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Von der Deutschen Volkspartei ist folgende Anfrage an die Regierung gestellt worden: Viele junge Lehrer und Beamte sind so schwer verwundet oder kriegskrank geworden, daß sie voraussichtlich nicht mehr dienstfähig werden. Sie werde» bei dauernder Dienstunfähigkeit durch die eintretende Kriegsrente und die Gnadenpension nicht annähernd soviel Einnahme haben als ihre gesunden gleichaltrigen Kollegen. Was denkt die Regierung zu tun, um ür diese Unglücklichen eine» gerechten Ausgleich zu finde»?
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Regierung praktische Wege für den Wiederaufbau Deutschlands. dann werd« seine Partei fie unbeschadet ihrer onstigen Gegnerschaft gern unterstützen.
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Au» »«, Red« des Abg. Strefrmann tragen wir noch einiges nach. Der Redner führte
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Die Eisenbahnen einst und jetzt.
Sitzung vom 9. Oktober.
Marburg
Freitag. 10. Oltober
KanShaltS, politisch« Besprechung (gestern abgebrochen Mgen deS Anschlags auf Laase).
Abg. Dr. Cohn (U. S.): Solche Mordanschlägc wie hie auk meinen Freund Laase gedeihen nur zu leicht in eitet Atmosphäre, wo gefällige Offiziere gedungene Mörder Nit Auslandspässen versehen. Unser Kurs bleibt der tüte. Auch die Lockrufe Schcidemanns können uns nicht rühren. Herr Ebert hat schon seinen Lohn dahin. Nenn die Entwicklung so weiter geht, wird er der erste und letzte sozialdemokratische Reichspräsident sein. Der Heimer geht hierauf auf die Handhabung der Zensur it* der Versammlungsverbote durch den Minister Noske «in, der vor krassen Verfassungsbrüchen nicht zurückschrecke. Bei den Eingang-Verhandlungen zwischen den beiden stziaso«nokratischen Parteien haben die Mebrheitssozia« listen die Mehrzahl der Ministerposten beansprucht, aber den Unabhängigen die volle Verantwortung aufbürden Btoffen. (Unruhe und Widerspruch bei den Sozialdemokraten.! Wenn Sie (zu bt'ii Mehrheitssozialisten) nicht mehr Koalitionspolitik treiben, sondern wirklich demokra- fische, sozialistische Politik vom Standpunkt der äußersten
8ertreter der Arbeitgeber werden ebenso wie die Gewerkschaften sehr gern an der Konferenz teilnehmen, dorausgesetzt, daß sic gleichberechtigte Mitglieder sein werde». Verhandlungen sind im Gange. Zur Zeit können wir gar keine Verträge mit der russischen Regierung schließen, denn das ist uns verboten worden. Ich hoffe, daß wir später einmal mit Rußland wieder zu wirtschaftlichen Beziehungen kommen. Nach Polen ist von uns kein heeresgut verkauft worden, wohl aber nach der Tschechoslowakei mt Billigung der Entente. Die lettische Re- gierung steht aus dem Standpunkt, daß der Vertrag in Bezuo au? das Einbürgerungsrccht der deutschen Trup- Pen deshalb hinfällig wird, weil ein Teil der deutschen Gruppen sich an dem Staatsstreich beteiligt habe. Ich ßvife. daß unsere Leute nunmehr zurückkehren und sich nicht schuldig machen an dem Mord der Greise und Kinder .den die Blockade im Gefolge haben würde. Genera! von der Goltz hat erklärt, daß er an keiner Gegenrevolutwn ftilnehmen würde. Ec soll aber doch abberufen werden totge» des Mißtrauens, das nun einmal gegen ihn besteht wnd weil er-nicht der rechte Mann für Verhandlungen zu kein scheint. Di« Affäre der-westrnfsischen Regierung ist
to«»n die Akkordarbeit in Einvernehmen mit de» Arbeitern selbst toteber eingeführt wird. Wir begrüßen die feste Haltung, die der Minister gegen bol Schiebertum und die Unehrlichkeit einnimmt.
