mit dem Kreisblatt für den KreiS Marburg
Tageszeitung für (das früher kurhesfifche) Oberhessen
1919
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haben, hinter obige beschriebene Grenze zurückzuziehen. Sie hat sich ferner jeder Ermächtigung zum Eintritt in solche Dienste zu enthalten und die Annahme solcher Dienste aufs strengste zu verbieten. Die Räumung mutz unverzüglich in Angriff genommen und ohne Unterbrechung durchgeführt werden. Die verbündeten Regierungen erklären, daß sie bis zu dem Zeitpunkt, wo sie festgesetzt haben, daß ihrem Ersuchen voll entsprochen wird, keinerlei von der deutscher Regierung unterbreitete Anträge bezüglich der Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln und Rohstoffen in Betracht ziehen werden. Sie haben infolgedessen die Anweisung gegeben, keinem dieser Anträge stattzugeben. Zm übrigen werden die verbündeten Regierungen alle finanziellen Erleichterungen, die die deutsche Regierung -gegenwärtig genießt oder die die deutsche Regierung bei den verbündeten Regierungen oder deren Angehörigen zu erlangen sucht, ablehnen. Wenn die deutsche Regierung weiterhin ihren Verpflichtungen nicht nachkommt, werden die verbündeten Mächte alle ihr erforderlich erscheinenden Maßnahmen ergreifen, um die Ausführung der genannten Vestimniungen des Waffenstillstands- vertrages sicherzustellen.
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H-Bootsbau der Werften und dem Motorbau zuzuweiscn. Die Armee mußte jetzt die Arbeiter stellen, die Politik die Kricgsführung ergänzen, die Diplomatie nicht abwartend beiseite stehen, sondern sich mit ganzem Herzen dafür einsetzen.. Statt dessen wurden Ausnahmen
Die gestern bereits kurz mitgeteilte Rote der Verbündeten, in der sofortige Zurückziehung der deutschen Truppen in den baltischen Gebieten verlangt und bei Nichterfüllung Sperrung der Lieferung von Lebensmitteln und Rohstoffen sowie der gewährten oder zu gewährenden finanziellen Erleichterungen angedroht wird, ist von General Nudant dem Vertreter der deutschen Waffenstill- standskommission in Düsieldorf übergeben worden. Sie lautet im Wortlaut:
Rach dem Wortlaut des Artikels 12 des Waffenstillstandsvertrages vom 11. November 1918 übernahm Deutschland folgende Verpflichtung: Sämtliche deutschen Truppen, die augenblicklich auf Gebieten stehen, die vor dem Kriege zu Oesterreich- Ungarn, Rumänien oder der Türkei gehörten, müssen unverzüglich hinter die Grenze Deutschlands vom 1. 8. 1914 zurückgezogen werden. Sämtliche Truppen, die sich gegenwärtig auf Gebieten befinden, die vor dem Kriege zu Rußland gehörten, müssen gleichfalls hint<r die oben beschriebene Grenze Deutschlands zurückgenommen werden, und zwar, sobald die Verbündeten es verlangen. Marschall Foch, Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen, ließ am 27. 8. wissen, daß für Deutschland der Zeitpunkt zur Räumung der genannten Gebiete gekommen sei. Er hielt die deutsche Regierung durch seine Note vom 3. 9. zur Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten an. Die deutsche Regierung versucht, sich obiger Verpflichtung zu ent- -iehrrr durch ersten Bericht, der Gründe anführt, die die verbündeten Mächte nicht als stichhaltig anerkennen können. Die verbündeten Regierungen lehnen es insbesondere ab zuzulassen, daß die deulsche Regierung sich der ihr zufallenden Verantwortung dadurch entzieht, daß sie vorgibt, nicht die Macht z u h a b e n, die im Baltikum stehenden Truppen zum Gehorsam zu zwingen. Sie er- 'uchen demgemäß die deutsche Regierung,-unverzüglich die Zurückziehung sämtlicher deutschen Truppen, Stäbe und Dienftftellen, die sich in den baltischen Provin-en noch befinden, in Angriff zu nehmen: desgleichen hat die deutsche Regierung unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um alle Deutschen, die nach der Demobilisation-Dienste in russischen Formationen, die in den genannten baltischen Provinzen gebildet sind, angenommen
Zu dieser Note schreibt die „Deutsche Allg. Ztg.": Daß die Reichsregierung nicht versucht, dem Abkommen, das sie «angegangen ist, zuwider zu handeln, ist durch eine Reihe von Maßregeln erw'esen. Es bleibt zweifelhaft, ob die Regierung praktisch imstande sein wird, der deutschen Nationalität Entwachsene wie Deutsche zu behandeln. Es ist zu hoffen, daß der Verband die angedrohten Maßregeln, die Deutschlands Ruin bedeuten würden, dann nicht in die Tat umsetzen wird; wenn er die Ueberzeugung gewinnt, daß die Reichsregierung alle Mittel des Willens und der Tat einsetzen wird, um dem Vertrage gerecht zu werden.
