake« unb der KriebenSzustaud effektiv gervorden ist.
Die Wiederaufnahme der diplomatische« Beziehungen.
»6. Amsterdam, 24. Okt. Die „Evening Post" meldet aus Washington, daß der diplomatische Vertreter der Vereinigten Staaten in Berlin den Rang eines Geschäftsträgers haben werde. Ec werde durch einen beglaubigten .Gesandten erst ersetzt, wenn genügend Zeit ver- -angen sei, um beurteilen zu können, wie die tzentsche Regierung ihren Berpflichtungeu nach- komme.
wb. Amsterdam, 24. Okt. (Havas.) Graf Lraucis L i n d d e n wurde zum Oberkommissar in Men, Selby zum Geschäftsträger in Berlin ersannt.
®!t Vorbehalte des aoierikanifchsn Senats. ‘
1 Uhr 20 Mm. Auf der Tagesordunng stehen zuerst Anfragen.
Abg. Dr. Herrmann-Posen (Dem.) fragt an wegen der Nebenwhmt der aus Posen abgewanderten Deutschen nach Deutschland.
Regierungsseitig wird geantwortet, daß dir Zahl bet Maewanderien etwa 60000 beträgt. Ein provisorisches Mkommen mft Polen für die nächste Periode nach Frie- densschluß ist bem Abschluß nahe. Nach diesem können die Beamten ob« Furcht vor Schikane« bleiben.
Abg. Molkenbuhr (Soz.) frägt an wegen der eventuellen Besetzung der ersten Zone i« Schleswig durch Dänemark nach der Abstimmung.
Regierungsseitig wird erklärt, daß Dänemark mit Zustimmung her internationalen Kommission das Recht zur Besetzung hätte, daß aber Deutschland die Berant- wortung für di« üblen Folgen einer solchen Besetzung ab- tehnen müsse.
‘ ES folgt bk Fortsetzung btt zweiten Beratung des ReichShauShatt», Abteilung Ministerium des Auswärtige«.
86g. Dr. Heinze (D.Vpt.): 88k können kein Programm für unsere auswärtige Politik mrfftetten. Dazu ist untere Lage zu unsicher. Die wirtschaslliche Kräftigung muß ermöglicht werden. Der Fticdensvertrag muß re bi H e r t werden. Unsere auswärtigen Missionen müssen baldigst besetzt lverden. Wir können im Böllerbunde nur Mitarbeiten, wenn Deutschland in ihm die ihm ge« bührenbe Stellung erhält. Die Beziehungen zum AuS- föitbe können wir am besten durch unsere Auslands- deutschen wieder ankuüpfen. Gegen die Ueberslutung mit Lnxuswaren ans dem Westen sollte die S e l b st h i l f e deS deutschen Bolles eintreten. Der Erfolg der llulersuchungS- auSschüske will» ausblciüeix, solange nicht die Akten deS AuSlanbeS uns zugänglich sind.
Abg. Haußmann (Dem.): Ein stettgcr einheitlicher Wilke tut not für unsere auswärtige Politik. Deutschland darf sich nicht an der Blockade gegen Rußland beteiligen. Die Angriffe gegen den Reichspräsidenten wegen seines Interviews sind nicht gerechtfertigt. K- ineucsaus letzt« Rede mit dem übermütigen Grundton „Wir find die Sieget!" war eine Wahlrede. Wir sollten die uns bekannten Greuel der Entente sammeln und auch bsnutzen. Daß der Friede noch nicht ratifiziert ist, ist ein Zeichen der Unfähigkeit der Ententediplomatie. In der Pfalz wird der französische Schulmeister den Weg zu den Herzen der Kinder und Eltern nicht finden. Es ist eine wahnsinnige Politik, unS 21/* Milliarden für die Oisiziete des UtbcrwachungSdienst.2 abptesscn zu wollen. Den Deutsch-Oestetreichern bleibt untere Sympathie. Kaiser Wilhelm war ein großer Dilletant, und er ist der Urheber dafür, daß Deutschland immer wieder unsicher blieb in feiner Politik, schwankend zwischen England und Rußland, schwankend zwischen Kriegsdrohung und Friedenswünschen. Deutschland muß mü> wird sich seinen Platz in der Wett wieder erobern, aber nicht durch einen Weltkrieg, denn den kann t8 nicht führen unb Bnndes- y noffen hat es nicht, fonbern durch wirtschaftliche Tättg- kcii, und darauf muß untere Weltpolitik eingestellt fein.