Abg. Paul Hoffmann (U.S.): Die Wiederein« sührnng der Akkordarbeit lehne» wir ab. Der Abtransport der Kohlen hätte sehr wohl auf dem Wafsev- wege erfolgen können. Auf unsere Arbeiter fällt kein« Schuld. Der Minister sollte nur di« Truppen au« dem Baltikum zu produktiver Arbeit heranziehen. Breitenbach hat den Arbeitern das Koalitionsrecht verkümmert. Auch Noske tut das nach wie vor. Da« System Oeser ist nicht viel anders wie das System Breitenbach.
Minister Oeser: Die Arbeiter sollen in weitem Maße ein Selbstbestimmungsrecht bekomme». Auf weitere Einzelheiten werd« ich morgen eingehen.
Freitag 12 Uhr Fortsetzung. Vorher Anfragen
:ücker.d. Unze, idtsaal. lieh •eter.!
8- Okt Uhr:
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mit dem Kreisblatt für den Kreis Marburg
Tageszeitung für (bas früher kurhessische) Oberhesseit
Mite MmlimlWmlW.
Sitzung vom 9. Oktober.
Präsident Febrenbach eröffnet die Sitznng Illhr 20 Min. Fortsetzung der zweiten Beratung
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wb. London, 9. Oft. (Havas.) Reuter meidet, daß, nachdem die Antwort aller britischen Dominion« eingegangen ist, die Rafifikation des Friedensvertrages durch den König unmittelbar bevorstehe.
wb. Amsterdam, 9. Ott. Der Pariser Korre- pondent des „Allgemeen Handelsblad" berichtet, daß die Meldung, wonach der Fünferrat sich bereits mit den Listen der deutschen Offiziere, die ausgeliefer’ werden müssen, besaßt hat, den Tatsachen nicht entspricht. Bisher geben sich nur die einzelnen Re^iev» ungen mit der Aufstellung der Listen ab. ■
wb. Helgoland, 9. Ott. Der hiesige Gemeind«. Vorsteher Payens erllärte, daß die Meldung, daß i«. Helgoland eine starte Agitation für die Loslösung voll Deutschland und den Anschluß an England betriebe» werd«, auf Schwindel beruhe.
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Truppen im Baltikum, di« ruhig« Uebrrlegung bald wieder gewinnen.
Abg. Eisenberger (Bayr. Banernbuud) erllärt sich im allgemeinen mit den Ausführungen des Reichskanzlers einverstanden. Zur Lösung des Ernährungspwblems muß die Regierung eine Sa »Politik treiben (Heiterkeit) und die Schweinezucht fördern.
Abg. Meer selb (Soz.) erklärt das Verhalten der unabhängigen Presse im Falle Haase für demagogisch. Das Zentrum hat in seiner Rheinlandspolitik eine sachliche Wendung durchgemacht. Im Rheinland gibt cs heute keine Partei mehr, bk dem deutschen Einheitsstaat widerstrebt. Die Rheinländer in ihrer erdrückenden Masse wollen von Frankreich nichts wissen.
Abg. Dr. Traub (Deutschnatl.): Das Ministerium deS Wiederaufbaues muß ganz konform mit dem deS Auswärtigen «mt» gehen. Die deutschnationalrn Beamten haben ein Recht m der Frage, was in dem Diensteid von ihnen verlangt wird. Die Regierung fordert die Heilig- Haltung des Eides. Aber wer war es, der früher den Eid für nicht bindend erklärte? Die Verlängerung der Rationalversammlung widerspricht dem demokratischen Gedanken. Der Redner kritisiert dann eine Reihe sozial- demokratischer Presseäußerungen. (Wiederholter Lärm links.) Dir Teutfchnationalr Partei hat mit anonymen Handlungen euch Veröffentlichungen nichts zu tun. ^Zuruf Roskes: Die anonymen Pamphlets sind von Ihnen. Andauernder Lärm. Ruse links: Verlogene Gesellschaft!) Wir l>aben sie nicht bestellt. (Zuruf Roskes: Das hat Herr Hergt zugeaeden. Lärm.) Die Mehrzahl der Soldaten im Baltikum will nichts als im Frkden leben und ein Stückchen Land bauen. (Beifall rechts.) Durch die Revolution sind wir in das Elend hineingekommen. (Stürmischer Widerspruch links, Beifall rechts. Zischen link?.)
