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Tonntrstag, 23. Oktob« |
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mit dem Kreisblatt für dm KrelS Marburg
Tageszeitung für (das früher kurhessische) Oberhessen
Die „Oberhesfische Zeitung" erscheint sechsmal »Schenilich. — Der w» n JQ Btxugepitt» betrügt monatlich 1.60 Jt. frei in» Hau»; durch die Post JI8. tö 1.75 •*. ebne BefteUgeld — Ser!»» »an Dr. C. Hitz » r»td. — Drlick der Univ - Duchdr. von I » h. « n g. K o ch. Markt 21/23. — Fernsprecher 55.
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1836.
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Die Internierung Mackensens in Saloniki.
Berlin, 22. Okt. lieber den Aufenthalt des ibencralfeldmarschalls v. Mackensen gehen dem D. T. B. von zuverlässiger Seite folgende Mitteilungen zu: Der Marschall, der in kurzem das ?0. Lebensjahr vollendet, wird jetzt in Saloniki feftgehalten, wo zu seiner Aufnahme der außerhalb der Stadt gelegene Geschäftsraum der Stieger dient. Man will von der Ankunft des Seldmarfchalls erst zwei Tage vorher erfahren leben. Die Einrichtung ist dementsprechend. Das -anze Territorium hat etwa 40 Meter Breite und
Meter Länge. Auf ihm wohnen außer 48 Deutschen noch 50 Neger. Unruhe herrscht Tag und Nacht. Die Hitze und die schlechte Luft sind
Die Auslieferung des Kaiser».
wb. Versailles, 22. Okt. Die „Chicago piibittie" meldet, der neue Gesandte Frankreichs tu Haag. Beno ist. werde demnächst seinen Posten Mittelen und das Verlangen der Auslieferung des früheren Deutschen Kaisers der holländischen Ne- ßikrung übermitteln.^ Das Verlangen werde der h» ständischen Negierung in dem Augenblick zuge- pcllk. in dem der Friedensvertrag in Kraft treten werde.
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Südtirol.
tob. Innsbruck, 22. Okt. Der italienische ^eneralkommiffar Oredaro kündigte den „Jnnsbr. zufolge einer Abordnung Südtiroler Buch- l®rMer und Buchdruckereibesitzer die Mederein- pihrung der alten deutschen Ortsnamen •ft- Er äußerte die Meinung, daß in der neuen ^kienische« Kammer eine große Mehrheit für die ^klbständigkeit der Provinz Oberetsch sei» dürfte.
'Wilhelm f'iit nach BlSttermrldnnaen gegen Ke K Bon», den Verfasser de? verbotenen Kaifersilrns, Et'.afanteaa gestellt wegen Beleidigung, wegen Miß- brarch feines Bildes und auf Verhinderung aller Aus füh nngen.
Abberufung des Generals Dupont.
Genf. 22. Okt. Die französische Poesie betätigt. daß General Dupont, der Vertreter des
Die MMmW hes 8tfet««iäiritt$.
wb. Bern, 22. Okt. Nach einem Pariser Bericht des „Corriere della Sera" zeigt besonders England Neigung, die Errichtung des Protokolls Mber die Ratifikation des Friedensvertrages, durch das dieser erst in Kraft tritt, zu verzögern. England läßt sich dabei lediglich weniger von juristischen als von praktischen Gründen leiten, da der jetzige Zustand einen größeren Druck auf Deutschland erlaubt, z. B. bei der Regelung der baltischen Angelegenheiten. Aber auch handelspolitische Gründe seien für die Haltung Englands maßgebend, da England das Erscheinen deutscher Erzeugnisse auf dem Weltmarkt im internationalen Wettbewerb m ö g l i ch st lange mit allen Mitteln verhindern will.
