Einzelbild herunterladen
 

Abg. Scheidemann (Soz.): In der sachliche« Beurteilung des uns aufgezwungenen Gewaltsriche«- besteht keine Differenz zwischen Bauer und mit unN ebenso nicht den Parteien dieses Hauses. Ich freu, mich, daß die demokratische Partei den Weg M posi­tiven Arbeit zurückgefunden hat, auch weil bie Re­gierung vor allem stark sein must gegen recht». Die Propaganda der sogenannten Nationalen ist gefichr» lich, weil sie Mißtrauen sät. Der Feind steht recht», ick wollte, ich könnte sagen, er stehe nur recht». Wenn sich die Arbeiter erst vereinigen wollen, sobald die monarchistische Gefahr da iK wird e» zu spät sein. Ich richte den dringendsten Appell nach link», die Arbeiter möchten sich nicht selbst zerfleischen (Aha recht»), damit die Wahlen eine sozialdemokratische Mehrheit bringen. Vorläufig hindern die unabhängi­gen Führer jede Einigung. (Lärmende Zwischenrufe b. d U. S.) Das Mitbestimmung?- und da» Ein­spruchsrecht der Arbeiter ist eine Forderung, von der wir nicht abgehen können. Darunter wird unsere In­dustrie nicht leiden. Die Soldaten in Kurland müsse« gehorchen lernen. Die Volksgenossen, die Siegermacht von uns trennt, bleiben doch die Unfern. (Bravo!) Wir verzichten auf gewaltsame Wiedereroberungen, aber darum mntz ein ander?» Mittel einsetzen, die Revision dieses Frieden». (Beifall.)

Abg. Graf Posadowskl-Wehn« rfDeuischu.ft Die zur Negierung vereinigten Parteien find' seltsam« Bettgenossen. Wenn die Wahlen einmal eine monar­chistisch gesinnte Mehrheit bringen würden, so wäre die Wiederkehr einer Monarchie nicht unmöglich, aber eine solche Monarchie müßte Viele? aus dem setzt Bestehenden übernehmen. (Hört !Hört!) Jetzt denken wir an keinen 18. Brumaire. Die wilde Einwander­ung an? dem Osten must aufhören, denn wir könne« diese Leute nicht ern ähren. Die Zwangswirt­schaft kann nicht mehr länger aufrecht erhalten wer­den, denn niemand kehrt sich an ihr« Borschriß- ten. Die Landwirtschaft fängt an, zu ermüden in­folge Leutemangel? und der ungeheueren Kosten des Sticksstoffs und der Futtermittel. Ihr must geholfen werden. Von einem einheitlichen Steuerfttan ist keine Rede. Das Recht der Betriebsräte, bei Anstellunge« und Entlassungen mitzusprechen, bedeutet eine nner- trägliche Beschränkung der Rechte de? Unternehmer». Wenn wir bie Kompetenzen der Nationalversammlung so an»dehnen wollen wie die Regierung, so könne« wir noch 4 Jahre sitzen. Scheut sich die Regierung vor ihrem eigenen Wahlgesetz? Nur ein Wunder kann n.nS retten: Wenn bas deutsch- Volk au? eigene« Kraft sich kainmelt und aufrasst aus seinem Elend. (Beifall rechts.)

Abg. Joos (Ztr.): Die RegierungSkoakition ist eine Arbeit?--, keine Gesinnun-sgemeinschafi. Aber unS eint da? Bestreben, unser Volk und Vaterland zu retten. Unsere Kriegsgefangenen mü'sen schleunigst heimgesckaist werden. Mit Gewalt kann die deutsch- öst-rre'ckfiche Frage nicht au? der Welt geschafft toefr

Die Soldaten im Baltikum müssen gehorchen, denn bie neue Blockade können wir nicht ertragen. Unser Nationalgefübl must gereinigt werden van de« Schlacken, die ihm noch anhaften. Die Demora­lisation ist allgemein. Mord und Plünderung find den Leuten im Kriege zur Gewohnheit geworden. W'e soll d-n Arbeitern die Lust rur Arbeit kommen beim Anblick d's schamlosen Luxus der Schieber und Wucherer? st'''- wär- es mit einem zivilen Belagerungszustand Ro'ksge ich m, mit denen man d-n Wucherern rücksich'slos und sofort an den Leib konnte? Von dem Parlament must eine starke sitt- liche Idee, ausgeh'en: Zurück zur Einfachheit?