Reichsminister Roste : Ich bin der deutschnationalen Partei nicht nachgelaufen, war aber bereit zu einer Aussprache, die auch heute vormtttM stattgefunden hat.
Abg Freiherr v. Richthofen (Dem.): Allein die Demokratie kann unser Vaterland retten. Sie allein kann Ordnung und Autorität Herstellen, ohne zur Diktatur ,u greisem Nir brauchen das Ausland zu unserer Wie- deraufrichtung. Das Vertrauen des Auslandes zu unserer Beaierung muß gestärkt werden. Dazu trägt die Haltung der Opposition .besonder» von rechts, nicht bei. Der Friedensvertrag ist dem Selbstbestimmungsrecht der Völker und zuiual dem dcs deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Wir hätten einen früheren Termin der Wahlen oern gesehen. Aber die Ausgabe der Nationalversammlung ist erst erfüllt, wenn wir dem deutschen Bolt die Möglich- k-it zur Arbeit völlig gesichert baden werden.
Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.
Besetzung durch Regierungstruppe»?
wb. Bern, 8. Ott Die in den letzten Tagen von der italienischen Regierung zugelassenen Erleich» rerungen in bet Zufuhr von Lebensmitteln nach Fiume fallen zusammen mit Nachrichten, die die Blätter an» offiziösen Kreisen erhalten haben wollen und die be- sagen, daß man auf eine gütliche Verständigung mit d'Annunzio hoffe. So meldet „Torriere d'Jtalia", daß an eine Besetzung Fiume» durch Re- gierungstruppen untct General Badoglio gedacht werde.
Italien nnb die angelsächsische« Mächte.
wb. Paris, 8. Ott. (H-vas.) Eine osfiziSs. englische Note wendet sich gegen btt Nachricht, über eine britische Sonderaktion wegen der Frage von ^. Fiume. Die Note versichert, daß die verbündeten Mächte vergangene Woche wegen der damals bestehenden Spannung ossiziäs die Südslawen und Italien« ersuchten, alles Herausfordernde, waS die Lage 0«* scharfen könnte, zu vermeiden. Die Krankheit Wilson« habe die Antwort aus Washington verzögert. In den letzten Tagen habe sich die englische Regierung mit den Vertretern Italiens besprochen. Im Laust dieser Unterredung sei auf die Gef^rlichteit bet 2ag> hingelrieien worden.
wb. Bern, 9. Ott. In einer
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Ans dem besetzten Gebiet.
tob. Paris, 9. Oft. Der „Figaro" macht darauf aufmerksam, daß die dem General Fayolle in Deutschland anvertraute Mission der Verschmelzung der Besatzungstruppen des preußischen Rheinlande« und der Psalz zu einet einzigen Arme« sich zu bestätigen scheine. Die Blätter bemerken, daß die Zurückberufung des Generals Mangin noch nicht offiziell bestätigt sei. Der „Matin" meldet, daß bet General am Mittwoch toteber nach Mainz abgereist sei, wo er bern General Degoutte das Kommando übergeben werde.
tob. Trier, 9. Okt. Die Arbeiter der hiesigen Arbeiterwerkstätten, etwa 1500 Mann, legten heute vormittag die Arbeit nieder. Sie zog:» in geschlossenen Zügen durch die Stadt. Der Zug verlief ruhig. Die Forderungen der Arbeiter beziehen sich auf Lie- ferunn billiger Lebensrnittel, Verringerung der star- ken Besatzung, Aufhebung der Grußpflicht der Eisenbahner usw.
wb. KaiserslauHern, 9. Oft. Nach der „Psäl/ifchen Presse" haben gestern Vormittag d.e Ar- beiter sämtlicher Betriebe die Arbeit niedergelegt. Der Grund der Arbeitseinstellung ist der, daß die Arbeiter- führet, die kürzlich auf dem Bezirksamt wegen Ver- besserung der Lebensmittelversorgung vorstellig wurden, verhaftet worden sind. Eine große Zahl vo» Arbeitern und Angestellten begaben sich vor das Stadthaus, sodaß jeder normale Verkehr unmöglich wurde.