rob. Amsterdam, 22. Okt. „Daily News" wendet sich scharf dagegen, daß aus formellen Eründen noch immer nicht mit der Durchführung des Fried.itsvertrages begonnen wird. Das Blatt schreibt: Es ist jetzt beinahe vier Monate her, feit der Vertrag unterzeichnet wurde. Trotzdem
. find die Verbündeten noch nicht darauf vorbereitet, seine Bestimungen auszuführen. Es foliie kein t Zweifel darüber gelaßen werden, daß die offenbar beabsichtigte Verzögerung eine deutliche V Verletzung des Vertrages selbst darstellcn
itt. 1 finster Friedensvertrages enthält wurde heute ; nachmittag im Justizministerium mit dein Staats- I siegel versehen. Nach dem Friedensvertrag folgt S die handschriftliche Ratisikationsurku-ide, von t Poincarck gezeichnet und Pichon gegrngezeichnet.
ivb. Paris, 22. Okt. (Hamas.) Das diplv- matisihe Aktenstück, das die Rakiftkation des Ber-
U.erträglich. Allein auf der staubigen Landstraße /'si dein Marschall einige Bewegung möglich. Auf -ivr tmt-ren SrUr grenzt dar FnmdUS 5n das Deer. Dieser Vorzug wird aber wettgemacht bnrdj die Umgebung lärmender Fabriken. Man Isirchtet für die Gesundheit des Feldmarschalls, der •nter den Eindrücken und Strapazen der jetzt einjährigen Internierung bei seinem hohen Alter schwer leidet, das Schlimmste. Dabei teilte ihm französische General mit, daß er bis zur Rati- Me'ung des Friedens in Saloniki festgehal- fclen bleibe.
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t Narfchalls Fach in Berlin, abberufen ist. Sie er-
3ftu blickt in dieser Maßregel eine selbstverständliche
ruf 31 Folge der bevorstehenden Aufhebung der Waffen-
--" siillstand-kommission.
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Die Auslieferung der an Holland verkaufte» deutschen Schiff« verlangt.
Der Oberste Rat hat die interalliierte Schiff- fahrtskommisfion für den Waffenstillstand beauftragt, am Dienstag an die deutsche Regierung eine Note zu richten, in der die Auslieferung von fünf Schiffen, die der Hamburg-Amerika-Linie und der Gesellschaft „Kosmos" gehören, verlangt wird. Die Note besagt im Wesentlichen:
In den Bestimmungen des Waffenstillstandsübereinkommens, das im Januar 1919 in Trier unerzeichnet wurde, verpflichtet sich Deutschland, seine ganze Handelsflotte unter die Kontrolle und den Schutz der alliierten und affoziierten Mächte zu stellen. Insbesondere wurden die fünf Schiffe „Johann Heinrich Burckhard", „Wilhelm Oswald", „Braunschweig", „Dandorom" und „Nassau" nicht ausgeliefert unter der Vorgabe, daß diese Schiffe nicht mehr deutsches, sondern holländisches Eigentum seien, da sie in den Jahren 1915 und 1916 an holländische Gesellschaften verkauft werden wären. Die deutsche Regierung ist zu wiederholten Malen durch den Präsidenten der alliierten Schiffahrtskommission für den Waffenstillstand davon in Kenntnis gesetzt worden, daß die alliierten und assoziierten Regierungen die Ueberweisung von feindlicher Tonnage an die neutrale Schiffahrt während des Krieges n i ch t anerkennen, wenn nicht eine besondere Er- müchtigung vorliegf. Es ist-durch ein gemeinsames Abkommen zwischen den alliierten und affoziierten Regierungen und Deutschland endgültig festgesetzt worden, daß die wahrend des Krieges von Deutschland ohne die Zustimmung der Alliierten unter neutralen Schutz gestellten Schiffe als deutsche Schiffe angesehen werken müssen. Die der deutschen Regierung aurerkgte Verpflichtung, diese Schiffe anszuliesern, kann demnach nicht in Frage gestellt werden. Infolgedessen wird die deutsche Regierung eiugeladen:
Ohne weitere Verzögerung die oben erwähnten Schiffe no.-h der Bucht des Firth of Forth zu senden, damit sie von den alliierten und affoziierten Mächten übernommen werden können, die holländische Besatzung, die sich gegenwärtig an Bord befindet, zurückzusenden und sie durch deutsche Mannschaften zu ersetzen, Unverzüglich die holländischen Namen, wie sie gegenwärtig auf jedem Schiffe vorhanden sind, in den Häfen, wo die Schisse vor Anker liegen, zu entfernen. Die „Braunschweig" und die „Nassau" unter der Führung einer deutschen Besatzung von Bremen nach Bremerhaven zu führen und an den von dem Kommandanten der alliierten Seestreitkräfte bezeichneten Stellen in den deutschen Gewässern zu verankern.