Hiermck vertagt sich t>a? Hans auf Donnerstag 1 Uhr. Vorher Interpellation Arnstadt: Schutz' der Jugend'. ' . "

----*--- ' *

Waffenstillstandsangebot und Revolution.

Von den Trägern und Verfechtern der Revolution wird diese u. a. damit zu rechtfertigen versucht, daß sie eine Folge des Zusammenbruches des Heeres ge­wesen fei. Diese Behauptung wird trotz' unumstöß­licher ihr entgegenstehender, auch von sozialdemokrati­scher Seite bezeugter, Tatsachen als keiner Beweise mehr bedürfender Grundsatz hingestellt. Jetzt liegt nun ein Zeugnis aus berufenem Munde gegen diese Behauptung vor. Herr Scheidemann, einer der Re­volutionsführer, selbst hat im „Vorwärts" «ings- standen, daß die Revolution längs) auf dem Marsch war, als die O. H'. L. sich' entschloß, die Re- gieruny um die Einleitung von WasfenstiNstandSver- handlnngen zu ersuchen. Er schreibt, daß et in der vertraulichen Sitzung des Haupt ausschusses vom 29. September (die jedoch schon 1 oder 8 Tage früher stoiw-fnnden hat), al? ihm unfaßbare Anschauung«« \ : :-.4fn wurden, gesagt hab«: „Verkennen Sie doch nicht vollkommen die Situation. Macken Sie sich d ch, bitte, mit dem Gedanken vertrmrt, daß hier viel«

i*1’" Tageszeitung für (das früher kurheffifche) Oberheffen

ist

«g um d Nee nntag, b der.

tag 9lai ach Ed, Rürfftf

'stimmi b bei Med»»,

■!?'

x

ri>

•y K

s L O

>.

r

Ä

4

1

:%■

1

Jti. 235

liier

tag« 7.

Die „Oberhefsische Zeitung" erscheint sechsmal «»chentlich. — Der Brinaoprei» beträgt monatlich 1.60 X. frei in» Haut; durch di« Post 1.75 Z. ohne «Ke», eltz - Verl», vr L. Hitzetoth. — Druck der Univ - Buchdr. von I o h. « « g. N » ch. Markt 21/33. — Aernsprecher 55.

Marburg

Mittwoch, 8. Oktober

Der Anzeigen»«!, beträgt für die 8ges». Zeile 30 u. 50's. Deuerungtzuschl

45 amtliche x. «urmirtige 55 Reklamezeile 1.60Jeder Rabatt gilt al» Barrabatt. — Bei Lurkunft durch »ie Leichiftrßell, u. Vermittlung der Angebote 36 4 Londergebthch^— Postscheckkonto: Rr. 6015 Amt Franrsurt a. M.

54. Jchrg

1919

0. »SIH

W

S5H

halt

7GY1 »Bll ■■BI

ISA

t 24 II

i* uni 'N tosoi ».Str. 5 101z |U kaufe, 8511

erb.tiet nba.an

«g______

Hä]«, eine

hfäffer

Bit Mmnig in itiiWn Stilett.

Die deutsche Rote für ungenügend erachtet.

wb. V e r f a i l l e s, 8. Okt. Wie der „Temps" »itteilt, hat der Fünferrat die deutsche Note brtr. Dortige Räumung der baltischen Provinzen für ,«genügend befunden. Sie stehe in Wider­spruch mit den Nachrichten, die er aus Kurland und Litauen erhalten habe. Marschall Fach wurde be- «uftragt, eine Antwort auf die deutsche Note vor- gubereiten. Die in der ersten Note im Falle der Richtausführung vorgesehenen Maßnahmen sollen «ufrecht erhalten und effektiv werden, namentlich «as die Einstellung der Nahrungsmittel- und Roh­materialienzufuhr betrifft. In der heutigen Eitzung soll auch inbetresf der Ueberwachungskom- mission, die die deutsche Regierung vorgefchlaaen hat, entschieden werden.