Abg. Di. Lohn (Unabh.): Wenn eS vielleicht richtig getoesen fein könnte, sich vor 11 Monaten bem Sowiet- vußlarck zu verschließen, so jedenfalls heute nicht mehr. Deutschland hatte sich schon damals von den Kaptta« listen der Entente mißbrauchen lassen. (Präsident Fehren- bach bittet den Redner fernem Versprechen gemäß sich auf er« Replik gegen den Abg. Haußmann zu beschränken unb ruft ihn im weiteren Verlaufe feiner Ausführungen wegen beä Ausdruckes „Verleumdung" zur Ordnung.) , Abg. Scheibemann (Soz.) stellt fest, daß die Bolksbeauftraaten seinerzeit nach Rücksprache mitKautskh beschwssen hüben, die Anknüpfung von Beziehungen mit Rußland abzulehneu. Auch wir Sozialdemokraten wünschen, mit bem russischen Volke in Frieden zu leben.
Minister Müller: Die Tinge in Rußland sind so verworren, daß eine fiat? Politik mit Rußland gar nicht möglich ist. Solange ich nicht die Garantie dafür habe, da ßdie Sowjctregierung sich nicht in die inneren Verhältnisse Deutschland- einmischt, tottben wir nicht zu ihr in Beziehungen treten. Tie westrinsische Regierung baden wir nicht anerkannt. Wir wünschen sehr, die russischen Gefangenen lo- zu werden. Das ist jedoch nicht so leicht. Tie Entente hat eine besondere Kommission dafür eingesetzt Wegen der Militärkommissionen haben wir schon verschickentlich, bis jetzt leider ohne Erfolg, Vorstellungen erhoben.
Der Haushalt deS Ministetiumr des Aeustern und die Entschließungen des Ausschusses werden angenommen.
Es folgt der HauShatt d«s NeichS-isenbahnamteS, der Vermattung der ReichScisenbahnei! unb des ReichsverkeürS- minrüerrumS, die zusammen beraten werden.
Abg. #enermann (D.Vpt.) berichtet über dir Verhandlungen des Ausschusses.
feiaeaf Wirtz bk Fortsetzung auf Sonnabend vertagt.
Ans dem besetzten Gebiet.
Berlin, 24. Okt. Zur Abstimmung in Euven- Malmedtz hebt die „Post" die interessante Einzelhett hervor ,baß die Belgier etwa 2000 Kaufleute, Bierbrauer, Rentner und Fabrikarbeüer nach Lupe« geschickt haben, die als Einwohner eingeschriebeu wurden, aber nur bis zur Mstimmung da bleiben, um für Belgien zu stimmen.
tob. Düsseldorf,' 24. Okt. In sämtlichen Betrieben des linksrheinischen Bezirks Oberkassel legten gestern die Arbeiter, den „Düsseldorfer Nacht." »u- telge, bie Arbeit nieder. Di: Bewegung ist in Zusammen- kaug mit der allgemeinen Ansstandsbewegung auf dem linksrheinische» Gebiet zu bringen. Die rheinischen Bahnen stellten auf sämtlichen Linien den Betrieb ein.
Sie MmmW 6es Watt Mm.
Von Dr. Baerwolff.