Die deutsche Regierung wird ersircht, den Empfang dieser Mitteilung umgehend zu bestätigen und darauf zu antworten.
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Graf Czernin über Kaiser Wilhelm.
In den Erinnerungen Gras Czernins, die in der „Rost. Ztg." veröffentlicht werden, heißt es weiter über Kaiser Wilhelm:
Die Schwierigkeiten im Naturell Kaiser Wilhelms, sich anderen Ideen und Gedaukeneiurichtungen nnznvassen, nahm im Laufe der Jahre zu. Das war die Schuld feiner Umgebung im weitesten Sinne. Der Kaiser konnte sagen ober tun was er wollte — ob richtig oder falsch — er stieß auf begeisterte Bewunderung. Zum Lob fanden sich immer Menschen, dutzendweise, welche ihre verhimmelnde Bewunderung unterbrachten. Die zweifellos große Begabung Kaiser Wilhelms hätte Früchte getragen, wenn er gezwungen gewesen wäre, seinen Weg tastend an den Stacheln der Kritik zu suchen. Bei der bestehenden Kritiklosigkeit verlor er das Maß: das war sein Unglück. War Kaiser Wilhelm in Morten und Gesten stets sehr stark, so War er speziell während des Krieges doch in feinen Handllmgen bedeutend weniger selbständig, man nn an^rrnrft airstsmmk. mehr mr Scsfentlichkeit glaubt, war er der Geschobene und nicht der Schiebende, und wenn sich die Entente heute das Recht nnmaßt, Kläger und Richter in einer Person zu sein und dem Kaiser einen Prozeß zu machen, so ist dies, abgefehen von allem arideren deshalb falsch und ungerecht, weil Kaiser Wilhelrn sowohl bei der Vorgeschichte des Krieges als auch während der Krieges niemals die Rolle spielte, die ihm die Enteille zuschreibt. Er sühnt eine Schuld, die n i ch t die feine ist. Er fcrni in seine Einsamkeit den Trost münehmen, stets nur das Beste gewollt zu haben. Wenn er sich von der Welt zurückzieht, so kann er al» kostbarstes Gnt fein gutes Gewissen mitnehmen. An die alleinige Weltherrschaft Deutschlands dachte er wobl niemals, aber seine Pläne gingen gewiß dahin, daß Deutschland dauernd unter die ersten Mächte der Welt rangiere. Ich weiß bestimmt, daß Kaiser Wilhelm als sein Ideal der Gedanke vorschioebte, zu einem Weltabkommen mit England zu gelangen, um sich gewissermaßen mit England in die Welt zu teilen. Wenn heute behauptet wird, Wilhelm habe dfesen Krieg absichtlich vorbereitet und dann entfeffett,
so widerspricht dies feiner jahrzehntelangen friedlichen RrgierungZtätigfeit.
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Die MMm»- MdmmWWIell.
Die weitete Vernehmung Graf Bernstorffs.
