Tageszeitung für (das früher kurhessifchej Oberhessen
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Die „Oberhessiflhe Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Der Bezugspreis beträgt monatlich 1.60 Jt. frei int Hau»; durch die Poft 1.7.5 ebne Bestellgeld — Verlag »on Dr. €. Hitzereth. — Druck der Itniö . Buchdr. von Joh. A u g. Noch. Markt 21/23. — Fernsprecher 65.
Marburg
1919
Der«nzeigen»rei, beträgt für die 3gesp. 3eiU80 ^.u. 83V,•/. reuermigSzuschl- rj <Yrtf.rrt wlWivUly — 404, tmtl. M. auswärt. 40 4 *■ LS'/.Deuerungsznschl. = 50 4,Reklamezeii« *>**yiH*
OTliHmn* 17 ,-60-*- Jeder Rabatt gilt «l, «arrabatt. — «ei Xust. d bie «eichästsst. *. Ser»
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wb. Paris, 16. Sept. (Havas.) Nach dem
Gegen alle „russischen Abenteuer
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Rückgabe der adgelieserten deutschen Lokomotive»?
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Werden gesammelt, die nach Fiume abgehen. .Ne Triester Legion sollen sich bisher über -Rann gemeldet haben.
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Hliisse gefaßt werden. Der Rat beschäftigte sich |nncr mit der Lage in den baltischen Prokin zeu, die durch Marschall Foch dargelegt Wurde. Er beschloß Maßnahmen in Bezug auf die Räumung dieser Gebiete durch die Truppen von kr Goltz und durch die russisch-deutschen Korps. Der Oberste Rat hieß die zwischen Lloyd George Md Eldmenceau getroffenen Abmachungen über ; die vorläufige Regelung der Lage in Sibirien gut. Diese werden solange in Kraft bleiben, bis hie Vereinigten Staaten sich bereit erklären, sich Wit dem ganzen Fragenkomplex über das Statut s: betreffend die Türkei zu beschäftigen.
5 wb. Paris, 16. Sept. (Havas.) Nach der
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Wegten Verlauf. Alle Mitglieder, darunter auch ittoni, hielten dafür, daß die Soldaten d'Annun- sDos wenn möglich mit Gewalt gezwungen wer- müßten, die Waffen niederzulegen. Die Er- tung einer Blockade sei nicht in Aussicht ommen.
wb. Triest, 16. Sept. Infolge der Ereignisse Fiume herrscht in hiesigen italienischen nationa- stchen Kreisen große Begeisterung. Freiwillige
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»turne. — Räumung bet baltischen Gebiete durch die deutschen Truppen. — Sibirien.
wb. P a r i s, 16. Sept. Der Oberste Rat hielt gestern im Kriegsministerium zwei Sitzungen ab, j tu denen er die wichtigsten der gegenwärtigen Pro- i tleme der rruswärtigen Politik besprach. Hinsicht- Ach'der H^etzuusE i u m e s durch d'Annunzio beschloß der'Oberste Rat, der italienischen Regierung pr überlassen, die Angelegenheit ins Reine zu ' bringen, "hr’bet Annahme, daß dieses Handeln v |tin internen Charakter habe. Gleichzeitig tfct kommt der Oberste Rat zu dem Schluß, daß die noch immer schwebende Frage in der kürzesten grift gelöst werden müßte; da unglücklicherweise die »merikanische Abordnung noch immer ohne Jnstruk- Hion ihrer Regierung sei. könnten noch keine Ve-
* “ ^Chicago Tribüne" wurde Marschall Foch beauf- 0 ' tragt, an Deutschland eine Rote mit Ulti-
m xgen d e deutschen Truppen in Litauen zu treffen, 79 Wr die es verantwortlich gemacht wird, und die r »ich «nve r zü gl ich zurückgenommen werden tßl. h h «Men.
ireiia« Oeuvre" nahmen die Besprechungen über die Er- zftigniffe in Fiume im Obersten Rat einen sehr be-
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wb. Paris, 15. Sept. (Reuter.) Dor Oberste sRa: befaßte sich mit der russischen Frage, stimmte r schön« vkt britischen Räumungspolitik zu und Mach sich gegen alle russischen Abenteuer der Ver- *11—f au«. Der Oberste Rat gab seiner festen
'' 1311 Leberzeugung Ausdruck, daß die Russen ihre Zu- ’ hnft selbst gestalten müsien, vorausgesetzt, daß "771 die Rechte ihrer Nachbarn achten.