Wenn eimm bk augenblicklichen innerpolitifchen 8er- hältnisse zur Qual sind, so beruht die» vor alte« auf ihrer Unentschiedenheü, auf ihrer Spannung, bk immer unerträglicher wird, oh« daß zunächst die Möglichkeit eine- erlösenden Funkens gegeben wäre. Ab« gerade dies« Intensität ist es, welche da- politische Deute« nach zlvei Extremen polarisiert und den Versuch ebwt mittleren Ausbalancierung immer unmöglicher macht; die gesamte Energie wird von dem stets deutlicher «rode,cheu Gegensatz ziveier dominierender Kraftlinien absorbiert, welch', geradezu einen magnetischen Zwang auf den Ein-elnen auStoat, sich nach recht» oder links »« ottenftertn Den-, vermag fi chnur bet zu entziehe«, welcher sich dem PulSschlag seiner Zeit überhaupt verschließt, fr* t* oit« parteipolitischer Beschränktheit, sei kV au» begreifliche: Mneiguug. Indessen muß der Partei- manu wissen, daß es sich im aufgeregte» Fluß de» heutig«» politische.. Lebens nicht darum handelt, irgend eüee starren Standpuntt einzunehmen, vielmehr eine entschiede« Marschrichtung eiuzufchlagen, und der Urberdrüfsige darf sich nicht darüber täusche«, daß die Probleme dieser Tag« eint eminent persönliche Bedeutung haben unb kein» extreme» Dinge sind, bk ihn im Grunde nicht selbst berührten Nirgends mehr jedoch a!» gerade in deutsch«» Bütgrrkteifei» wird dieser Anschauung gefrönt; es schein^ als hübe man im Labyrinth der toirtschaftlichen Nöte das Interesse am Staat völlig verloren, um bann in einet bösen Stunde mit Entfetzen zu erblicken, daß man nicht» mehr zu sagen Hot, während andere mit dem Fundament unseres DateinS die radikalste« Exveriment« mache«. Eine segensreiche Wirkung aber einer solchen Erschütterung wäre es, daß sie die toeßfrembr Indifferenz bei weiteren Bürgertin idlich an« dem toten Punkt risse«
Dies geschah in a-hen während der Tragikomödk
der Räterepublik. Sie war übet die Einwohner, welch» sich in demokrattschen Hoffnung-idealen narkotisiert hab- ten. wie ein unbegreiflicher Mummenschanz gekommen; unbegreiflich, denn da» Milien, worin sie im alten Reich zufrieden gelebt hatten, bot keine Berührung mti bem Gebilde, das da au» den Spelunken Schwabing« hervor» stieg, unb ba man sich bisher nicht nm die kommunistisch« Gedankenwelt gekümmert hatte, so tat man jetzt, da fk Gestalt werden wollte, nichts, al» sich in den Hintergrund zu ziehen. Schon die glorreichen Ne«rungen Kurl Eisners hatte man gehorsam über sich ergehen lassen, nur um durch Widerstand deren vermeintlich kulturell« Notwendigkeit nicht zu unterstreichen, — alles mit bem einzigen Erfolg, daß bet Bürger völlig entrechtet wuktz« unb bas öffentliche Leben in Heillote Verwirrung geriet Da« Verhängnis der bürgerlichen Betrachtung war H eben, baß man in wirklichkeitsfremdem Optimismus hoffte, e« werde schon so schlimm nicht werden, man tue am klügsten, bet Bewegung ihren Lauf zu lasten, unb die Mehrzahl scheute sich förmlich, die eigene wahr« Empfindung vor sich selber zu bekennen. Ja. der Bürg« kam sich sehr zektgrmäß vor, wenn er sand, daß in de» theoretischen Phantasien bet Tageibe(ben benn doch allerlei Berechtigte« stecke. So tat er gegen die Zusammenrottung de« beutegierigen Proletariats nichts, al» daß er sich in feine vier Wände zurückzog