Wb. Berlin, 22. Okt. In der heutigen Sitzung des Untersuchungs-Ausschusses wurde die Befragung des Grafen Bernstorff fortgesetzt. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Quarck erklärte Graf Bernstorsi, daß schon im Mai 1916 der gesamte amerikanische Handel auf England und Frankreich eingestrlü war. Der Handel mit Deutschland kam nicht mehr in Betracht. Hätte Wilson den Handel mit England und Frankreich irgend wie gestört, so würde er die öffentliche Meinung in Amerika gegen sich gehabt haben. Wilson hat auch immer erklärt, er könne nicht gegen die öffentliche Meinung austreten. Weiter erllärte Bernstorff, daß die Amerikaner bei der Friedensvermittlung unter allen Umständen die völlige Wiederherstellung Belgiens gefordert hätten. Infolge einer Anfrage von Prof. Schückiug besprach Graf Bernstorff die sogenannten deutschen Verschwörungen, mit denen die deutschen Vertreter drüben oder Graf Bernstorff für feine Person nichts zu tun gehabt habe. Er teilte mit, daß verschiedene Deutsche wegen Sabotage verurteilt wurden, ohne daß er wisse, ob sie überführt sefen. Zur Sabotagestage erklärte Graf Bernstorff, er wüßte heute noch nicht, ob solche wirklich von den Deutschen verübt worden sei. Da» Auswärtige Amt hätte sicher nicht hinter dieser Sabotage gestanden. Auf die Frage Prof. Bonns, ob ihm bekannt sei, daß eilte amerikanische Untersuchung eingeleitet wurde, sagte Bernstorff, er könnte nicht angeben, ob wirklich die Dinge passierten, die nn? vorgeworfen werden. Zm September 1915 wäre ein Bericht der österreichisch-ungarischen Botschaft in England dein' Ueberbringer abgenommen worden, der den Vorschlag enthielt, man möge Geld hergeben, um unter den ungarischen Arbeitern in den wichtigsten Betrieben Amerikas einen Ausstand zu inszenieren. Darauf wurde die Abberufung des österreichischen Botschafters verlangt. Nach der Abberufung des deutschen Militär- und Marine- atiachös wurden die milllärischen Dinge in einem besonderen Büro in Newvork bearbeitet. Dieses wurde eines Tages von Beamten gestürmt: die Akten mürben mitgenommen. Proteste wegen der Verletzung bet Exterritorialität wurden niemals entschieden, da inzwischen die Friedensaktion einsetzte. Auf den Einwand von Bros. Schückiug stellte Graf Bernstorff fest, daß Wilson in feiner Botschaft an den Kongreß von „verbrecherischen Umtrieben" sprach. Das hätte sich aber nur auf die Deutsch-Amerikaner, nicht auf Reichsdeutsche bezogen.
Abg. Sin»heimer stellt auf Grund der Akten fest, daß da? Friedensangebot vom 12. Dezember in voller llebereinstimmung mit der Obersten Heeresleitung und dem Kaiser in die Well ging. ES folgt nun die Periode, die mit deck amerikanischen Friedensangebot beginnt. Nach Bernstorffs Ansicht habe die öfsentliche Meinung in Amerika den Schritt Wilsons absolut als prodeutsä angesehen. Er nahm damals an, daß die deutsche Antwort sagen wollte, daß wir die Friedensvermittlung in soweit wünschten, daß eine Konferenz zustande käme. Jetzt müsse er allerdings annehmen, daß unsere Antwort am 26. Dezember die Absicht verfolgte, Wilsons Friedensvermittlung abzuschneiden. Zu dieser Auffassung kam er durch das Telegramm des .Kaisers, in dem gefragt wird, warum er noch von Friedensvermittelungen Wilson« spreche, die doch gar nicht mehr bestünden. Auf die Frage des Dorsitzenden, wie er dazu käme, der deutschen Re- gien'.ng die Absicht zu unterstellen, daß sie einer Frie- deusvcrmittlung