Abberufung des Generals v. der Goltz.
wb. B e r l i n, 29. Sept. Nach zuverlässiger Mitteilung ist General v. der Goltz, nachdem seine Bemühungen, die Truppen zum Abmarsch zu bewegen, erfolglos geblieben sind, endgültig abberufen worden.
von der juristischen Seite cibsche, politisch und militärisch u n z io e ck m ä ßig. Welche Gründe Vorgelegen haben, unter Uebcrgehung meines Votums den U-Boot?krk«g in Szene 31t setzen, ist mir nicht bekannt geworden. Jedenfalls war ich wieder einmal, diesmal toohl in einer der wichtigsten Fragen meines Ressorts, n n g e h ö r t geblieben, der U - B 0 0 t s k r i e g über meinen Kopf h i n io e g und gegen meinen Willen eröffnet, in einer Form, die nicht Glück verhieß."
An der Aufnahme des uneingeschränkten Unterseebootkrieges am 1. Februar 1917 war Tir- pitz nicht beteiligt, da er nicht mehr im Amte war.
Anfang März 1916 wurde er telegraphisch auf- gefordert, seinen Abschied einzureichen, was er am 12. März tat. Am 17. März erhielt er ihn. Tirpitz war für Erklärung des uneingeschränkten U-Boot- kriegs Anfang 1916 cingetreten, weil ein längeres Hinausschieben England Zeit zu weiteren militärischen und wirtschaftlichen Abwehrmaßregeln lasten, unsere Verluste später nur erhöben und den baldigen Erfolg in Frage stellen würde. Je eher die U-Bootwaffe eingesetzt werde desto eher werde der Erfolg eintreten, desto rascher und energischer werde Englands Hoffnung, uns durch einen Erschöpfungskrieg niederzuringen, vereitelt werden. Mit England sei aber auch der Koalition unserer Gegner das Rückgrat gebrochen. Tirpitz drang aber nicht durch. Der U-Bootkrieg wurde (auch gegen die Stimme des Eeneralstabschefs v. Faikenhayn) vertagt und erst ein Jahr später, aber auch dann nicht restlo--, und ohne Ausnahmen, durchgesührt. Tirpitz schreibt darüber u. a.:
„Es Ivar ein Unglück daß der U-Bootskr':cg von einem Staatsmann geleitet wurde, der ihm mit ablehnenden Grundgesühlen gcgcuübcrstaud und ihn deshalb, so wie er ihn bisher verhindert hatte, nunmehr auch in diesem letzten Stadium noch lähmte. Im Jahr 1916 konnten wir es vielleicht noch verantworten, die Wirkung des U-Bootskriegs durch Ausnahmen zugunsten einzelner Neutraler und anderes zu durchlöchern. Im Jahre 1917 war es dazu zu spät. Wenn wir alles auf diese eine Karte setzten, war erstes Erfordernis, daß alle militärischen, politischen, personellen und technischen Mittel in den Dienst dieser Sache gestellt wurden. Die Marine hatte jede andere Aufgabe zurückzustellen, alle irgend verfügbaren Menschen und Einrichtungen dem
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U-Bootskrieges auf den feindlichen Frachtraum im Jahr 1916 auch die Entfaltungsmöglichkeiten für amerikanische Heereskrast von ' vornherein beschränkt. Sodann aber war Amerika damals zum Eintritt in den Krieg gegen uns innerlich'noch nicht reif. Da die Reichsleitung mir das politische Material nicht zur Kenntnis gab, erkenne ich jetzt mit noch viel größerer Deutlichkeit als im Frühjahr 1916, daß Wilson damals, zumal vor seiner Wiederwahl, gar nicht in der Lage gewesen wäre, uns den Krieg zu erklären. Indem wir aus bloßer Angst vor diesem Schreckgespenst und unter Heranholung von Ausflüchten, wie der rumänische« Ernte, der Rücksicht auf das amerikanische Hilfskomitee für Belgien u. dgl. damals vor Wstson einknickten, haben wir erst selbst das Schreckgespenst für 1917 in Wirklichkeit umgewandelt."