in der naiven Zuver- sicht, die Regierung werde schnellsten- Wandel schassen. Er glaubte, indem et bei alter Welt seine eigene Gutmütigkeit vorauSsetzte. an den idealistischen Jargon des Bolk-ptopheten, wähtrnd da» Gesindel bereit« ansing, deren menschheitsbeglückende Programme mit Gewalttat und offenem Diebstahl zu verwirklichen Jetzt teh bet Bürger mit Staunen die praktische Entsallung, jetzt ward er in«, wa- da» „Volk" unter Freiheit verstand, ol« man Haussuchung nach Waffen bei ihm hielt unb davoufchleppte, was einem gefiel, al« man ihn bei Nacht au« feinem Bett holte unb ihn al- Geisel feiner eigenen Freiheit beraubte. (5r merkte mit einem Mal, daß diese Vorgänge recht bemerkliche Wellen in feinen engsten Lebenskreis warfen, ja, daß er hier vor einer Art Rachefeldzug be» Proletariat» gegen die „Bourgeoisie" sianb, in welchem die deutliche Absicht war, ihn nun einmal au» vollem Herzen zu kchikanieren. Jetzt siel die lose Verkleidung der Demagogen, die sich in ihre Theorie mit in einen schneeweißen Priestennantel Mitten, um bann mit einem Schwarm von Dirne« unb Deserteuren ihr gelobtes Reich heroufzufilhre!!, in dem ber „Arbeitet Gutscheine und Zigaretten bekam und der Bürger Betbal- tungSmaßregeln. Und als vollends die Salven bei Geiselmords rollten, ba riß den Bürget enblidj ba» Entsetzen aus feinem politischen Winterschlaf.
Nun hotte man einen Begriff, wa» bie Selbstherrschaft de« Demos bedeute und begann zu erkennen, wer den» eigentlich bie Gegner in dieser Auseinandersetzung feien. Die Theft ber konzilianten Mitte und ber Aussöhnung der Gegensätze hatte sich in ihrer Leerheit gezeigt, benn der Etpanfion-trieb ber Linken ist zu stark, als daß et sich mit bloßen Theorien neutralisieren ließe. Niemand mehr als bet Münchener Bürger hat gelernt, daß einseitige Zugeständnisse zur Ausschaltung führen. Nicht ber Junker, fonbern gerade btt Bürger mit den ihm geläufigen Daseinssormen hat nichts zu suchen in den Sraat-architekturen, nach denen bie revolutionären Strömungen unterer Tage zielen. In München kräng habet dem Bürgertum bit Notwendigkeit in die Augen, sich nicht nur geistig nach bem Punkt zu sammeln, wo sei« Art vom Einfluß zerschenber Halbheiten am freiste» zu bleiben vermag, sondern auch bie äußere Zerivttt- teruug zu überwinden. ES handelte sich endlich wcht mehr darum, welcher abstrakten Parteinüance mau stch verschreiben wolle, vielmehr, wo.» die praktische Fvv- berung angesichts ber Erlebnisse fei. Wen» man attee
D« «iqeigtxwret» beträgt fit bt«8gei». Zeile 80 V u. 60«/, Ttiarungtiu;»LI» .4 == 454, amttiche «. ewmittige 55 <?, Keklamezeile 1.504». 3eier Rabatt gilt «U »anabatt — «ei «uokunst durch bie »eschäftostell, ».Permittlung bet Angebot. U j 6»»bergeblbr. — Postscheckkonto: Xr. 5015 Amt Frankfurt a.«.
England.
Di« Stärke des euo-ische» Heeees.
Amsterdam, 24. Okt. Nach' einem Tele- aus London teilte Churchill im llnterharis
IDte „Overhessllche Zeitung" erscheint sechsmal »Scheutlich. — Der «ezußSPrei« betritt wonetti* 1.60 X. frei tn» Ha„»durch bie Post 1.75 #. ohne «eSelgetb. — «erlag van Dr. C. Hitzeratk. — Druck bet Unio - Bnchdr. von Jo h. Ang. rt 0 ch. Markt 21/23. — F»usprecher 55.
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