abgeneigt wck, antwortete Bernstorfs, er habe die Note Wilsons als Friedensvermittlung angesehen. Tie Note wär- absichtlich unsicher, tastend gehalten gewesen, um eine Ablehnung unmöglich zu machen. Rach feiner damaligen Ansicht hätte unsere Rote vom 26. Dezember nur sagen sollen, daß wir eine Einmischung Wilsons in territorialen Fragen nicht wünschten: heute iväre er aber anderer Auffassung als damals. Dr. Sinzheiuc-t stellt fest, daß die Rote Wilsons vom 12 Dezember die Bitte an alle Kriegführende enthielt, konkrete Friedensbedinguuaen »lltzuteilen. Die deutsche Antwort erwähnte davon nichts. Auf bas Telegramm Bernstorffs, Lansing bäte wenigstens um vertrauliche Mitteilung der Friedensbedinaungen, antluortetc Staatssekretär Zimmermann zwei Tage vor der Erklärung del N-Bootlriegc?, Bernstorff möge diese Frage dilatorisch behandeln. Bernstorsi gibt zu, daß ibn das Telegramm des Kaisers an Zimmermann ;i: der Auffassung brachte, die Wilsonsche Friedensvermiitlung sollte von uns be- •~’wr werden.' D;r «««£? gnkte fertrtft. er lsste zs;. feinen Wert ans Wilsons Friedensangebot. Falls der Bruch mit Amerika unvermeidlich fei, sei nichts daran zu ändern, und es werde vorgegangen. Weiterhin erklärte Bernstorff. die deutschen Friedensoedingungen wären sehr maßvoll gewesen. Lansing criuiberte, er verstünde ichi, warum wir nicht ebensoviel forderten wie die andern. Man könne sich dann aus die Mitte einigen. Wttfen sprach auch aus, daß die Entente beabsichtigte, uns zum ll-Bootkrieg zu bringen, um die Bereinigten Staaten in den Srieg hinein; uziehen. Bei den vertraulichen Verhandlungen, wurden öfters Aeußernngen t^s Obersten Honse laut, bieJSntente würde unter allen Umständen versuchen, den Rrieg zwischen Deutschland und den Vereinizlen Staaten berauszn- besch wären. Der Botschafter setzte stets alle Hebel in Bewegung, um die Friebensdestrebungen Wilsons zu fördern. Daß eine positive Fühlungnahme Willens mit der Entente ftattgcfunden habe, nehme er an, beschwören rönne er eS aber nicht. Wilson wollte den Augenblick abwart-n, wo ferner der bubet Kriegführenden noch Hoffnung hatte.
bett Sieg zu erringen. Bernstorfs gibt zu, daß er an de« guten Willen Wilson» glaubte, bat Frieden zu vermitteln, Nach Wilson» Aeußerung sollte es ein Friede ohne Sie» fein. Er verstand ei so, daß Deutschland eine Wellstellung behalten feite. Niemals wurde von amerikanischer Seite mit ihm über einen Frieden verhandelt, worin auch nur die geringste Abtretung deutschen Gebietes zugemutek worden wäre.
hierauf wurden bfe Verhandlungen ans Donuersw» vertagt.
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6eWt Wh.
Bon Gen d. Inf. Frhrn. v. Freytag-Lorinfi- hoven.
Der Reichswehrminister hat kürzlich vor seinen Parteigenossen eine Rede, gehalten, um sie über angMch reaktionäre Umtriebe in der Reichswehr zu beruhigen. Ans seine Ausführungen soll hier nicht eingegan^n werden. Auf» new zollte er den Verdiensten der Offiziere des alten Heeres Anerkennung. Tr hat diese als zurzeit unentbehrlich b^eichnei. Äe werden es auch in Zukunft sein, und wenn die Reichswehr eine in jeder Hinsicht zuverlässige und auf bei Höhe der Ausbildung stehende Truppe werden soll, so wird auch der Offizierersah denjenigen Krisen entnommen werden müfien, die ihn bisher stellten. DaD wird um so eher möglich fein, je mehr die Politik aal bet Reichswehr ferngehalten wird, wie es unbedin^ geboten ist.