Die Haltung der brutschen Truppe«.

wb. B e r l i n , 7. Okt. Der Ausruf der R-gie- rung an die Truppen im Baltikum hat seine Wic- Aing nicht verfehlt. Es rollen andauernd Trans­porte zurück. Ein Teil der Truppen ist fedoch durch bie Verworrenheit der Ziels, die er bisher verfolgt hat, noch schwankend in seinem Entschluß. Nachhaltigen Eindruck haben die von Gene.al p. bet Goltz besonders betonten Repressalien, die wtt den Westmächten e-griffen würden, gemacht. 6» ist zu erwarten, daß es dem Einfluß der Führer gelingt, die Masse der Truppen von der Nonnen- Kgkeit ihrer Rückkehr und der Uninöglichleit ihres »eiteren Verbleibens im Baltikum zu überzeugen.

erg

Wie die „Deutsche Allg. Ztg." erfährt, wirkt Heneral v. der Goltz auf die Truppen durchaus in

Pliti« eie alt,

Tages- hem Sinne der ^Befolgung der Befehle de» .Reichs- 844! pvchrministers hin. Der besonnene Teil btt ürup- ——— pen und gerade diejenige» Formationen, die s am bs/21 tüchtigsten bewährten, seien zur Heimkehr g-s-rzi.

;e 12.

b 8687 lafchin«,

wb. Berlin, 7. Ott. Die in Kurland .ichen- tzen deutschen Freikorps haben einen Aufruf .An bas deutsche Vaterland und alle Kulturvölker der

n.

teiche. * - 5x0.80 ignet u, Etektr.

»fragen b 8713

Itlto |b 8685 r Be» j fang *platj 3 et mit! rfaujen. s von 68670 !rdg.

Solo bÖ16 g 12. -

Erde" erlassen, in dem sie ansführen, das; sie e n t- gegen den unter dem Druck der Entente ge­gebenen Beschien der eigenen Regierung ander Frout verbleiben werden, um die deutsche Grenze gegen die bolschewistischen Horden zu schützen und für die wahre soziale Weltanschauung |H kämpfe».

Das Wolfs-Büro erfährt hierzu, daß her Aufruf der Freikorps vor der Regierungskundgsbung mit den letzten Befehlen und Entscheiduuge.n der Reichs- wehrministers zur Räumung des Baltikums aß- gefatzt wurde. Es bleibe abzuwarten, ob di» völ- iige Sperrung von Munition, Verpflegung und Löhnung nicht eine Aenderung des Standpunktes eiit sich bringe, der den Aufruf auszeichne. Wenn rs im Nordosteu noch eine militärische Erfahr des dolschewismus für Deutschland gebe, müsse sie an der Reichsgrenze abgewehrt werden, lieber der Abwehr der bolschewistischen Truppen stehe Aber die Pflicht, eine Wiederverhängung der Blockade abzuwehren.

i

l (43), he (37) 54, HL

eichen.

Die Eiserne Division für dir Russen.

wb. Königsberg, 7. Okt. Nach ei»er tele­graphischen Meldung aus Mita« vom 6. 10. ist dort von Major V i s ch 0 f f an die Soldaten der Eiser­nen Division ein Aufruf ergangen, in dem es

1 gr. 'amen* tehrere 68732

heißt: Wir wollen das von uns und nur von sns eroberte Land unter russische Flagge stellen. Wir wollen den Rusien helfen, ihre Heimat

*35.

*on der Geisel der Menschheit zu befreien. Ihr »ißt, daß ich deutsch bin und deutsch bleibe bis jiim letzten Blutstropfen. So werdet Ihr mir

joM chriitl.

6 873»

84Ä>

glauben, daß Ihr mir auch auf diesem Wege un- badeaklich folgen könnt, daß ich auch hier für Deutschland arbeiten will, indem ich unseren Freun­der. helfe. An der Seite des Korps Graf Keller wollen wir unser Recht verteidigen, und wenn es fein muß, noch einmal erkämpfen. Wird die Entente «ns auch noch da hindern, so zeigt sie nur zu deut­lich ihr wahres Gesicht. Ihre Drohung gegen uns ist nur ein Vorwand, um das deutsche Volk zu treffen. Darum bleibt fest« Soldaten der Eisernen Division, und wenn der Engländer Letten und Esten auf uns hetzt, dann wollen wir zeigen, daß vir unfern Namen mit Recht tragen.

»rs.

ruS.

rasen» lenge* faul* -Ruhf tr 149.

Hierzu wird von zuständiger Seite bemettl: stluch ans dieser Kundgebung spricht völlige Ver­kennung der Lage und der dargelegten Verhältnisse, wie aus dem Aufruf der baltischen Führer. Beson- ö«rs kraß tritt in den Ausführungen hervor, wie külrk stch im Baltikum das Bandenführerwesen cuf ttgen.e Faust herausgebildet hat, das das direkteste Gegenteil soldatischer Disziplin ist. Daß der Major Milche ff dir Entenienote leichthin als leere Drohung ^zeichnet, ohne in den letzten Jahren gelernt zu kben, wie lebensgefährlich für Las deutsche Volk

solche Drohungen find, zeigt die erschreckende Ur­teilslosigkeit dieser kleinen Söldnerführer, die in die Politik eines großen Volkes hineinpfuschen.