In einem Briefwechsel im Juli 1917 mit dem verstorbenen Generaldirektor der Hamburg-Arne- rika-Linie Ballin führt Tirpitz dieselben Gedanken aus. Er erklärt, wir hätten England zur Ergreifung der erforderlichen Eegenmaßregeln (Bau von U-Bootsjägern, Bewaffnung der Handelsflotte ufw.) die erforderliche Zeit gelüsten. 1916 hätte der U-Bootkrieg ein Monatsergebnis von 700 000 bis 1 Million Tonnen gehabt. Jetzt wüste er aber mit. zähester Energie fortgesetzt werden.
Aus den Kriegsbriefen des Großadmiral» geben wir einige Stellen im Auszug wieder. Sie enthalten eine scharfe Kritik des Systems Beth- mann Hollweg und der Männer um den Kaiser und' ihrer Handlungen bezw. llnterlastungen, deren gefahrvolle Wirkung für Reich und Volk ein Man« der Tat und der weltpolitischen Erfahrung, wie e» Tirpitz ist, sofort klar erkannt hat:
C 0 b l e n z, 19. 8. 1914. DaS Ultimatum von Japm. vernichtet eine 20jährige erfolgreiche Tättgkeit; aber wir müssen durch, solange als irgend möglich. Zum Frühstück bei 'S. S. S- M. übersah die Situation vollständig und hatte ganz klare Ansichten. Wenn er nur nicht Beth» manu gehabt hätte in den letzten Jahren, so wäre alle» besser geworden. Er war stolz, daß seine sechs Söhne vor dem Feinde ständen. Er war m. E. etwas zu opti» mistisch betreffs der Nicderzwingung Enland, hielt sich sehr stark an die Gerechtigkeit Gottes. Ich bestättgte die»» fügte aber hinzu, wir müßten auch unsererseits diese verdienen. Männer seien nottvendig an allen Stellen.
C 0 b t e n z , 30. 8. 1914. Bethmann bearbeitet PoP fortwährend, die Flotte nicht cinzusetzeu. Das wäre der Tod unserer Flvtte nach dem Kriege. Er und die ganze Bande von Diplomaten will die Flotte verkaufen beim Friedcusschluß mit England, das ist da» ganze Geheimnis.
C h a r l e v i l l e, 8. 10. 1914. Vom Kaiser ging ich vorgestern ganz niedergedrückt nach Hause. Ich bin dafür eingetreten, daß Deutschland in der Welt eine Stellung bekäme. Dazu mußte es u. a. eine Flotte haben. Diese Flotte zu bauen, kostet lange Zeit; sie ist aber jetzt schon in erheblichem Maße vorhanden, so daß sie in einem Weltkrieg zum Tragen kommen müßte. ES ist richttg, daß die englische Flotte nicht herankommt. Ich will auch zurzeit nicht, daß unsere Flotte nach England gebt und wir dort schlagen. Aber ich halte für absolut falsch, daß man Jngcnohl den Befehl gegeben „nichts zu riskieren", gegen keine Ucbermacht zu schlagen. Das heißt mit andern Worten, unsere Flotte einbalsamiercn, und dann stelle Dir den Frieden vor. Dazu kommt dann die politische Seite. Wir haben m. E. jahrelang und noch länger eine Schaukelpolittk getrieben, die uns schließlich mit der ganzen Welt verftindet hak, und Bethmann schwebte über den Wolken. Deshalb fiel er auch heran» aus denselben, als Englands Botschafter aus Berlin ab- reiste. Die einzige Hoffnung bleibt das Durchhaltcn und Durchhalttnkönncn;< dazu gehören aber eiserne Männer, und wenn man di« Leute um den Kaiser und Bethmann sieht, so wird man arm an Hoffnung. Rach dem Kriege freilich kommen gewalttge Umänderungen im Innern. Du weißt ja, wie oft ich gesät habe, e» muß eine Katastrophe kommen, man weiß nur nicht wie und ivann. Man sah es daherkriechen und konnte doch nichts ändern und wird zum Schluß als der Schuldige genannt werden. Viele haben auf mich gerechnet, und ich kann gar nichts ändern, und das Wenige, was ich tu» könnte auf maritimem Gebiet, wird mir auch verschlossen, weil man das Spielzeug nicht verlieren will. Wie alles, war auch dieses nur Spielzeug.
C h a r l e v i l l e , 10. 10. 1914. Der Kaiser sagte zu Bethmann und Jagow, daß sie, die Diplomatte, nicht wieder das verlieren sollte, war da» deutsche Schwert erworben. Verlegenes Lächeln der beiden. Admiral v. Müller bedauert nun auch den Befehl, den Pohl im Auftrag vom Kaiser an Jngenohl geschickt hat und der eigentlich den Befehl des völligen Einkapfeln» der Flott« enthält, dabei obendrein mit Löchern, deren Verwendung aussichtslos und gefährlich ist.