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Berlin, 16. Sept. Nach der „Voss. Ztg." be- chWoß die französische Regierung, die deutschen Lo- l^motivcH bis auf einen kleinen Teil zurückzugcben, 4 j die meisten deutschen Maschinen in Frankreich 68jä iwegen der schlechten Bcschasseicheit der Kohle nicht "TTjji f^nutzt werden können. Dem „Malin" zufolge ilElr i Deutschland 2000 Lokoniotiven abgeliefert, 1 •’n denen Frankreich 1700 zurückgeben werde. Die i°^oss. Zig." stellt hierbei fest, daß die Zahl der von
Verwendung mindestens 2 Monate, Eintritt
•. njt ^vrt. Gesuche sind an die WsffenftiLftandskom- 11 hgA *EUon Abteilung 1, IV Berlin zu richte-r.
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s^uischland abgelieferten Lokomotiven bedeutend »ohcr ist und beinahe die im Waffenstillstands- Ertrage geforderte Ziffer von 5000 erreicht.
Zutsche Dampfpflugführer für Frankreich gesucht. __. wb. Berlin, 16. Sept. Die französische Re-
L«ung ist an die deutsche Regierung mit der Bitte n, ^rangetreten, ihr für die von Deutschland auf iebetii* ’»runb des Waffenstillstandes gelieferten Dampf- Lehrpersonal zur Einarbeitung französischer ■' As^wpfpflugfiibrer zur Verfügung zu stellen. Ve- irkau^^gt werden zunächst etwa 35 Mann, die in So ‘ issons Jinter einem Vertreter der deutschen __ lfsenstillstkindskommission geschloffen arbeiten sol- jtfttft|f?n- Süi völlige Bewegungsfreiheit, gute Behand- ne 11 bchutz gegen jegliche Belästigung hat die "e 46Mx^nzöfifche Regierung alle Garantien übernommen. -ikoE-Melohn bei freier Wohnung und Verpflegung g, tjj>| m) französische Franken, gleich etwa 60 -st. Dauer
tob. Berlin, 16. Sept. Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten versammelte sich heute um 2 Uhr. Den Hauptgegenstand der Beratung bildete die Frage, welche Stellung zu der Note der verbündete« Mächte betreffend die Reichsverfassung einzunehmen ist.
wb. Paris, 16. Sept. Nach einem Telegramm des „Journal" aus London versichert man, daß Lloyd George Frankreich nicht verlassen werde, bevor er die Absendung einer offiziellen Gnladung an Holland zur Auslieferung des Kaisers erreicht habe.
wb. Amsterdam, 16. Sept. Bei der Einbringung der Ratifizierungsvorlage im australischen Parlament. hat Hughes die Bedingungen mitgeteilt, unter denen Australien ein Verwaltungsmandat für die früher deutschen Südsee-Jnseln gegeben wurde. Diese sind dieselben wie für Südwestafrika.
tob. Montreal, 16. Sept. (Havas) Das Parlament hieß den Friedensvertrag gut.
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EilllMimqen des Senators MÜL
Lloyd Georges russische Politik.
tob. H a a g, 16. Sept. Wie der „Nienwe Courant" aus Washington meldet, erllärie das frühere Mitglied der amerikanischen Friedensabordnung in Paris William Bullitt im Senatsansschuß für auswärtig: Angelegenheiten, daß Lenin einen Waffenstillstand Vorschlag. House und Smnts seien damit einverstanden gewesen. Lloyd George habe den Widerstand der Northcliffepresse gefürchtet und die Entsendung des einen oder anderen Konservaliven nach Rußland vorgeschlagen, um die Lage zu untersuchen. Der Vorschlag sei aber nicht durchgeführt worden, weil Kolt- schak damals gerade Fortschritte machte. Zu der Er- llärung Lloyd Georges im Unterhause, daß die Sowjet- reg'erung im Untcrhause niemals Friedensangebote machte, sagte Bullitt, dies sei ein besonderer Fall von Irreführung der öffentlich en Mein«ng. Lloyd George habe die Absicht gehabt, das Angebot der Sowjetregierung zu befürworten, habe aber erfahren, daß Northcliffe und Churchill ihrerseits die Absicht hätten,, seine Politik zu durchkreuzen, wenn er das Angebot annehmen würde. Die beabsichtigte Zuammenkunft auf der Insel Prinzips sei aus das Ersuchen Lloyd Georges fallen gelassen woiden. — „Newyork Sun" schreibt, die Erklärung Bullitts habe dem Fricdensvertrag einen schrecklichen Schlag versetzt und dem Völkerbund einen tödlichen Schlag. „Newyork Tribüne" sagt, es sei möglich, daß der Friedensverirag verworfen werde oder daß so drastische Abänderungen angenommen werden würden, daß der Präsident sich weigern werde, ihn an die Verbündeten zu schicken.