6ist MznMktdt d« StiteWtts.

Die Lage im Inner«. — Der F'i-densvertrag. — Angriffe gegen rechts.

SitzunaderRationalversammlung vom ".Oktober.

Am Ministertisch: Er,berger, Müller, Dr. Bell, Schlicke, Schiffer, Noske, Reichskanzler B a ne r u. a. Das Haus ist mäßig beseht, die Tribünen sind ziemlich gefüllt. Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min.

Aus eine Anfrage des Abg. Laverren, (Deutsch»? wegen Verteilung einer Broschüre enthaltend die Schitt. derung der Revolution in sozialdemokratischem Sinne an beimkehrende Kriegsgefangene wird regierungsseitig ge­antwortet, es sei der Regierung nichtz bekannt, daß Kriegs- geiangene an der Broschüre Anstoß genommen hätten.

Zur 2 Beratung des Haushalts des Reicksministe­riums ,be» Reick>ska»r!ers und der Reichskanzlei berich­te: Adg. Koch (Ztc.t über die Ausschuhverbandlungen.

Hierauf nimmt der Reichskanzler das Wort. Er machte zunächst Mitteitungen von der Erweiterung der Neichsregierung durch den Eintritt der Demokraten in das Kabinett und erklärte danp 11 a.: 60 stellt tich Ihnen das Kabinett heute in feiner neuen Gestaltung vor, ein Kabinett, das die übergroße Mehrheit dieses Hauses und ixiniit unseres Volkes repräsentiert. Ob dieses Stärke- verhöltnis immer noch der pirtteipolittschen Schichtung Deutschlands entspricht, sollen die

neuen Wahlen zum ersten Reichstag der Republik zeigen ,di« nicht vor dem Frühjahr angesetzt werden können Die Regiernng wird in dem von ihr bezeichneten Rahmen mit dem früheste a Termin cin- verstanden stin. Eins darf ich frerckiff' und dankbar fesi- ftelken: Es gebt wieder ein Zug nach Arbeit, nach Konsolidieriing durch da? Volk, besonders durch die Arbeiter 6kim5, es wird immer noch zu viel ^ge­streikt in Deutschland, viel zu viel, doch die wilde, unbedenkliche Ett.illmi ist heraus. Eilte Regierung, der vorzusitzen ich d:c Ehre habe, wird nie an das Streikrecht als wirtschajttiches Kampfmittel' zu rühre» wage«. Aber di« anderen zerstörenden Erbschaften des Krieges stehen noch in voller Blüte. Eine moralische Erkran­kung ohnegleichen gift f-3 hier in allen Schichten zu be­kämpfen, mit aller Erbarmungslosigkeit ,obne irgerrdein Nnieben der Person. Auch die parlamentarische Tätigkeit dieses Winters wird in großem Umfang in der Feststel­lung der Recht? der wirtschaftlich Schwächeren, vor allem der Arbeiter, b: stehen. Recht und Rechte verlangt die Ärbeiter'chast i.t dem Um fange, wie es ihrer Bedeutung für das Volksganze j«kommt. Die Republik ist entschlos­sen, diese Rcchtsausscückc zu erfüllen. Der Aukdruck dieses Entschlusses ist vor allem der Gesetzentwurf über dir Betriebsrat e. Der Entwurf eine» Gesetzes über die Wirtschastsrate lyirb ihnen sobald rote möglich vorgelegt werden. Die Wahlen zu den Betttrbsräten sollen möglichst schon im Anfang des nächsten Jahres statlsinden können, und die Wahlen zu den Wirifchasts- raten vielleicht schon einige Wochen später. Die Neich?- regierung ist mit dem Zeniralrat darüber einig, daß da­durch di- besten Wirkungen hervorgerufen werden. Dir können das Streikrecht mit dem Gesetz der Pflicht gegen­über der Albiemeinheit in Einklang bringen. ES muß eine S ck li ch tu u g s 0 r d n n n g, bereit Entwurf dem Rcicksministerium bereits i'.vtti-gt, die Rechtsgarantie» für eine ordnungsmäßig- Besetzung der Schlichtungsausschüsie- und für ein gerc^iies Bersahren sestlegen. Das letzte Ziel dieser Entwicklung ist das obligatorische Schiedsgericht ,das die Streiks auf das äußerste Maß, die schwersten Fälle, beschräntt. Ein Gesetz über den Einstellungsz^ang der Kriegsbeschädigten sott geratt den Schwerbeschädigten Arbeit und Auskommen sichern Daneben gehen wird das große Werk der Neuregelung der Militärrentenversorgung. Ein dritter Weg, den Opfern des Krieges vor allem zu helfen, soll das Heimstättengesetz sein, das Ihnen voraussichtlich in Bälde zugehen ivirb. Aus dem Gebiet des allgemeinen Arbeiterschutzes ist ein A r b e i t s z e i t g e s e tz in Vor­bereitung, das den Achtstundentag sicher stellen soll. Die gefaßten Grundsätze und nicht minder bie finanziellen Mißverhältnisse verlangen eine Umgestaltung der vielfach mißbrauchten ArbeitSlosensürsorg«. Den endgiltigen Abbau der heutigen Zustände soll die gesetzliche Arbeits­losenversicherung bringen. Die Produktton in den Koh­lenrevieren ist noch längst nicht auf der Höhe. Wenn uns nicht eine Steigerung der Arbeit, vor allem in den Eisenbahnwerkstätten gelingt, dann können wir Kohlen und Industrie nicht in den fruchtbaren Zusammenhang bringen. Fast überall in der Welt außerhalb unserer Grenzen ist wieder eine Propaganda am Werke, die uns den Friedenswillen abspricht, die immer noch Imperialis­mus und Vertragsbruch in unseren Handluirgen und Ein­richtungen wittett. Sehr leichten Mißdeutungen und Verdächtigungen, ist die miütänsche Jzrstttution der Re- vublik aussetzt,