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ta Innern Polen vergrößert seine Armee dauernd. Wir werden bk Truppen abbauen, sobattz es angängig nt. Deutschland hat die Ratifizierung nicht verzögert. Die Negierung wird ben Vertrag loyal halten. Dis Partei dei Herrn.öofctt sollte sich das Tenurstiemu allmählich fchrskn. l Zustimmung. Lärm bei den Unabhängigen.)
i e nationale Würdelosigkeit u n d SticscllLckerei
des Herrn Cohn übersteigt doch alles ^Maß. (Erneuter Län-, bei den Unabhängigen.) In Frankreich nimmt bir (be.nviüiüi'ehe Preise alles gläubig aus, was bi? »Freiheit" schreibt. Die Werbungen für die Reichswehr haben seit anbertbalb Monaten säst restlos aufgehört. Aber lei beu kurzen Kontrakten mit den Leuten sind hie und b« Neueinstellungen nötig. Mündlich- Verhandliingen mit der Entente werden eingeleitet werden über alle mili- ; tärische Fragen, um, sobald es möglich ist, a-les Miß- ? tränen zu beseitigen. (Beifall.) Die Werbungen für Surwnd konnten leider nicht so leicht unterbunden wer- .den In Deutschland befinden sich noch russische l Bolschewisten. Einige betätigten sich in München so, daß wir sie nichl frei herumlaufen lassen konnten. Gegenüber den unbotmäßigen Soldaten in Kurland dir Sperrung der Lebensmittel anzuweuben, geht noch nicht er ,sonst würden die Leute in Lettland plündern und wir »Gcksten das Land unversehrt verlassen. (Beifall.)
Reichsminister des Aeußern Müller:. Durch bk Beunitielung des amerikanischen Staatssekretärs in Paris ist uns ein Schreiben zugegangen, wonach die Zulaffung der deutschen Gewerkschaften in Washington von der dortigen Konferenz selber abhängt. Die Regierung und die
gkmng Sicherungsmaßregeln treffen. Es ist zuzngelen, •$. iai in Berlin bei den Berfommlun-rsverboten Mißgriffe I« dvigekomidien find Aber unangemeldete Versammlniwc» 2 können und werden nicht geduldet toerben. Die Unab- ■ hängige.» machen das Ausland scharf gegen uns durch
Der Unzeigenpreis beträgt für >te Sgefw. Zeil« SO 4 u. SO»/. teuerung»juf<5l rj Qalirfl = 45 4, «mit:ch« ». «»»■artige 55 Metlamejette 1.50X. Jeder Rabatt gilt •vUyige als Larrabatt. — Sei Auskunft durch »ie Eeichäftsstell« x. Cenntttlung der lAlft Ingebete U 4 Eonbergedühr. — Postscheckkonto: Är. 601S Amt Franii utt a. St. 1*1* _
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IDi« „Oberhessifche Zeitung" erscheint |ech»mal wöchentlich. — Der Derngspreis beträgt Monatlich 1.60 X. frei in» Hau»; durch die Post 1.75 jr. ahne BefteLgeld — Verlag een Dr. C. hitzeratb. — Druck der Univ »Bnchdr. von J o h. A u g. Koch. Markt 21/23. — Fernsprecher 55.
Vereinigung z» reben. Der Acbeiterschrft wäre viel Wohler, wenn Sie nicht in der Regierung säßen, sondern mit »n? Opposition machten. Erst dann hätten wir auch da? Vertrauen des Auslandes. Einer der Hauptschuldigen iw yrtftif’ '. .ft Herr Winnig. Die Werbungen sind in Berlin unter den Augen bc» R'ichSwrhrministerß bis in den Sommer hineingegangen. Di? schwerste Sünde der Negierung ist die, daß sie die B.'zkbnngen mit Rußland mch nicht wieder hergestellt bat. In d r Ostpolitik liegen bk Lebensfragen des deutschen Volkes. Es ist Gefahr vor» ' Händen, baß ün» auch noch OftprenHen verloren gebt
Die Regierung muß eine positive Ostpolitik treiben.
Reftb«wehrminister Noske: Herr Hers' bat mir heute kbie bündigfie Erklärung abzeqek>-n. daß b’t Parto-vorstand bei Deutschuatisnale» dem Inhalt d«s g'stern erwähnten Vamvhlet« fernfieht. Ich nehme davon Kenntnis. Gegen «tprebigie Gewalttätigkett.'ir bat bi- Reeiwung sich zur Wehr yi fetzen. Darum sind gewisse Schriften verboten
Präsident L«inert eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 20 Man. Die zweite Beratung des Haushalts wird bei der Eifenbahnverwaltung fortgesetzt.