Ter Offiziersberuf liegt nicht jedem. Borbedingung ist für ihn wirkliche militärische Passion, heute mehr al» jemals. Solche findet sich naturgemäß am ehesten in Familien, deren Mtgliede« durch Generationen fax Heeresdienst gestanden haben. Die soldatische Passion ist dort e r b l i ch. Biele Söhne dieser Familien werd« sich jetzt einer anderen Laufbahn zuwenden, bei manchen wird bet alte Trieb vorherrschend bleiben. Diese werden gewissermaßen eine Auswahl derjenigen darstellen, die früher in bet großen Armee den milftäri- schen Benis mehr einer Familientradition folgend oder aus äußeren Gründen ergriffen und nicht weil sie einem ausgesprochenem inneren Drange folgten. Manchen lockte ehedem die gesellschaftliche Stellung de» Offiziers, das glänzende Gewand, die Neigung zur Betättgung in der frischen Lust und sportliches Interesse. Nun ist gewiß gesunder und richtig betriebener Sport ein sehr wesentliches Hilfsmittel soldatisch« Ausbildung. Der Beruf fordert aber m eh r als Siebe und Sport; er verlangt volle Hingebung ohne Rücksicht auf Beifall, beansprucht den ganzen Menschen. Ihn in den Dienst der Sache zu stelle», sind die Abkömmlinge derjenigen Familien am m e i st e n geeignet, die bisher die Offizierrlaufbahn einschlngen. Sie waren mit Glücksgütern nicht gesegnet und sind, indem sie durch Äenerattonen dem Staate dienten, mehr und mehr verarmt. Biele konnten schon deshalb zuletzt ihre Whne der Armee nicht mehr zuführen. Es ist. zu hoffen, daß dieser Grund bei den nunmehrigen ebt* fächeren Verhältnissen fortsallen wird. Dann werden diese jungeiz. Leute gerade für unsere Zeit von höchstem Werl sein, weil sie ein durch Herkommen und Erziehung geschärftes Verantwortungsgefühl mit sich bringen.
Es ist nicht zu bestreiten, daß auch junge Leute, die anderen Kreisen entsprossen sind, die nötigen Eigene schäften für den Offizierberuf mitbriugen oder erwerben können. Darum ist es nur billig, erprobten Unteroffizieren den Aufstieg zmn Offizier zu ermöglichen. Soll aber die Reichswehr eine ausgesuchte Truppe darstellen, wie es schon um ihres Ansehens willen geboten ist, gerade weil sie aus Angeworbenen bestcht, wird sie ihren Osfizierersatz vorherrschend dort zu suchen haben, wo ihn die frühere Armee entnahm. De« Söhnen der Offizierfamilien liegt das Soldatische faw Blut. Sie waren die eigentlichen Repräsentanten der alten Waffentüchtigkeit des deutschen Volkes und werden cs auch weiter fein. Die Freude an der Betätigung dieser deutschen Eigenschaft ist mit nichlen erstorben. Sie wird sich auch in den Mannschaften der Reichswehr bekunden. Es ist daher zu hoffen, ba| es äTt dem erforderlichen Zulaus zur Truppe nicht fehlen wird. Um Brnör und Sowaienspielerei standeü e? sich hier wahrhaftig nicht, noch weniger um Bekundung eines neuen LandZknechtstumS, sondern um einen Beruf, der bitteren Ernst erhesicht, der aber eben deshalb nur in reiner vaterländischer Gesinnung und erfüllt von wahrhaft soldatischer Passion ergriffen werden daill.
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Roste über die Reichswehr.
Berlin, 22. Okt. Ngch dem „Abend" sagte in den Verhandlungen des Wirischafisverbande« der deutschen Berufssoldaten Neichswehrminister N o s k e u. a.: Ich muß jeden Tag viel Geld aus- geben, während der Finanzminister nicht weitz, wo er die Millionen hernshmen soll. Nicht nur der Unteroffizier, jeder einzelne unserer Volksgenoffen muy mit einer unsicheren Zukunft rechnen.