die Reichswehr.

Wir brauchen beute die Truppen noch zu zwei Zwecken, 1. um im Innern die statliche Ordnung gegen die Ge­walt'aufrecht zu erhalten, und 2. um hort eine Vorweg­nahme der Entscheidung zu verhindern, wo nach dem Frie- deusvertrag eine freie unbeeinflußte Volksabstim­mung übet das künftige Schicksal deutscher Landesteile

■«■■■MnaMMMMMMHMMIIMiMMMHMI entscheiden soll. Vor dem Inkrafttreten der Friedensver­trages ist die Herabminderung des Heeres auf die Borge- schn'ebene Mindeststärke nicht mögllch. So haben wir heute rund noch 200 000 Mann im Innern und säst ebenso viel an den östlichen Grenzen stehen. Wie alle unsere Einrichtungen, so befindet sich auch die Reichswehr in einem Zustand der ilmbildttng, der Anpassung an die- junge Republik. Wer seine Pflicht tut und seine Stellung nickt seinerseits parteipolitisch mißbraucht, ist in der Reichswehr der Republik willkommen. Eine Volkswebr, das ist unser Ziel. Auf was stützt sich nun daS Märchen vom angeblichen deutschen Imperialismus? Dar Auslatch kann sich nicht so schnell hineindenken in die Tatsache, daß die immer vorhandene pazifistischeGesinnung in Deutschland die Führung an sich gerissen hat, aber daS Schlimmere ist, daß im Ausland au» Deutschland selbst von rechts und von link» das Bich der Republik, gefälscht wich, daß von den Deutschnattonalen wirklich der Eindruck eines erstarkenden Nationalismus angestrebt wird, während die Unabhängigen sich nicht genug tun können in Verdächtigungen der Regierung. Ich erkläre daher mit aller Deutlichkeft und allem Nachdruck: ES ist unser Bestreben, den FriedenSvertrag nach Kräften und in allen' Teilen zu halten und zu erfüllen. In ganz besonderem Maße gilt da» aber von den militättschen Bedingungen be» Vertrage». Zwei Monate nach der Ratifizierung soll da» deutsche Heer nur noch 200 000 Mann betragen, also wird e» 200 000 Mann betragen, nicht einen Mann mehr. Heraus wollen wir au? dem Baltikutn mit allen Mitteln. Der Aufruf der Regierung au die Truppen im Ballikum hat, so denke ich, eine deutliche Sprache gesprochen. Ich bin überzeugt, unser« Maßnahmen werden zu einem Erfolg führen, umso schnel­ler, wem! die Entente unfern Vorschlag annimmt, eine Kommission mit uns zu bilden, deren Aufgabe e» wäre, nach Prüfung der Sachlage die Maßnahmen zur schleu­nigen Durchführung zu treffen, zu überwachen und durch- zusetzen. Drei Tage vor Eintrefseu de? Ultimatums hatte die Reichsrcgiernng bereit» entscheidende Maßnahmen ge« trossen und sie der Entente mitgeteilt. Dennoch karg das Ultimatum mit der fürchterlichen Drohung. De Rych»- eeaiernng hat schärfste Verwahrung dagegen eingelegt, daß auf? Neue fofebe unmenschliche Kriegsmaßnahmen gegen bie Zivilbevölkerung angewendet werden. Bon dieser Stelle aus nehme ich den Protest nochmal» auf, um den etnkacken Tatbestand festzustellen. Während außerbalb des Machtbereiche» der Republik, die mit allen Mitteln ohnmächtig gemacht wucke, Söldner ihrer egoistischen "fhenteurerlust nachgejagt sind, soll auf» Neue den beut» rchen