Abg. DominiknS (Dem.) empfiehlt einen Antrag bet Sozialbemokraten, bes Zentrums und bet Demokraten, worin bie Regierung ersucht wird, eine gründliche Umgestaltung der Eifenvahnverwaltung und der Werifftätten, und ferner ein Lohnverfahren einzn- iühren, bei deni bi« Arbeiterschaft an ben gesteigerten Leistungen interessiert wirb. Voraussetzung für bie Einführung eines jrbcn Akkord- und Prämiensystems olle jedoch die Mitwirkung der Arbeiter ober ihrer Vertrauensmänner sein, sowie her Grundsatz, daß niemand weniger verdienen darf, al» nach dem geltenden System. Die Regierung toirb bei weiteren ersucht, in dieser Richtung sofort mit ben gewerkschaftlichen Organisationen unb einer von bern Haushaltsausschuß zu wählenden Vertretung von sechs Mitgliedern der Parteien in Verhandlung zu treten.
Abg. Dr. Schmedding (Ztr.): Der Abgeordnete Brunner hat gestern schwere Beschuldigungen gegen ben rnherrn Eisenbahnminister Breitenbach erhoben, bie durch nichts gerechtfertigt sind. Der Minister hat ben schwersten Anforderungen, die an unsere Eisenbahnen im Kriege gestellt wurden, zu genügen gewußt. Es fragt sich, ob wir für die Abgabe unserer Eisenbahnen an das Reich die Entschädigung in Gestalt einer Kapitalabfindung oder einer Rente vorziehen sollen. Ich würde mich für die Rente entscheiden. Mit der Wiüiereinführung der Akkordarbeit bei den Eisenbahnen sollte sich wohl der Versuch lohnen.
Abg. Dr. Frentzel (Dem.): Auch ich folge Herrn Brunner nicht. Es sind Fehler gemacht worden in unserer Eisenbahnverwaltung. Eine Art von Verwaltungsvirtuosentum hatte sich herauSgebildet. Aber int großen und ganzen waren dennoch unsere Bahnen vorzüglich geleitet und der Betrieb mustergültig, auch im Hinblick auf bie Sicherhe it, Pünktlichkeit und SSiHi gleit Die lieber» tragung der Eisenbahnen auf das Reich kann erst erfolgen, wenn unsere Bahnen wieder erstarkt sind. Die Elektrisierung muß weiter ausgebaut werben.
Eisenbahnminister Oeser: Eine Besserung ber Verhältnisse hat leider noch nicht eingesetzt. Gegen den Voranschlag von 1919 haben wir einen Minderer t r a g von mindestens 631 Millionen Mark. Wir müssen den Güter- und Personenverkehr e i n sch r ä n - ken, trotzdem das wirischastliche Interesse des Landes eine Steigerung verlangt. Die Ausgaben sür den Betrieb sollten sür 1919 etwa 4800 Millionen betragen, in Wahrheit haben sie 7500 Millionen erreicht. (Hört, hört.) Den unteren Beamten ist es auch heute schon möglich, in mittlere Stellen einzurücken. Um den mittleren Beamten das Aufrücken in höhere Stellen zu erleichtern, werden al» UebergangSstnfcn gehobene mittlere Stellen geschaffen und die Fachschulen verbessert werden. An Entschädigungen sür Diebstähle werden wir im laufenden Jahre 160 Millionen Morl zu bezahlen haben. (Hört, hört.) Es wird ein besonderes Dezernat im Ministerium ernannt werden, das an bie Bekämpfung dieser Mißstände seine ganze Kraft setzt. Die Verfolgung von Arbeitern und Beamten wegen ihrer politischen Gesinnung kann ich nicht dulden. Der Abg. Brunner hat die Person und den Charakter meines Amtsvorgängers in einer Weise in die Debatte gezogen, die nach meiner festen lieber- zeuauna unbegründet ist. Man kann Herrn v. Breitenbach die Hochachtung für feine Leistungen und seinen Charafter nicht versagen. An den Reparaturarbeiten haben wir die Privatindustrie in steigendem Maße beteiligt. Das ganze Werkstätienwejen wird reorganisiert werden. Ich will den Arbeitern dafür gern höhere Lohnzuschläge gewähren, wenn ich eine Lokomotive acht Tage früher bekomme als nach der ursprünglichen Berechnung. Ich werde bestrebt sein, mit den Arbeitern zu einer vollen Verständigung zu gelangen. (Beifall.)