Charleville, 15. 10. 1914. Die jetzige Krieg»- führung führt zur Tötung jeder Jnittattve und zur allgemeinen Versumpfung. Damit geht auch die Flotte nach dem Kriege zurunde. Es ist und bleibt merkwürdig, wie sehr unbeliebt wir sind und wie vollständig unser ganzer diplomatischer Dienst zusammengebrochen ist. E» kommt eine geradezu erschreckende Unfähigkeit au fast allen Stellen zutage. Doch ich will noch von Antwerpen erzählen. Ich folgte den Spuren unserer Marinedivision, di« sich sehr brav geschlagen hat. Der alte Seebär Schröder hat seine Sache vortrefflich gemacht, sehr energisch and fche
unserer ganzen Kriegsführung, der Mangel einer dem cngli fchen Kriegs- Willen ebenbürtigen Einigkeit und Festigkeit bestand fort, folangc das Bethmannsche System am Ruder blieb. Wenn sich die Reichsleitung damit belud, einen ll-Bootskrieg zu verantworten, an den sie nicht recht glaubte, und sodann seine Ausführung zu schädigen, so hatten sich in Wirklichkeit die Aussichten des U-Bootskriegs gegen 1916 in gewaltigem Umfang verschlechtert. Bis zu meinem Rücktritt hat das Reicksmarineamt soviel U-Boote gebaut, wie überhaupt möglich waren. Nebenbei e rwähne ich nur, daß der U-Bootskrieg, wenn er 1916 geführt worden wäre, der britischen Hochseeflotte voraussichtlich nicht erlaubt hätte, sich nach der Schlacht am Skagerrak so folgerichtig in Scapa Flow versteckt zu halten. Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob nach meinem Rücktritt der U-Boolsbau mit derjenigen Kraft weite--gefördert- worden, di« erforderlich gewesen wär«. Entscheidend war aber die alle Befürchtungen nod) übertreffende Zunahme der feindlichen A b w ehr maßregeln. England !var gegen die U-Bootsgcfahr unvorbereitet in den Krieg getreten. Sowie cs die Tödlichkeit dieser Gefahr erkannte, hat cs sich mit Unterstützung des hilfreichen Amerikas auf die Schaffung von Schutzmaßnahmen geworfen die z w a r noch' nicht 1 9 1 6 . w o h l aber 1917 mit Macht zu wirken begannen. Man vergegenwärtige sich allein, daß später viele tausend allmählich gebaute U-Bootsjäger gegen uns in Tätigkeit standen. Unsere U-Boote konnten km Februar 1916 noch unter den feindlichen Handelsschiffen Hausen, wie Wölfe in Schasshcrden; später war cs ein regelrechtes Gefecht, das sie führen mußten. Aus einer Zerstörungsarbeit war eine gefahren- und verlustreiche Kampfhandlung gc- worden. ... Ich möchte darauf Hinweisen, daß im Frühjahr 1916 die Wahrscheinlichkeit, daß Amerika Truppen herüberbrachte, viel geringer war als ein Jahr später. Einmal tzättr di« stärker« Wirüung des
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Die „(Erinnerungen“ des Großadmirals v. Tir - ißitz'die bereits im Juli erscheinen sollten, werden uni morgen der Öffentlichkeit übergeben werden '^Verlag K. F. Koehler, Leipzig). Wie kaum eine N ist die Person des Großadmirals umstritten. Heine „Erinnerungen" schaffen hier Klarheit und legen seine Bedeutung als Politiker und Soldat, seine Pläne und Absichten erkennen, deren Durch- pihrung höchstwahrscheinlich Deutschlands Platz in her Welt gesichert haben würde. Tirpitz gehört zu denjenigen Männern, denen von vielen mit der Ausgang des Krieges zur Last gelegt worden ist, auch hat man ihn in die Kategorie der „Alldeut- jchen" und „Kriegsverlängerer" eingereiht, na- «nrlich aber für den ll-Bootkrieg verantwortlich gemacht. Wie es in Wahrheit damit steht, geht aus stützen „Erinnerungen" zweifelsfrei hervor. Wir Pchen einige Hauptpunkte Iieroof:
Das Odium der Kriegserklärung.