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Ein Erfolg Wilsons gegen die Opposition.
wb. Amsterdam, 16. Sept. „Telegraas" meldet aus London, daß es Wilson nach einem Bericht des amerikanischen Korrespondenten der „Times" in Seattle endlich gelungen sei, den Extremisten im Senat, die den Friedensvertrag und den Völkerbund a b l e h n e n wollen, eine Niederlage zuzu- fiigen. Er habe die Opposition gezwungen, den Gedanken an einschneidende Aenderungen fallen zu lassen und sich mit Vorbehalten, durch die der Vertrag nicht geändert werde, zu begnügen. Das sei ihm dadurch gelungen, daß er erklärte: „Zch habe von jetzt an meine Aufmerksamkeit darauf gerichtet, dafür Sorge zu tragen, daß die Vereinigten Staaten nicht von einer Minderheit beherrscht werben." Diese Bemerkung brachte Wilson minutenlangen Beifall ein.
Der „Times" wird von ihrem Korrespondenten aus Newyork berichtet: Gestern begann im Senat die Aussprache über den Friedensvertrag. Jeder Senator hat ein gedrucktes Ersuchen erhalten, den Friedensvertrag ohne Verzögerung und u n g e ä n - d e r t anzunehmen. Das Ersuchen ist von 250 Männern und Frauen von Namen unterschrieben, darunter Expräsident Taft.
wb. Versailles, 16. Sept. Oberst House ist in Paris angekommen. Er erklärte, bisher sei für die Organisation des Völkerbundes so gut wie nichts getan worden. Alle Arbeiten ruhten, bis der Senat den Friedensvertrag ratistzicrt habe.
tob. Versailles, 16. Sept. Nach Meldung des „Petit Journal" aus Newyork erklärte Hoover bei seiner Ankunft, Amerika müsse wenigstens 50 Prozent der Nahrungsmittel nach Europa schicken, die Europa für seine Ernährung notwendig habe. Das könne ober nur geschehen, wenn das Land sich im Friedenszustand befinde, und es sei unmöglich) diese Lieferungen ohne den Völkerbund auszuführen.
wb. P o r t l a n d, (Oregon), 15. Sept. Bei einem Automobilausflug einer Gesellschaft des Präsidenten Wilson überschlug sich ein Wagen. Dabei toutben der Besitzer des Antos und ein Journalist gelötet.'
Zwei andere Journalisten wurden verwundet. Wilson blieb unverletzt. _
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Angriffe ans das englische Kabinett.
Der drohende Bankerott.
wb. A m st e r d a m, 16. Sept. Lord Rother- m e r e schreibt im „Suuday Pictorial", Lloyd George werde sich sofort nach seiner Rückkehr aus Frankreich mit der Frage der Einschränkung der Ausgaben und mit der russischen Frage zu beschäftigen haben. England könne nicht mit dem jetzigen Budget bis März wirtschaften. Für den Bankerott, wovon das Land bedroht werde, sei in erster Linie die Regierung verantwortlich. Lloyd George müsse sosort mit der gewaltigen Aufgabe einer einschneidenden Einschränkung der Ausgaben beginnen und an Stelle Bonar Laws einen neuen Minister ernennen, dem das ganze Volk unbegrenztes Vertrauen schenke. Lord Rothermere schlägt vor, zur Abtragung dr Schuld, die England in Amerika habe, den Vereinigten Staaten die Bermuda- und Vahama- und einige westindische Inseln zu v e r k a u f e n. Sogar Vie A b t r e t u n g von Britisch-Euyana und Britisch-Honduras lönnte England anbieten. Das würde zwar für Englands Stolz ein Schlag sein, aber wenn jemand vor dem Bankerott stehe, verkaufe et einige seiner Aktiva. Man müsse sich nach der Decke strecken.