Abg. Gamich (D. Vpt.): Die unwürdige Kritik de) Abg. Brunner an Minister Breitenbach /weisen auch wir auf das schärfste zurück. Zu größeren Leist-
ttMea der LierUätte» «erben w« erst oaua itituaeii.
Die Nationalversammlung leibe an einem Mangel an A u totit ät. Ihr? Ausgabe sei eigentlich mit ber Erledinunz ber Verfassung erfüllt gewesen. Nach lieber» Windung dieses Winters würben wir eine solche Fülle von virtichaftlichen Aufgaben zu lösen haben, daß bie Frage der Iluswandenrng völlig ausstbridkn müßte. Der Mangel au Transportmitteln sri eine internationale Erscheinung Bei der Frage ber Auslieferung von 5000 erstklassigen Lokomotioen sei ein deutscher Sachverständiger überhaupt nicht gehört worben. Der Redner wendet sich gegen bie Angriffe be5 Reichskanzlers gegen bie Sozialpolitik» des alten Deutschlands. Die Schuhmaßnabmen des Staates zugunsten der Rechte ber wirtschaftlich Schwachen hätten ihre Geburtsstätte in dem kaiserlichen Deutschland gehabt. Das Betriebsrätegesetz enthalte an sich ein ethisches Moment, das produktionsfördernd wirkte, werbe aber in unserer Zeit ber parteipolitisckien Zerrissenheit zu einem Kampf der Organisationen führen. An dem Schieberunwesen, gegen das der Reichskanzler erfreulicherweise starke Worte gefunden, habe die Zwangswirtschaft viel Schuld, die sich zur Ab« Wicklung von Geschäften häufig nicht eintoandfteier Elemente bedient habe. Hoffentlich kämen wir bald wieder zur freien Wirtschaft. Der Uebergang deutscher Aktien- untentebnten in bie Hände d?s Auslandes sei dringend zu verhindern, sonst werde uns unsere deutsche Bolkswirt- fchaft nicht mehr gehören. Gegenüber ber Kritik des bemokratischen Abg. Petersen an bern konservativen Machthunger wolle er bie Schuld bei Konservativen nicht verkleinern, doch sei es falsch, zu behaupten, baß eine Partei in der Lage gewesen fti, die Fortentwicklung ber politischen Verhältnisse in Deutschland dauernd zu hindern. Ebensowenig sei ber Reichstag ohnmächtig unb ohne Einfluß auf bie auswärtige Politik gewesen. Die Schuld lag eben daran, daß wir ein saturiertes Bürgertum besaßen .dem die Ideale abhanden gekommen waren. Viele Leute seien längst wieder Vernunftmonarchisten geworden. Man habe ietzt kein parlamentarisches System, sondern seine Karikatur, eine Ausbeutung dieses Systems zu parteipolitischen Zwecken. Mit dieser Kopie cmerilanifrfier Zustände ruiniere man unsere Beamtenschaft, bie festeste Grundlage des Staates. Französischen Beschwerden gegenüber möge bie Regierung auf bie perverse unb sadistische Art verweisen, mit ber Frankreich alles deutsche fSefeit stets bekämpft habe. Ter Rednei wendet sich gegen etwaig« weitere Zei- tungsvervote und noch schärsere Handhabung be» Belagerungszustandes. Der einzige wirtschaftliche Sieger seien die Vereinigten Staaten. Um wieder hochzukommen, müßten wir }urüdffbwn zu bex Tugenden deutschen Wesens, Autorität, Ordnung, Unteiwibmiu^, Arbeitsfreude und SchafstnSlust. Nicht da» all, -re»jci» sei zusammen» rrtet dar neue Deutschland mit
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Wir amtlich nicht bekannt. Jedenfalls e:
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