‘ Ti pitz verurteilt es, daß Deutschland als
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'mmenÄ -Angegriffener das Odium der Kriegserklä-
,efi 44 , ung an Rußland und Frankreich auf sich nahm, - ------r der Chef des Generalstabs, General
llrber diese Angelegenheit und die Haltung Beth- rvann Hollwegs schreibt Tirpitz u. a.:
»Ich hatte ben' Eindruck, daß auch nach dieser Rich- g unsere Aktion völlig unüberlegt und hne jede Regie verlief, und mein Gefübl sträubte dagegen, daß !vir, die wir doch in Wahrheit die Au sftenen untren, vor der Welt wegen der Juristen des
Srtigen Amte? das Odium des Angrttlers über- Wanten sollten, obwohl wir gar n t ck t beabsichtig« n konnten, in Rußland eiuzumarschicren. Beth- ?««>rn war in diesen ganzen Tagen so aufgeregt und -iSerreizt, daß nicht mir ihm zu sprechen loar. Ich höre 6ii «och. wie er mit erhobenen Armen, wiederholt die Mlbcdiugte Notwendigkeit der Kriegserklärung tn-rontc Und damit jede weitere Erörterung abschnitt. Molilc, nachher von mir gefrat, sagte mir, daß er auf die Kriegserklärung von seinem Standpunkt aus keinen Wert bgie. Das Rätsel, weshalb wir zuerst den Krieg er- i Sölten, bleibt also für mich ungelöst. Vermutlich taten Wir ci aus s o r m a l j n r i st i s ch c r Gewissen - haftigkett. Tic Russen fingen den Krieg ohne Er i Wrnng an, aber mir glaubten uns nicht ohne eine solche kehren zu dürfen. Außerhalb Deutschlands hat man für solche Gedankcngäiie kein BcrständniZ gehabt. Der eindruck von der Ko p f l o s i g k c i t unserer politischen Leitung wurde immer beunruhigender. Der Durchmarsch durch Belgien schien if>< vorher nicht eine feststehende Tatsache gcivesen zu sein. Seit der rus- ' fisch cn Mobilmachung machte der Kanzler den Eindruck eine? Ertrinkenden .'. . Beim Herausgehen sprachen die Militärs mit mir entsetzt über d e n Z u - stand der politischen Leitung. Nickt weni- -er bekümmerte mich aber der Eindruck, daß der General- tzab die Bedeutung eines Krieges gegen England nicht richtig einschätzke und darüber rücksichtslos zugunsten des i Krieges gegen Frankreich hinuegiug, weil er anscheinend ■er auf einen kurzen Krieg eingestellt war. Die Entscheidungen der Stunde wurden in nichts geleitet durch Nrermogene politisch-strategische Mobilmachungsplänc Sr den G-samtkrieg. Der Kaiser war, als er das Gchiitern seiner Friedcnsbemübungen erkannte, ins Fn- ■ersie getroffen. Ein alter Vertrauter, der mit ihm in kn ersten Augusttvgcn zufammcnkam. äußerte, er hätte ke ein so tragisches u n d zerstörtes ^Gesicht »tsthcn, wie das des Kaisers in diesen Tagen."
Der Unterseebootkrieg.
Der Anterseebootkrieg — Erklärung der Ge- «sfer um England als Kriegsgebiet, in dem jedes Kindliche Handelsschiff zerstört werden würde — taube am 4. Februar 1915 erklärt und zwar ent- |e g e n der Ansicht des Großadmirals v. Tirpitz Ard über seinen Kopf hinweg, eine Tatsache, die in der Presie bereits festgestellt wurde, aber k»solge des lleberwucherns des parteipolitischen Streites in dev» großen Oeffentlichkeit nicht "llge- ■efn bekannt geworden ist. Tirpitz war zunächst Air für Blockade der Themse eingetreten ta» folgenden Gründen:
.Fch hielt eS für richtiger, erst einmal im Kleinen tazusanaen und u sehen, wie die Dinge militärisch und ! taktisch lausen mürben. Eine selche Beschränkung hätte taferen Mitteln bester entsprochen und die Welt allmäh- jiich m den neuen Sperrgedanken gewöhnt. Wir hätten Amerika geschont, insbesondere die stets auf Liverpool fahrenden atlantischen Pastagierdampfer nicht berührt und so die Gefahr verringert. Admiral v. Pobl sstamal« khef des Admiralstabcs) machte sich meinen Standpinckt nicht zu eigen. Im Admiralstab war man tat her Ausarbeitung meines Gedankens der Themse- - bette beschäftigt, als Pohl unter dem 31. Januar auf ^Mnal unter Berufung auf den Reichskanzler die Sache tattot:rf. Durch die Ausdehnung de? Sperrgedankens
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Die „Oderhesstsche Zeitnng" erscheint wöchentlich. — Der
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