Die irische Frage.
wb. Amsterdam, 16. Sept. „Daily News" veröffentlicht eine Unterredung mit Feldmarschall French, worin dieser erklärte, daß die irische Republik unter keinen Umständen anerkannt werden würde. Die Pläne, die Lloyd George für die Regelung der irischen Frage habe, gingen keinesfalls über eine gemäßigte Homerule ohne Lostrennung hinaus. Die ^Times" verlangt von der Regierung, daß sie unverzüglich zeigen solle, daß sie gesonnen sei, die irische Frage in gerechter und wohlwollender Weise zu behandeln. Wenn die jetzige Negierung die irische Frage nicht lösen wolle, müsse sie einer anderen Regierung Platz machen, die dazu geneigt sei.
Der Korrespondent des „Daily Herald" meldet aus Dublin: In Irland werden fortwährend neue Truppen gelandet, die Panzerautomobile und Tanks mit sich führen. Die Soldaten nehmen überall außer in Ulster eine herausfordernde Haltung ein. Kirchweihfeste und Märkte werden ans geringfügigen Ursachen verboten. Abends müssen zu einer bestimmten Stunde alle Lichter ausgclöscht werden. Es sieht so aus, als ob man in Irland eine Revolution heraufbeschwören wolle. Soweit roiib es aber vermutlich nicht kommen, denn das irische Volk hat mehr gelernt als die Militaristen. Die Iren sind darüber erstaunt, daß die englische Arbeiterpartei aus der Räumung Rußlands so viel Wesens macht. Sie sagen, Irland wiege doch viel mehr als Rußland.
Rußland.
Die Kämpfe in Rordrußland.
wb. London, 16. Sept. (Reuter.) Bericht des Kr iegsamts von 13.: Der Feind hat in Stärke von zwei Bataillonen geschlossene Angriffe auf unsere Stellungen an der Dwina unternommen, wurde aber mit schweren Verlusten zuriickgeschlagen. Am 10. September wurde Onega ohne Widerstand genommen. Die Russen setzten ihre Offensive an der Eisenbahnfront mit Erfolg fort.
wb. Amsterdam, 16. Sept. Laut „Telegraas" meldet die „Times" aus Helsingfors, daß General Mannerheim unter der Bedingung, daß er allein die Verantwortung für die Verteidigung Finnlands trägt und die Erlaubnis erhält, i m Verein mit Koltschifk die kräftigsten Maßregeln gegen die Bolschewisten zu treffen, bereit ist, den Oberbefehl zu übernehmen.
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wb. Amsterdam, 16. Sept. Laut „Telegraas" meldet die „Times" aus Peking: Der russische Kosakenführer S e m e n o w ist mit 18 russischen Offizieren in Mulden angekommen, wo et von den chinesischen Militär- und Zivilbehörden und einer japanischen Ehrenwache empfangen wurde. Man fragt sich, was das Ziel feines Besuches ist.
Friedensangebot auch an Litauen u»d Finnland.
wb. Königsberg, 11. Sept. Nach einer Meldung der „Tilsiter Zeitung" aus Mitau erhielten auch die litauische und finnische Regierung von der Sewjetregierung ein Friedensangebot.
Das neue Reichsinufnltgesetz.
In einer Eingabe an das Reichsamt des Innern hat der Reichsbürgerrat Berlin aus die schwere Beunruhigung hiiigcwiesen, die durch den Inhalt des Entwurfs zum neuen Reichslumultgesetz in weite Kreise des deutschen Volkes hincingftrage» wird. Der Entwurf enthält zwei Bestimmungen, die das erwerbstätige Bürgertum mit außerordentlicher Schärfe treffen. Wir entnehmen der amtlichen Zeitschrift der deutschen Bürgerrätc, dem „Reichsbürger", nachstehende Aus- sührungen:
Im Gegensätze zu dem bisherigen preußischen Tumult-Gesetze wird in dem Entwurf zu dem neuen Reichsgeseh di« Gewährung des Schadenersatzes an überaus strenge und bei näherer Betrachtung vollkommen unhaltbare Voraussetzungen geknüpft. Der erste Absatz des § 2 des Entwurfes stellt nämlich den Grundsatz auf: „Ein Ersatzanspruch ist nur gegeben, wenn durch die Schäden das wirtschaftliche Bestehen des Betroffenen gefährdet worden ist." Diese Bestimmung läuft im wesentlichen darauf hinaus, daß der Geschädigte den Tumultschaden aus eigener Tasche tragen soll, wenn er dadurch nicht geradezu ruiniert wird. Diese offenbare