Frauen und Kindern da» bischen Fett und Milch abaebrossell werden, da» unser verarmte» Vaterland außer­halb der Grenzen kaufen kann. So haben wir un» den Nnbruch der Aera be» Bölkerfrieden» nicht gedacht. Der s">ange ersehnte Rücktransport unsererKriegS- 0- e s a n g e n. e n hat endlich begonnen. Außerordentlich schmerzlich ist aber, daß er erst geringe Fortschrftte ge­muckt bat, daß zahlreiche Volksgenossen von un» ge­rissen und andere pe&inb-rt werden, sich un» anzuglie- dern Auch da? müssen wir ertragen, denn wir wollen den Friew-svertmg loyal durchführen. Wa» un» aber kein Friede,ispertraa nehmen kann, ist da» Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit unserer d-'itfche:: Stammesbrüder, bie künftig von un» getrennt "i und getrennt bleiben sollen. Sie müssen wissen, daß wir aus den Gebieten, die uns der Friedensvertrag übrig ließ, für lie sorgen Ich muß »um Schluß auf den Anteil zurückkommen, den die Deutschmrtionalen an der Welt- ve-aiftung haben di- un» b-i jedem Schntt hemmt und 'ckädigt. Fm Ausland hat man sich jahrzehntelana daran gewöhnt, in den A-nheryngen der Rechten die für die Reichskolitik maßgebenden Stimmen »u hören. Da? ma bt ihre Llnslassunaen. so bedeutungslos sie für den Kurs der Repüblik auch sind, so überaus gefährlich. Fch frage die Herren von der Neckten: Können unb wollen Sie die Verantwott:.!,g für dielen gefäbrlick-n Wahnsinn übern-hmen ? Ist b«a überbau vt nock Politik ober nur noch Irrenbaus? Eine angebliche Vaterlandsliebe, die sich so äußert, die dem Gegner solche Macht in die Haick drückt, die darf man nicht frei l-crumlaufen lassen. Wir dulden nicht, baß anouvme Schmiersinken das deutsche Volk in neu« Fäbrlickkeit bringen unb seinen Leumund vor der ganren Welt anss Nene untergraben. Wer sich vi dielen Artikelfchreibern und vor sie sielst, ist für uns kein Teil be? deutschen Volkes. Ich möchte sehen, wer sich ausfchließt von der ungeheuren Mehrheit der Deutschen, wenn die Reichsregieruug, getreu ihrem außenvositifchen Programm, den Ruf Ergehen läßt für den friedlichen Auf­bau. für die polittsche Versiänbigvna, gegen bie gewissen­lose Brunnen Vergiftung des Chauvinismus.

Die Parteir«d«er.

Ahg. Dr. Petersen (Dem.) legt die Gründe dar für den Wiedereintritt der demokrattfchen Partei in dir Regierung. Dies« seien vor allem vaterländische Gründ«, die über dem Patteistandpunkt stehen. Der Redner wendet sich' in längerm Auslührungen gegen die Rechte, besonders gegen den Attikel be? Grälen W-siarp. (Unterbrechungen und Gelächter reckt».) Wir wollen die demokratische Reg'erung unterstützen- aber wir wollen auch ein kräftiges W^tt miträsen Politi­sche Streik? müssen verhindett werden. Wir ver­langen Schutz gegen jeden Terrorismus. Dem Handel müssen unnöttge bürokratische Fefsttn abgenommen iverden, die nur zu Nmg«Hungen des Gesetzes ver­leiten. Das Kapital muß herangezoaon werden zur Deckung der Bervflichtungen des Reickes. Aber es muß so weit geschont werden, daß nicht ganze Wirtschaftsleben unterbunden wird'.