und grobe Unbilligkeit ist geeignet, in weiteren Kreisen eine lebhafte Erbitterung hervorzurufcn, di« sich bereits in zahlreichen Zuschriften an den Reichsbürgerrat kundgegeben hat. Es Handeft sich hier nm eine» Anspruch, der auf der Verpflichtung der zuständige» Behörde beruht, während der Unruhen Leib und Leben der Bevölkerung in angemessener Weise zu schützen. Dieser Anspruch ist ein Rechtsanspruch, dec ohne weiteres aus den grundlegenden Vegrisfen des öffentlichen Rechts fließt. Es muß als eine juristische Ungeheuerlichkeit b«Feich- net werden, daß dieser vollkommen llare Rechtsboden verlassen und ein durchaus abseits liegendes Moment, nämlich die Hilfsbedürfiigkeit des Geschädigten, in die EntschSdigungsfrag« hineiugetragen wird. ES ist eine mehr als unbillige Zumutung an die besitzenden Klassen der Bevölkerung, die ohnehin schon durch die Tu- mulischäde» ans das Schweifte gelitten haben, auf bie Schadenersatzansprüche zu verzichten, die ihnen rechtlich zustehen, weil die Behörde sich der ihr obliegenden Verpflichtung, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, in keiner Weise gewachsen gezeigt hat. I« der Rechtsgeschichte steht es ohne Beispiel da, daß dem Geschädigten ein rechtlich begründeter Schadenersatzanspruch lediglich aus dem Grunde verweigert wird, weil er sich auch ohne Entschädigung behelfen kann. Das ohnehin durch die Vorgänge der letzten Monate schwer erschütterte Rechtsgesühl der Bevölkerung würde durch eine derartige Regelung noch weiter erschüttert und erneutes Mißtrauen und Beunruhigung in die schon erregte Bevölkerung hineingetragen werden. Der einzige Grund, mit welchem der Entwurf diese ungeheuerliche Bestimmung zu rechtfertigen sucht, wirkt nicht überzeugend. Es heißt da: „Die Notlage Deutschlands gestattet es nicht, solchen physischen und juristischen Personen vollen Ersatz zu gewähren, die auch ohne ihn auskommen können." Allerdings ist diese Notlage ein triftiger Grund, der die Bevölkerung im allgemeinen zwingen wird, sich mit allerhand steuerlichen Belastungen abzufinden. So haben in der Tat die besitzenden Klassen dem Reiche gegenüber sowohl durch die Vermögensabgabe wie durch die unverhältnismäßig hohe steuerliche Belastung, die gerade sie betrifft, so erhebliche Opfer gebracht, daß es unmöglich erfcheint, Ansprüche, die ihnen nach den elementarsten Rechtsgrundsätzen zustehen, au8 Gesichtspunkten einer an sich vielleicht berechtigten Sozialfürsorge heraus zu kürzen. Es wirkt fast grotesk, daß der Staat beabsichtigt, gerade zu Lasten der durch die Tumulte bereits schwer geschädigten Stände und gewissermaßen aus den soeben erst von Plünderern geleerten Taschen des Bürgertums heraus Wohltätigkeit zu üben. Wohltätigkeit und Recht müssen durchaus geschieden nxrben. Ein derartig grober Rechtsbruch, wie die angeführte Bestimmung des Entwurfes darstellt, kann nicht einmal durch die g wirtschaftliche Notlage des Reiches gerechtfertigt ivcc- den. Der Reichsbürgerrat hofft, daß die Bestimmung unter keinen Umständen zum Gesetz wird.
Ebenso unglücklich wie die Bestimmung des § 2 des Entwurfes erscheint der § 11. Er bedroht alle diejenigen Parteien, welche auf Grund des preußischen Gesetzes vom 11. März 1850 (über bie Verpflichtung der Gemeinden des bei öffentlichen Aufläufen verursachten Schadens) Klage gegen Gemeinden anhängig gemacht haben. Da nach einer dieser Tage die Presse durchlaufenden Notiz schon allein gegen die Stadt Berlin mehr als 2000 derartiger Prozesse schweben, kann man leicht ermessen, .tote groß die Anzahl der in ganz Preußen und anderen Gebietsteilen des Deutschen Reiches schwebettden Prozesse dieser Art ist und einen wie tiefen Eingriff in vollberechtigte Ansprüche die Erhebung des § 11 zum Gesetz bedeuten will. Ter Paragraph 11 besagt: „Wegen der im § 1 bezeichneten Schaven können Ansprüche auf Grund der besonderen